Comedy
Arosa Humorfestival: Dieses Jahr mit einer Hommage an die Beatles

Das Arosa Humorfestival bleibt seiner Linie treu und setzt auch im 28. Jahr auf bekannte Künstler. Und das scheint zu funktionieren.

Peter Hummel
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Das Secondhand Orchestra spielt unerhörte Beatles-Songs.

Das Secondhand Orchestra spielt unerhörte Beatles-Songs.

CH Media

Wohlbekannte Comedygrössen sollen auch heuer ein volles Zelt auf Tschuggen und vor allem volle Hotels in der Vorsaison garantieren. Das bedeutet zwar, dass gegen die Hälfte der diesjährigen Künstlerinnen und Künstler bereits in den letzten drei Jahren auftraten, einige sogar mehrfach. Doch wenn einer wie der «hochbegabte Bündner Plauderi» Claudio Zuccolini die Uraufführung seines neuen Programms «Darum» bietet (die Antwort auf «Warum»), lässt man sich das gern gefallen.

Dieses Konzept scheint in der Tat bestens zu funktionieren: Die Vorstellung von Divertimento war im Nu ausverkauft, ebenso die beiden Auftritte von Mike Müller. Für ein volles Zelt werden auch Mummenschanz sorgen, für Arosa fast ein Jahrzehntereignis; die aktuelle Show «you & me» folgt acht Jahre nach dem letzten Auftritt des weltberühmten Mimenensembles.

Eine Revue wie zu Pfisters Zeiten

Frank Baumann, seit 12 Jahren künstlerischer Leiter des Festivals, lässt es sich nicht nehmen, einige persönliche Perlen ins Programm zu nehmen. Dieses Jahr ist dies vor allem das Secondhand Orchestra mit «Sgt. Pepper, ein Mundartabend»: Das wohl wichtigste Beatles-Album «Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band» erlebt als Revue eine grandiose Reinszenierung.

Der erfolgreiche Musiker und Musicalautor Roman Riklin (Mumpitz, Ewigi Liäbi) hat mit Daniel Schaub, seinem Compagnon von Heinz de Specht, die Songklassiker mit viel Musikgefühl und Schalk sprachlich und geografisch neu verortet: Da fährt etwa «Lucy mit dä Glitzerschtei» mit dem Tram am Zürcher Central vorbei.

Am stärksten zur Geltung kommen der komödiantische Ansatz und der hiesige Bezug bei einigen ergänzenden eigenen Stücken. Da wird etwa die alte Glaubensfrage ­Beatles oder Stones in Migros- oder Coop-Fan umgemünzt. Zum Fliegen kommen die Lieder dank des perfekten vierstimmigen Chorgesangs des Secondhand Orchestra – Adrian Stern und Frölein Da Capo neben den beiden Initianten.

Punkto Schrägheit noch eins drauf setzt Baumann mit Timmermahn. Das 77-jährige Berner Multitalent ist vor allem Gauloise-bleu-Schloter, Harley-Davidson-Cruiser («mein Rollstuhl»), geistiger Amokläufer und versierter Frauenversteher. Einen gewissen Namen machte er sich mit seiner Malerei zwischen naiv und Pop-Art, und nun, aufs reife Alter, als verkannter Dichterfürst. Seine Märchenstunde für Erwachsene beginnt harmlos, doch weil Timmermahn so ziemlich jede pralle Seite des Lebens ausgekostet hat, schwenkt sie dann in Sphären, von denen man gar nicht wissen wollte, dass es sie gibt.

Seine ausschweifenden, frivolen bis versauten «Pfuigagg»-Erzählungen schlagen fiese Haken, drehen ins Groteske ab und münden meist in ein hingewürgtes Happy End. Trudi Gerster in Deep-Throat-Version. In Arosa tritt der Exzentriker mit der Berner Band Troubas Kater im deftigen Zweiakter «Heimatdonner» auf.

Tipp

28. Arosa Humorfestival
5.–15. Dezember

www.humorfestival.swiss