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An einem Wendepunkt

Die Filmreihe «Cinema italiano» bietet erneut mit fünf Filmen einen bunten und spannenden Querschnitt durch das aktuelle italienische Filmschaffen. Zu sehen in Frauenfeld, St. Gallen und Heiden.
Walter Gasperi
Szene aus dem Frauenfilm «Latin Lover». (Bild: pd)

Szene aus dem Frauenfilm «Latin Lover». (Bild: pd)

185 Filme wurden laut Cineuropa 2015 in Italien produziert oder koproduziert. Nur ein Bruchteil davon findet einen Schweizer Verleiher. Deshalb versuchen Cinelibre und Made in Italy mit ihrem Tournéefestival einen erweiterten Blick auf die Vielfalt des italienischen Filmschaffens zu bieten. Gemeinsam ist den fünf ausgewählten Filmen, dass sie auf Menschen fokussieren, die an einem Wendepunkt ihres Lebens stehen.

Nichts scheint den weltoffenen und toleranten, aber auch arroganten Herzspezialisten Tommaso erschüttern zu können. Dass sein Sohn Priester werden will, ist für den Atheisten aber doch zu viel. Alles unternimmt Tommaso, um seinen Sohn von seiner Entscheidung abzubringen, beginnt aber vor allem, sein eigenes Leben zu überdenken.

Ist schon die Ausgangslage originell, so dreht Edoardo Falcone in seiner Komödie «Se Dio vuole» in rasantem Tempo und mit perfektem Timing konsequent weiter an der Schraube. Mit stets neuen Wendungen, schnellen Dialogen und bestens aufgelegten Schauspielern lässt er keinen Leerlauf aufkommen. Vor klamaukigen Szenen schreckt der Regiedebütant nicht zurück, stimmt den Zuschauer mit seinem Plädoyer für das Überdenken festgefahrener Lebenswege aber auch nachdenklich.

Hommage an vergangene Kinozeiten

Frauen stehen im Zentrum von Cristina Comencinis «Latin Lover». Zum Gedenktag eines verstorbenen Schauspielers und Frauenschwarms treffen sich dessen Töchter und Witwen in seinem Geburtshaus in Apulien. Bald brechen nicht nur Rivalitäten und Eifersüchteleien aus, sondern die Damen müssen erkennen, dass sie sich von diesem mythischen Übervater, der immer noch ihr Leben bestimmt, lösen müssen. Comencini bietet mit dem Frauenfilm nicht nur eine Plattform für Stars wie Valeria Bruni-Tedeschi, Virna Lisi und Marisa Paredes, sondern legt auch eine ebenso witzige wie charmante Hommage an eine längst vergangene Epoche des Kinos vor.

An die Filme Pier Paolo Pasolinis knüpft Claudio Caligari mit seinem in den 1990er Jahren spielenden «Non essere cattivo» an. Der im Mai 2015 im Alter von 67 Jahren verstorbene Regisseur erzählt von zwei befreundeten jungen Männern, die sich in Ostia mit dem Verkauf von Drogen durchschlagen. Sie träumen von Glück und grossem Reichtum, doch gering sind die Chancen, aus ihrem subproletarischen Milieu zu entkommen. Neue filmische Wege beschreitet Caligari nicht, überzeugt aber mit geradliniger Erzählweise, treffend gezeichneten und überzeugend gespielten Figuren sowie stimmiger und dichter Verankerung der Handlung im geographischen und gesellschaftlichen Milieu, das es so längst nicht mehr gibt.

Porträt einer starken Frau

Auf die Schattenseiten der italienischen Gesellschaft blickt auch Marco Tullio Giordana, der zu Beginn des Jahrtausends mit dem Mafiafilm «I cento passi» und der sechsstündigen Familienchronik «La meglio gioventù» zwei herausragende Filme des italienischen Kinos schuf. In seinem fürs Fernsehen gedrehten Spielfilm «Lea» erzählt der Mailänder nach einer wahren Begebenheit von Lea Garofalo, die sich von ihrer kriminellen Familie löste und sich entschloss, mit der Justiz zusammenzuarbeiten.

Deutlich leichtere Töne schlägt Gianfranco Cabiddu in «La stoffa dei sogni» an. Nach einem Schiffbruch muss eine mittelmässige Theatergruppe auf der nördlich von Sardinien gelegenen Insel Asinara zusammen mit gefährlichen Verbrechern Shakespeares «Der Sturm» inszenieren. Reiz entwickelt der eigenwillige Film durch die originellen Parallelen zwischen der Filmhandlung und Shakespeares berühmtem Stück; gleichzeitig lassen die grossartigen lichtdurchfluteten Landschaften von Ferien in Bella Italia träumen.

• Cinema Luna, Frauenfeld: ab 24.10., mit Se Dio vuole, La stoffa dei sogni, Non essere cattivo, Latin Lover. • Kino Rosental, Heiden: ab 4.11., mit Se Dio vuole, Latin Lover, Non essere cattivo. • Kinok, St. Gallen: ab 6.11., mit Lea, Latin Lover, La stoffa dei sogni, Non essere cattivo, Se Dio vuole.

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