ARCHITEKTUR: Kunst-Spritze für die Neubauten

Kunst am Bau spielt eine wichtige Rolle auf dem Areal des Kantonsspitals St. Gallen. Für die Neubauten bis 2027 ist sie vielfältig eingeplant. Akzente setzt das Spital auch bei der Vermittlung.

Martin Preisser
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Vor der Arbeit «Künstlereingang» von Manon (Fotografien auf Alu, 1990): Christof Stäheli und Christine Musits engagieren sich seit fünf Jahren professionell für die Kunst am Kantonsspital St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Vor der Arbeit «Künstlereingang» von Manon (Fotografien auf Alu, 1990): Christof Stäheli und Christine Musits engagieren sich seit fünf Jahren professionell für die Kunst am Kantonsspital St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Martin Preisser

martin.preisser@tagblatt.ch

Von der Künstlerin Manon hängt die Arbeit «Künstlereingang» im Kantonsspital. «Gesammelte Ängste» und «Gesammelte Wünsche» zeigen die beiden Fotografien, zentrale Themen, die auch Patienten und ihre Angehörigen beschäftigen. «Kunst kann Ihre Gesundheit positiv beeinflussen», liest man auf der Homepage des Kantonsspitals St. Gallen. Über 2000 Kunstobjekte besitzt das Spital. Dessen Abteilung Bau und Raum hat 60 Stellenprozent für Kunst reserviert.

Die nächsten zwölf Jahre ist das Areal eine Baustelle. Kunst soll auch dazu beitragen, die Entwicklung der Neubauten zu begleiten. «Wir haben drei verschiedene Projekte aufgegleist, welche die allmähliche Verwandlung des Klinikgeländes reflektieren und dokumentieren», sagt Christine Musits, Kunsthistorikerin und seit 2011 Kunstbeauftragte des Kantonsspitals.

Plakate, Videos und Comic begleiten die Bauarbeiten

Das erste Projekt ist ein fotografisches und über die zwölf Jahre Bauzeit bis 2027 angelegt. Die Künstlerin Katalin Deér zeigt den Baufortschritt auf insgesamt 52 Plakaten. Jedes Jahr werden Gastkunstschaffende auf ihre Bilder reagieren und die Plakate mit eigenen Ideen überkleben.

Wie es mit den Neubauten weitergeht, erzählt auch Mat­thias Gnehm in einem fortlaufenden Online-Comic. 2027 kommt er als Buch heraus. Das dritte, die langjährige Baustelle reflektierende Projekt umfasst schliesslich Videoarbeiten von Claudio Moser. Zwei Videos pro Jahr ­entstehen und werden auf der Homepage des Kantonsspitals aufgeschaltet.

«Kunst hat das Potenzial, Brücken zwischen den Mitarbeitenden, den Patienten und den Besuchern zu schaffen», sagt Christine Musits. Von Anfang an hat man am Kantonsspital Kunst am Bau als integrativen Bestandteil der Gesamtkonzeption in die Neubauplanungen einbezogen. Der Architekt der Neubauten, Fawad Kazi, ist Mitglied der siebenköpfigen Kunstkommission des Spitals, die seit 2012 existiert und von Christof Stäheli präsidiert wird. Er war Projektleiter Bau und Raum am Kantonsspital und engagiert sich heute mit 20 Stellenprozenten für Kunst.

«Bei Kunst am Bau ist Überzeugungsarbeit im Vorfeld wichtig. Man muss die Nutzer, die später mit der Kunst im Arbeitsalltag zu tun haben, bei der Planung von Anfang an mit einbeziehen», sagt Stäheli. Zwei Künstler, die durch Wettbewerbe ermittelt wurden, stehen schon fest: Der St. Galler Norbert Möslang hat den Auftrag, neue Liftschächte durch künstlerische Interventionen zu beleben. Und für die neue Tiefgarage im Zen­trum des Klinikgeländes ist Jean-Luc Manz mit Farb- und Mosaikinterventionen beauftragt. Kunst am Bau ist auch für die zukünftigen Innenhöfe und den Dachgarten geplant.

Kunstschaffende zu Gast im Spital

Ein Thema, das den beiden Kunstverantwortlichen am Herzen liegt, ist die Kunstvermittlung. «Wir haben Kunst» heisst kurz und bündig eine ­Aktion, bei der Mitarbeitende des Spitals in einem Video ihre Lieblingskunst kurz vorstellen. «Unsere Kunst im öffentlichen Raum wird wahrgenommen», sagt Christine Musits. Ein weiteres Projekt der Kunstvermittlung ist eine Postkartenaktion. Neben jedem Kunstwerk im Spital informiert eine Karte über das ausgestellte Objekt. Die Kunstkarten sind auch als Set zu erwerben und bieten einen bewusst niederschwelligen Zugang zur Kunst im Spital.

Eine Vermittlungsreihe heisst «Meet and greet the artists». Hierbei kommen Kunstschaffende ins Kantonsspital und führen das Publikum an ihre Kunst heran. Auch die Künstlerin Manon war schon zu Gast.

www.kssg.ch/h-kunst