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Am siebten Tage sollst du spielen

Die erste Woche der Lucerne Festival Academy gipfelte in der Aufführung von «Genesis»: Zwei Komponistinnen und fünf Komponisten vertonten je einen Tag der Schöpfungsgeschichte.
Katharina Thalmann
Alles neu: Matthias Pintscher leitet das Academy-Orchester im Luzerner Saal. (Bild: LF/Priska Ketterer)

Alles neu: Matthias Pintscher leitet das Academy-Orchester im Luzerner Saal. (Bild: LF/Priska Ketterer)

Das erste Wort der Genesis lautet «Bereshit». In seiner prägnanten Einführung erklärte Matthias Pintscher: Das Wort bedeute, wortwörtlich übersetzt, «ein Anfang» und nicht «der Anfang». Insofern sei die Schöpfungs­woche nur ein Zyklus, ein Anfang von vielen.

Diese Exegese passt zur Akademie. Ihre erste intensive Arbeitswoche ist vorbei, drei weitere folgen. Und die letzten sieben Tage hatten es in sich: Nebst intensiven Coachings mit internationalen Experten der neuen Musik probte die Akademie auch zum ersten Mal die neuen Kompositionen für die Roche Young Commissions 2019. Obwohl die Werke der Estin Marianna Liik und des Spaniers Josep Planells erst nächsten Sommer uraufgeführt werden, erhielten die beiden die Gelegenheit, ihre Skizzen mit der Akademie auszuprobieren.

Was das Academy-Orchester innert dreier Stunden aus diesen Werken herausholte, war verblüffend. Das Know-how der 120 Instrumentalistinnen und Instrumentalisten floss zusammen, alle brachten sich ein – und so war es auch gestern bei «Genesis».

Der siebenteilige Zyklus wurde von Matthias Pintscher, dem Chefdirigenten der Academy, in Auftrag gegeben. Anlass war der 40. Geburtstag des Ensemble intercontemporain, welches Pintscher ebenfalls leitet. Sieben illustren Namen der zeitgenössischen Kompositionsszene wurde je ein Tag zugeeignet. Eine weitere, etwas universitäre Vorgabe war die Verwendung eines Zentraltones, dem eingestrichenen Es.

Direkter Kompositionsvergleich

Dass die biblische Schöpfungsgeschichte im 21. Jahrhundert nicht mehr so himmelhochjauchzend vertont wird wie etwa von Haydn im 18. Jahrhundert, überrascht nicht weiter. Etwas mehr Radikalität in den Klangsprachen wäre dennoch wünschenswert gewesen. Wer sich dem direkten Vergleich mit sechs Berufskollegen aussetzt, begibt sich vermutlich lieber in die Gefilde der ästhetischen Handwerkskunst als aufs Glatteis.

Den Auftakt machte Chaya Czernowins «On the Face of the Deep». An Tag eins hört man vor allem die bedrohliche Urmasse. Es rascheln die Rasseln, es zittern die Saiten; alles ist im Werden begriffen. Die Urmasse wird nach und nach ausdifferenziert. Wuchtiger präsentiert sich der Tag zwei von Marko Nikodijević. Hier dominieren nicht mehr – wie bei Czernowin – die ungestimmten Perkussionsinstrumente, sondern Xylofone und gestimmtes Schlagwerk. Die Urmasse festigt sich.

Der dritte Tag stammt von Franck Bedrossian; spätestens hier machen sich Ähnlichkeiten zwischen den Stücken bemerkbar: Wenngleich Bedrossian auf mehr Pizzicati setzt, können doch in jedem der zehnminütigen Mikrokosmen vergleichbare dynamische Verläufe mitverfolgt werden. Flimmernde Tremoli bauen Spannung auf, eruptive Passagen lösen sie. Höhepunkt in Bedrossians Stück war ein ausgedehntes Solo der Kontrabassklarinette.

Mitreissende Hingabe

Nach den drei Ensemblestücken bietet punkto Besetzung das Stück «Illumine» von Anna Thorvaldsdottir eine erfrischende Abwechslung. Die Isländerin beschränkt sich auf ein Streich­oktett. Fast fühlt man sich an den Duktus von Richard Strauss’ «Metamorphosen» erinnert, und hier und da klingt das Oktett fast wie ein Akkordeon. Joan Magrané Figueras Tag fünf reiht sich wiederum in den Verlauf der ersten drei Stücke ein. Mit Jahrgang 1988 ist er der jüngste der sieben Schöpfer. In einer Art von schneidendem Kanon entwerfen Harfe, Celesta, Xylofon und Klavier eine weitere Option, Spannung aufzubauen. Tag sechs, an dem die Tiere und die Menschen geschaffen werden, vertont Stefano Gervasoni. Lassen die ostinaten Muster von Oboe und Fagott individualistische, menschliche Stimmen erahnen – oder hört man das nur, weil das übergeordnete Programm bekannt ist? Mark Andres «riss 1» bildete den geräuschhaften Abschluss von «Genesis». Hier knistert die Alufolie, dort zerstäubt das Styropor, die neue Ordnung bleibt brüchig.

Die sieben Hörwelten, die sich in «Genesis» eröffnen, sind ein bereicherndes Erlebnis für das Publikum. Zudem ist es für die Mitglieder der Akademie von grossem Wert, innerhalb eines Konzertprogramms sieben kompositorische Sprachen und Ausdrucksweisen kennen zu lernen. Und die Lust, die Hingabe, mit der sich die Akademisten diesen Sprachen widmen, ist auch diesen Sommer mitreissend.

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