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Anti-Folk und Alpenbitter

Mit der Ostschweiz verbindet Adam Green eine lange Beziehung. Nun wird der Indiepop-Liebling auch von der internationalen Kunstwelt gefeiert. Wie das zusammengeht, zeigt er morgen in St. Gallen.
Timo Posselt
Der New Yorker Musiker und Künstler Adam Green bringt morgen neben der Gitarre seinen Film «Aladdin» mit. (Bild: Rough Trade)

Der New Yorker Musiker und Künstler Adam Green bringt morgen neben der Gitarre seinen Film «Aladdin» mit. (Bild: Rough Trade)

Um Brooklyn zu ertragen, braucht Adam Green weniger Kokain als früher, beichtete er kürzlich dem «Tages-Anzeiger». Auf die Frage, wie man die Schweiz aushalten kann, sagte er: «Mit Schützengarten, das ist ganz wichtig. Und Appenzeller Bier.» Der New Yorker hat eine lange Geschichte mit der Ostschweiz. Morgen zeigt er seinen gefeierten Film «Aladdin», eine surrealistische Dada-Version des Märchens aus «Tausendundeine Nacht». Regie, Set-Design, Kostüme und Hauptrolle: Adam Green.

Mit ansteckendem Enthusiasmus

«Aladdin» spielt in einer selbstgebastelten Kulisse mit dem bestechenden Charme einer Mittelstufen-Schulaufführung. Die nahöstliche Prinzessin ist in Greens Version ein Reality-TV-Star und ihr Vater, der Sultan, ein Perversling mit Bierbauch. Dieser will seine Tochter hinrichten, wenn sie sich nicht schleunigst verheiratet. Zu Hilfe eilt ihr der unzufriedene Indie-Popstar Aladdin (verkörpert von Green selbst) mit einer Wunderlampe in Penis-Form. Hier ist diese ein 3D-Printer, der auch Menschen ausdrucken kann. «Fellini auf Ketamin», nannte das der «Rolling Stone». Die waghalsig-komische Story passt gut in Greens Universum. So erinnern die Kulissen im Film an die subkulturellen Heftli, genannt Fanzines, die er in seiner ersten Band The Moldy Peaches mit Musikerin Kimya Dawson vertrieb. Und auch einige Figuren im Film kennt man aus Greens früheren Songs. Der 35-Jährige hat einen ansteckenden Enthusiasmus: So konnte er Mitglieder der New Yorker Kunst-Szene für den Film gewinnen: Zum Beispiel Macaulay Culkin aus «Kevin – Allein zu Haus», der Künstler Francesco Clemente und die Tochter von Lenny Kravitz, Zoë.

Auch die internationale Kunstwelt hat sich inzwischen für Greens verspieltes Universum begeistern lassen: So stellte er unter anderem im Januar in der Basler Fondation Beyeler die Kostüme und Kulissen von «Aladdin» aus. Wohlgemerkt in direkter Nachbarschaft zu Gemälden von Kandinsky, Warhol und Monet. «Aladdin» ist bereits Greens zweiter Film, nach dem komplett auf dem Smartphone gedrehten «The Wrong Ferrari». Beschränkt man sich jedoch auf die Musik des Urenkels einer Verlobten von Franz Kafka, so ist er ganz der Alte. In den frühen 2000er kannte man ihn für klimpernde Folkgitarre, eine Stimme wie schwerer Sommerwein und surreal-pubertäre Texte. Songs wie «Jessica» oder «Emily» machten Green damals zum Helden nicht nur der Ostschweizer Indie-Jugend. In «Aladdin» ist Green in alter Form: Neben zielsicher instrumentierten Balladen, die einem nicht mehr aus dem Ohr gehen, wie «Never Lift A Finger», «Me From Far Away» oder «Trading Our Graves», ist auch Raum für Experimentelles. Wie schon bei seinem Début «Garfield». Green geht damit in seine Anfänge des New Yorker Undergrounds zurück.

Erotikmesse, Badhütte und Bratwurst

Unter dem Schlagwort «Anti-Folk» spielte damals eine Generation von Singer-Songwriter bewusst einen schrummeligen Gitarrensound und stellte sich damit gegen überproduzierte Popmusik der Majors. Ein weiteres Kind dieser Bewegung ist der Palace-Dauergast Jeffrey Lewis. Die Ostschweiz hat inzwischen eine lange Geschichte mit diesem Schlag selbstermächtigter Popmusik: Green kommt nach einstigen Konzerten am OpenAir, im Mariaberg Rorschach und Lustenau nach neun Jahren ins Palace zurück. Damals hatte er zwei freie Tage auf Tour und verbrachte diese mit Mitarbeitern des Palace. Das endete mit einem Besuch der Erotikmesse in der Olma-Halle, einem Einsatz von Green als Coiffeur und seiner grundlegenden Beziehung mit dem regionalen Bier und Appenzeller Alpenbitter. In Rorschach verzichtete Green gerne auf das im Tourplan bestellte Menu und biss dafür in eine St. Galler Bratwurst. Während er die freien Stunden vor dem Konzert in der Badhütte verbrachte. Dieser Beziehung zur Ostschweiz ist es zu verdanken, dass Adam Green bei seiner Tour durch inzwischen zahlreiche internationale Kunstgalerien auch in St. Gallen mit seinem Film und einem Konzert Halt macht.

Fr, 31.10., 20 Uhr, Palace, St. Gallen; Vorverkauf empfohlen

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