Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ANTIHELD: Verdammt verruchtes Leben

Der Thurgauer Pascal Beer legt nach einem Gedichtband seinen ersten Roman vor. «Reise ans Ende der Welt» stellt einen ­Helden zwischen Alpenkindheit und Absturz als junger Mann vor. Deftig, aber gut beobachtet.

Eng war diese Bündner Welt für den Erstklässler Nils Moor. Allen Platz nahmen ihm der Dorfpfarrer («gallopseijesuschriuschtus») und der angedrohte Teufel weg. Eng war es ihm auch in der Familie, nur der Onkel war lieb zu ihm; eng im Schulzimmer, in das nie die Sonne schien. Keine Kindheit, ein Heranwachsen nur unter «huara schofseckels», und der Versuch, die Welt zu verstehen. Als Rosalina ihren Rock hebt und seine Hand an ihre gelbe Unterhose mit den roten Sternen zieht, weiss Nils noch nicht, wie sehr ihn die Frauen später umtreiben werden auf seiner Reise fast ans Ende der Welt und ihn nicht loslassen werden, als er zurückkehrt und nicht mehr vorwärts kommt.

Der Roman beginnt mit einer Lesung im Oberland. Nils Moor, der Ich-Erzähler, ist Schriftsteller geworden, liest viel Bukowski, verkauft kaum Bücher. Er kommt bei seinem alten Schulfreund Ben unter. Versifft ist die Wohnung, versifft auch Moors Leben, und wenn es ihm nicht gut geht, nimmt er ein Vollbad. Manchmal findet er eine Frau: «Kurze zärtliche Momente, die wir austauschten, um zu vergessen.»

Sex, Tod und Teufel vom Sockel gestossen

Pascal Beer blendet in seinem Romanerstling zwischen den zwei Lebensphasen Moors hin und her, aber die beiden Erzähl­ebenen sind sprachlich ungenügend getrennt. Die konsequente Kleinschreibung passt zum deftigen Ton und zum happigen Inhalt. Pascal Beer nimmt kein Blatt vor den Mund, holt Sex, Tod und Teufel vom Sockel.

Dem Autor gelingen in «Reise ans Ende der Welt» zwei eindrückliche Milieuschilderungen. Er schaut den Figuren genau aufs Maul, beobachtet präzise, was sie tun, beschreibt Szenen voller ­Leben, etwa wenn Nils von seinem Vater in die Dorfbeiz mit­genommen wird. Hinter dem prallen Leben aber fliessen Dunkelheit und Melancholie. Und wundersame Gestalten kommen vor wie Monique hinten im Sinistertal. Sie gibt Nils ein Zimmer, sperrt ihn im Haus ein, will unbedingt seine Eltern kennen lernen und wirft ihn schliesslich hinaus.

Dieter Langhart

dieter.langhart@tagblatt.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.