Daniel Preisig sammelt historische Ansichtskarten von Teufen

Der 36-jährige Teufner stellt einen Teil seiner Sammlung zum ersten Mal aus – im Zeughaus Teufen zusammen mit Grafiken und Fotografien in der Ausstellung «Apropos – flüchtige Blicke».

Christina Genova
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Daniel Preisig und drei seiner 300 Ansichtskarten. (Bild: Ralph Ribi)

Daniel Preisig und drei seiner 300 Ansichtskarten. (Bild: Ralph Ribi)

Erwartet hätte man bei diesem Hobby einen älteren Herrn. Daniel Preisig ist aber erst 36 Jahre alt. Er gibt zu, dass er keinen Jüngeren kennt, der wie er historische Ansichtskarten sammelt. Rund 300 Karten sind es insgesamt, 50 davon zeigt er im Zeughaus Teufen: Es ist das erste Mal, dass er seine Sammlung öffentlich präsentiert. Am Sonntag eröffnet dort die Ausstellung «Apropos – flüchtige Blicke», in welcher Kurator Ueli Vogt auch Fotografien und Grafiken ausstellt: Es geht um die Wahrnehmung von Architektur und Landschaft.

Ueli Vogt serviert einen Espresso. Daniel Preisig trinkt ihn wie immer schwarz und ohne Zucker. Die beiden Männer kennen sich gut: Preisig ist als Gesamtleiter für die Hauswartung von zwölf öffentlichen Gebäuden in Teufen zuständig, auch das Zeughaus gehört dazu.

Der Urgrossvater auf der Ansichtskarte

Es sind fast ausschliesslich Ansichtskarten von Teufen, die Daniel Preisig sammelt: «Es interessiert mich, wie das Dorf sich verändert hat.» Vom Sammlervirus angesteckt wurde er als etwa 13-Jähriger, als ihm die Mutter und der Grossvater die ersten Karten der Teufner Grubenmann-Kirche schenkten. Nicht nur die Gebäude, sondern auch die Menschen, die darauf abgebildet sind, findet der junge Sammler spannend – auch aus familiären Gründen: Er besitzt eine Ansichtskarte, die seinen Urgrossvater beim Heuen zeigt; auf einer anderen sieht man den Grossvater mit seinen Turnerkameraden in einem Umzug.

Ganz seltene Ansichtskarten besitze er keine, sagt Daniel Preisig bescheiden: «Mit meiner Sammlung stehe ich noch am Anfang.» Ein paar wenige Karten stammen aus der Zeit vor 1900, ab 1915 hat er die interessantesten Motive. Fündig wird er zum Beispiel an der Brocante in St. Gallen, in Brockenhäusern oder auf Riccardo.

Ehrenkodex unter Sammlern

Preisig ist nicht der einzige Teufner, der nach Karten Ausschau hält; er weiss von weiteren acht Sammlern. Unter ihnen gibt es einen Ehrenkodex: Gebote von Kollegen auf Auktionsplattformen werden nicht überboten. Karten kosten ab 10 Franken, das mittlere Preissegment liegt bei etwa 35 Franken. Teurer als «leere» Karten sind «gelaufene», das heisst solche, die versandt und mit Stempel und Briefmarke versehen worden sind. Daniel Preisigs Frau teilt zwar nicht seine Sammelleidenschaft, findet die Ansichtskarten aber spannend: «Bei unserem ersten Treffen habe ich ihr aber nicht meine Sammlung gezeigt», sagt Daniel Preisig und schmunzelt.


Vernissage: So, 21.7.19, 14 Uhr, 
Zeughaus Teufen.