Angenehm rastlos: Das neue Album von Baze spendet Coronatrost

Baze bringt zum Ende des Lockdowns eine neue EP. Darauf eingefangen: Berner Gemütlichkeit und das Flirren einer Partynacht.

Michael Graber
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Umtriebiger Kreativkopf im besten Alter: Baze feierte soeben seine 40. Geburtstag.

Umtriebiger Kreativkopf im besten Alter: Baze feierte soeben seine 40. Geburtstag.

Bild: Jonas Moser

Es ist Nacht über der Stadt. Baze steht in einem Dachstock in Wabern bei Bern, Fabian M. Müller sitzt an den ­Tasten, zusammen schaffen sie das schönste Schweizer-Musik-Zeitdokument zur Coronakrise. Die «Abstand Session». «Aufgenommen in einer komischen Zeit an einem Abend im März 2020», steht unter dem Youtube-­Video. Es wummert, brummt, röchelt, berichtet von Abgründen, strahlt Wärme aus, hat unfassbar viel Herz. Man will zusammenrücken und hält doch Abstand.

So hat sich die Coronazeit angefühlt, als man noch zu perplex war, um über Lockerungen zu streiten. Als man noch zusammen allein war. Wenn Baze da «I ha vergässe di z vermesse» zu «I ha vergässe di z vergässe» steigert, trifft er exakt die Mischung aus Schwermut und angenehmer Ratlosigkeit, die ­damals in der Luft lag. Es sind 46 Minuten 47 Sekunden, die man auch ausserhalb von jeglichen Krisen hören sollte.

«Aus wo fägt, macht fett – ussert vöglä»

Spätestens mit seinen letzten beiden Alben ist Baze zu einer der zentralen ­Figuren im Musikgeschäft geworden. Den Schweizer Musikpreis hat er gewonnen ebenso wie dieses Jahr an den Swiss Music Awards den Artist Award. Er sei «ein Wahrheitsdichter», ein «wandelnder Tumult», eine «echte Wuchtbrumme», so Endo Anaconda, der die Laudatio auf den soeben 40 gewordenen Berner Rapper hielt. Baze sagte, dass er trotz Preis «weiterhin in Clubs spiele, in die 80 Leute passen und am Ende kommen etwa 60.»

Das sind Grössenordnungen, die bald Corona-konform sein könnten, während die grossen Hallen wohl noch länger geschlossen bleiben. Und bis es so weit ist, lässt es sich schon daheim mit der neuen EP von Baze durch die Nacht treiben. «Aus wo fägt» heisst die Platte, die soeben erschienen ist. Sie ist Teil einer Trilogie. Im letzten Jahr kam «Aus i üs», und irgendwann komme dann der dritte Teil, sagt Basil Anliker, wie Baze bürgerlich heisst, am Telefon. Er habe keine Ahnung, was es geben werde, sagt er, sicher wieder etwas mit «Aus» im Titel.

Das Cover von «Aus wo fägt» von Baze.

Das Cover von «Aus wo fägt» von Baze.

Diesmal eben «Aus wo fägt», einer der wenigen Berner Ausdrücke, die auch jeder ausserhalb der Bundeshauptstadt problemlos versteht. Es sind drei kurze Stücke, unterbrochen von Aufnahmen von Gesprächen aus aller Welt. Herzstück ist das gleichnamige Lied. «Aus wo fägt, macht fett – ussert vöglä», singt Baze. Auch darum müsse man lieb zueinander sein. Bei Baze wird diese eher primitive Phrase dank einer Portion Schwerelosigkeit poetisch. Der Beat treibt gemächlich voran. Tanzen dazu wäre schwierig, etwas beschwipst schwofen ginge. Dass dieses leichte Überborden durchaus im Sinn von Baze ist, singt er in «Suber». Dieses «Suber si» sei eben «o ke Lösig». Dazu flirrt der Beat etwas farbiger, und die Stimmung pendelt zwischen Berner Gemütlichkeit und der Hektik einer Partynacht.

Eine kurze Platte, die aber erneut beweist: Baze hat seine eigene musikalische Sprache gefunden, vermag sie abzuwandeln und bleibt doch immer unverkennbar. «I muess grad gar nüt», sagt er im dritten Track, ausser: «irgendeinisch mal drufgah – Aber da lan i mir Zyt drfür». Guter Plan.

Hinweis:
Baze: Aus wo fägt

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