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Neues Programm von Johnny Burn:
An erster Stelle steht der Spass

Mit Wok the Line spielte, sang und witzelte sich Johnny Burn in die Herzen der Schweizer. Nun präsentiert der Luzerner mit kambodschanischen Wurzeln sein neues Programm: Wok-uhila ist ein Seelenstriptease zum Lachen, Mitfühlen und Nachdenken.
Flavia Bonanomi
Der Luzerner Johnny Burn wagt den Spagat zwischen Comedy und Ernsthaftigkeit. (Bild Dominik Wunderli)

Der Luzerner Johnny Burn wagt den Spagat zwischen Comedy und Ernsthaftigkeit. (Bild Dominik Wunderli)

Johnny Burn heisst eigentlich Mav Bun. Aber das ist ein Schreibfehler: Es sollte Mau heissen. «Das ist auch so eine Geschichte», grinst der Komiker und nimmt noch einen Schluck Bier.Geschichten kennt Johnny Burn viele. Und er möchte sie erzählen.

Seit vielen Jahren steht er auf der Bühne, singt und musiziert, macht Witze oder schlüpft in eine Rolle. Zum Beispiel in die seiner Tante Wong, die sich trotz einiger Kommunikationsschwierigkeiten mit ihrem Imbissladen durchschlägt und ebenso musikalisch ist wie ihr Neffe, der seine ganz eigenen Geschichten auf seine sympathische, manchmal etwas flegelhafte Art zum Besten gibt.

Beim Publikum kommen die Anekdoten von Johnny Burn gut an, was ihm 2012 den Publikumspreis der Swiss Comedy Awards einbrachte. «Ich habe grosses Glück, dass den Leuten so gefällt, was ich mache, dass ich inzwischen davon leben kann.»

Zwischen Heimat und Wohnort

Geboren ist Johnny Burn irgendwo zwischen Kambodscha und der Schweiz, sein Zuhause ist, wie er selbst sagt, «Südost-Malters». Dass seine Eltern aus der Heimat flohen, prägt den 39-Jährigen bis heute. «Ich bin hier aufgewachsen, ich bin Schweizer; aber man sieht mir an, dass ich nicht von hier bin», sagt Johnny Burn in breitem Luzerner Dialekt. Schon als Knabe merkte er, dass er anders ist; und verhielt sich anders. «Ich habe bereits als 8- oder 9-Jähriger aufgepasst, nicht von einem Polizisten mit kaputtem Rücklicht am Velo erwischt zu werden; am helllichten Tag! Wer überlegt sich so etwas schon in diesem Alter?»

Auch in der Schule und im Umgang mit seinen Eltern merkte Johnny Burn immer wieder, dass er kein gewöhnlicher Schweizer ist. Man könne sich kaum vorstellen, wie es sei, wenn man nicht selbst betroffen ist; wie sich das anfühle, wenn man den Eltern alles übersetzen müsse, wenn sie abhängig von einem seien, obwohl das doch eigentlich umgekehrt sein sollte. Während andere Leute in diesem Fall denken, das sei halt einfach so, gibt sich Johnny Burn nicht zufrieden; er will nicht wegschauen.

Kein Wunder also, dass das Secondo-Thema auch in seiner Kunst ein Thema ist. Johnny Burn, der ursprünglich ausschliesslich Musik machte und dann immer mehr auf die Komikerschiene geriet, macht sich bei seinen Auftritten sowohl über Asiaten wie auch über Schweizer lustig und findet dazwischen oftmals überraschende Gemeinsamkeiten zwischen den Kulturen.

Wok the Line war ausserdem ein noch sehr musikalisches Programm, und es ging vor allem um Klischees, wie der Komiker selbst sagt. Und: «Irgendwann sind meiner Familie und meinen Freunden die Witze verleidet», lacht er. Also musste eine neue Show her; entstanden ist der Name «Wok-uhila».

Wohlgemerkt nur der Name: Der Inhalt folgte erst später, wie Johnny Burn lachend zugibt. Für das neue Programm, welches am 31. Oktober im Kleintheater Premiere feiert, wagt der Luzerner den Spagat zwischen Comedy und Ernsthaftigkeit. Wok-uhila soll mehr Tiefe haben und die Leute im besten Fall auch zum Nachdenken animieren.

Warum lachen wir? Dafür habe er sich vor allem auf Dialog, auf Theater und auf das Technische konzentriert. «Aber jeder und jede kann daraus mitnehmen, was er oder sie will; wenn man einfach nur einen unterhaltsamen Abend hat, ist das auch okay, das Wichtigste ist der Spass», sagt Johnny Burn. «Es ist wie bei einer Asia-Platte, wo jeder das nimmt, was er gerade will», fügt er hinzu; Metaphern hat der zweifache Vater viele auf Lager.

Das neue Programm ist auch politisch

Um Familie geht es auch in Wok-uhila und darum, alte Geschichten aufzuarbeiten. Und auch politisch sei das neue Programm; es kommen weniger Songs vor. Gar auf dünnes Eis begebe er sich mit Wok-uhila, aber mit versöhnlichem Schluss. «Es soll nicht um leere Pointen gehen, sondern um meine Entwicklung als Mensch und Komiker, um meine Geschichte und meine Erfahrungen; Dinge, die früher vielleicht schwierig waren und über die man heute lachen kann.»

Lachen zu können, das scheint ein grosser Segen zu sein für Burn, der Comedy auch als ein Ventil sieht und als Weg, Geschichten auf die Art zu erzählen, auf die es für ihn passt. Er geniesse es, in einem Land zu leben, in dem er seine Meinungsfreiheit und eine künstlerische Freiheit ausleben könne. Hier leben seine Familie und Freunde, seine grösste Energiequelle, dank derer er trotz schlafloser Nächte und des harten Jobs, als den er das Showbusiness wahrnimmt, nichts lieber will, als genau da zu sein, wo er ist.

Obwohl es hart war, sich die Sporen abzuverdienen und Johnny Burn froh ist, nicht mehr am Anfang seiner Karriere zu stehen, schaut er seinen Erfolg nüchtern an: «Auch eine super geplante Show kann in die Hose gehen, doch Übung und Professionalität geben mir ein stabiles Gerüst.» Nüchtern und authentisch, so wirkt der «asiamilisierte» Schweizer. «Ich kann als Künstler genau so sein, wie ich bin; ich muss mich nicht verstellen und mich in kein Schema zwängen, in welches ich eigentlich nicht passe.» Und das merkt man Johnny Burn an. Er sucht nicht, er greift nur kurz in seine Schatztruhe ­voller Eskapaden und Anekdoten, fischt sich heraus, was gerade passt, und präsentiert es einem Publikum, das sich mit ihm und seinen Geschichten identifizieren kann. «Die Schweiz ist ein Einwandererland; diese Themen werden immer präsent sein.»

Wok-uhila. 31. Oktober sowie 2. und 3. November 2018 im Kleintheater Luzern.

Hinweis

Wok-uhila. 31.10. sowie 2. und 3.11. im Kleintheater Luzern.

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