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«Arsen und Spitzenhäubchen»: Mord mit Moral auf dem Wasserschloss

Die Schlossfestspiele Hagenwil zeigen zum zehnjährigen Jubiläum den Klassiker «Arsen und Spitzenhäubchen» als biedere, aber vergnügliche Klamotte. Ein perfektes Sommertheater nach Cüpli, Platzregen und mit viel Prominenz aus Politik und Kultur.
Dieter Langhart
Heidenspass im Wasserschloss: Mary Santella (Martha Brewster) und Bigna Körner (Abby Brewster), Mischa Löwenberg (Dr. Einstein) und Alexandre Pelichet (Jonathan Brewster). (Bild: Donato Caspari)

Heidenspass im Wasserschloss: Mary Santella (Martha Brewster) und Bigna Körner (Abby Brewster), Mischa Löwenberg (Dr. Einstein) und Alexandre Pelichet (Jonathan Brewster). (Bild: Donato Caspari)

Ein reines Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen. Das Publikum sitzt bequem auf Schloss Hagenwil: Hauptsponsor ekt (Energie Thurgau) hat auf jeden Stuhl ein Kissen gelegt, auf dass keiner sagen kann, er halte die harte Wahrheit nicht aus. Zum Glück spielt sich die kriminelle Energie auf der Bühne ab, zum Glück hat sie zwei liebenswürdige Gesichter.

Die Schwestern Abby und Martha Brewster bieten einsamen älteren Herren ein Obdach an, dazu selbst gemachten Holunderwein, erlösen sie lächelnd von der Mühsal des Lebens – in den Wein haben sie ein wenig Arsen getan. Aber wohin mit den Leichen? Elf liegen im Keller, verscharrt von Neffe Teddy und entdeckt von Neffe Mortimer, die jüngste liegt noch in der Eckbank.

Darf's ein Gläschen Holunderwein sein? Abby Brewster (Bigna Körner) kredenzt das vergiftete Getränk. (Bild: Donato Caspari)

Darf's ein Gläschen Holunderwein sein? Abby Brewster (Bigna Körner) kredenzt das vergiftete Getränk. (Bild: Donato Caspari)

Und dann taucht plötzlich der verlorene dritte Neffe Jonathan auf, ein Serienmörder auf der Flucht, mit einem skurrilen Dr. Einstein im Schlepptau und einer Leiche im Kofferraum.

Grauslich amüsanter Stoff vor historischer Kulisse

Florian Rexer hat den Broadway-Klassiker «Arsen und Spitzenhäubchen» für die zehnten Schlossfestspiele Hagenwil inszeniert. Geschickt nutzt er den Innenhof des Wasserschlosses als Kulisse, Peter Affentranger möbliert die kleine Bühne mit viel Holz und historisierendem Plüsch, Kostümbildnerin Barbara Bernhardt kleidet die zwölf Schauspieler im Stil der 1940er- Jahre, als das Stück den Broadway stürmte und danach von Frank Capra verfilmt wurde.

Jakob Stark, Thurgauer Regierungspräsident und Patron der Schlossfestspiele, nennt das Stück im Geleitwort des Programmhefts einen «Klassiker, der aktueller nicht sein könnte». Die Aktualität muss in der Moral der Geschichte liegen, nicht in ihrer Umsetzung.

Seine Tanten wollen partout nicht einsehen, warum zwölf Leichen im Keller ein Problem sein sollen: Falk Döhler als überforderter Neffe Mortimer, während Tante Martha (Mary Santella, links) und Tante Abby (Bigna Körner) die nächste Beerdigung planen. (Bild: Donato Caspari)

Seine Tanten wollen partout nicht einsehen, warum zwölf Leichen im Keller ein Problem sein sollen: Falk Döhler als überforderter Neffe Mortimer, während Tante Martha (Mary Santella, links) und Tante Abby (Bigna Körner) die nächste Beerdigung planen. (Bild: Donato Caspari)

Florian Rexer schwächt den starken Brooklyn-Bezug ab, hält sich sonst aber eng an Joseph Kesselrings Vorlage und kostet jede Wendung in den Dialogen aus, bringt die Zuschauer an der ausverkauften Premiere zum Lachen und lässt sie auch mal leer schlucken, so grauslich und amüsant ist der Stoff, aus dem die Alpträume sind. Das Publikum sitzt weich und in wohligem Abstand, geniesst das Stück, das ebenso ausgewogen ist wie die Gruseldinner, mit denen Rexer seinen Einstand auf Hagenwil vor zehn Jahren gegeben hat.

Etwas Straffung hätte dem Stück gut getan

«Arsen und Spitzenhäubchen» ist also perfektes Sommertheater nach Cüpli und Platzregen zum Apéro – nicht zu trivial, nicht zu tiefschürfend. Unter den Zuschauern ist viel regionale wie kantonale Politik- und Kulturprominenz, die sich wohl empfangen fühlt von Schlossherr und Gastgeber Andi Angehrn und seinen Helfern, und der künstlerische Pate Walter Andreas Müller sitzt in der ersten Reihe.

Ein Vergleich mit der Inszenierung des See-Burgtheaters Kreuzlingen drängt sich auf – es hat heuer zufällig dasselbe Stück gewählt, vorgestern war Dernière. Gastregisseurin Annette Pullen interpretierte es als überdrehte Groteske voller greller Gags – Florian Rexers Inszenierung fühlt sich hausbacken und bieder an. Etwas Straffung hätte dem Stück gut getan.

Schauspielerische Leistung ist durchzogen

«Arsen und Spitzenhäubchen» auf Hagenwil lebt vor allem vom Ruf des Stücks, unter den Schauspielern (einige Rollen sind doppelt besetzt) stechen nur wenige hervor. Bigna Körner (Abby) ist differenzierter als Mary Santella (Martha), Falk Döhler spielt den Mortimer als überdrehten Dödel.

Mischa Löwenberg als hektischer Einstein lässt Alexandre Pelichet genügend Raum – sein Jonathan ist sehr körperlich, ist schlaksig, unheimlich, gebückt, tiefstimmig, augenrollend. Für ihn gibt es immer wieder Zwischenapplaus.

Theater für Gross und Klein

Die zehnten Schlossfestspiele Hagenwil zeigen wie jedes Jahr zwei Stücke. Diesmal: Joseph Kesselrings Broadway-Komödie «Arsen und Spitzenhäubchen» für Erwachsene und das Märchen «Aschenputtel» nach den Gebrüdern Grimm für Kinder. «Arsen und Spitzenhäubchen» wird bis 7.9.2019 gespielt, «Aschenputtel» läuft vom 11.8. bis 4.9.2019. Infos und Karten: schlossfestspiele-hagenwil.ch

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