Andrea Vogel: Frau in Rot-Weiss

Im Architekturforum Ostschweiz zeigt die St. Galler Künstlerin Andrea Vogel «Unten durch – Oben durch». Neben einer raumgreifenden Installation sind Selbstinszenierungen zu sehen, die in Rom entstanden sind und die Nähe zu Baustellen suchen.

Martin Preisser
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Andrea Vogel vor ihrer Installation mit Absperrbändern. (Bild: Michel Canonica)

Andrea Vogel vor ihrer Installation mit Absperrbändern. (Bild: Michel Canonica)

Andrea Vogel ist von Absperrbändern angezogen. Den Ausstellungsraum sperrt sie aber nicht einfach ab, sondern sie hat aus rot-weissen Bändern eine Art Gewebe hergestellt. Vierzig Meter lang zieht sich dieses durch die Ausstellung. Grenzt den Raum aus, weckt Erwartungen, überrascht, weist den Weg in eine andere als die erwartete Richtung. Die Stangen, an denen die gewobenen Bänder befestigt sind, sind an den Spitzen mit Gold veredelt.

Sinn und Unsinn von Grenzen

Das riesige Band zeigt keine seriellen Muster, sondern eine beeindruckende Vielfalt an aufwendig und in kunstvoller Kleinarbeit erzeugten Überschneidungen und Überlagerungen von weiss-roten Mustern. Andrea Vogels Kunstzaun, eben «unten durch – oben durch» gewoben (daher der Ausstellungstitel), scheint den Raum fast zu negieren, setzt Grenzen und lässt über Sinn und Unsinn von Grenzen nachdenken. Letztes Jahr war die Künstlerin in Rom dank eines Stipendiums des Kantons für die dortige Atelierwohnung. Eine Bildergalerie, eine Serie geheimnisvoller Selbstinszenierungen, zeigt die Künstlerin in Rom vor allem an Baustellen, aber auch an anderen Stellen, die durch die Inszenierungen erst interessant werden. Andrea Vogel ist auf all diesen Bildern im Zentrum, in einem Kleid, das sie wie ein lebendiges Absperrband erscheinen lässt. Jedes Bild ist jeweils genau gespiegelt. Verschiebungen der Figur lassen immer leicht doppeldeutig eine Kunstfigur entstehen, oft ein wenig deformiert und verfremdet und dadurch offen für Assoziationen, die in Richtung Ikonenbild gehen können, in Richtung von Motiven der Commedia dell'Arte oder auch von persiflierender Modefotografie.

Aufbrechen der Unterwelt

Die Absperrband-Idee hat Andrea Vogel auch nach ihrem Romaufenthalt nicht losgelassen. Auch in anderen Städten und in St. Gallen selbst hat sie Szenen mit Absperrbändern fotografiert und zeigt in zwei Heften Baustellen als spezielle Orte, an denen Geheimnisvolles passieren und die Unterwelt aufbrechen kann, an denen Plastikbänder klare Grenzen errichten.

Bis 29.9.; Architekturforum Ostschweiz (Davidstr. 40), Di–So, 14–17 Uhr