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Am liebsten Picasso

Kunsthaus Zürich Die Kunstschätze der monegassischen Galeristenfamilie Nahmad erhalten museale Weihen – da bleiben Fragen.
Florian Weiland
Lebens- und farbenfroh: Pablo Picasso: Le petit pierrot aux fleurs (1923/24). (Bild: The Nahmad Collection © 2011 ProLitteris, Zürich)

Lebens- und farbenfroh: Pablo Picasso: Le petit pierrot aux fleurs (1923/24). (Bild: The Nahmad Collection © 2011 ProLitteris, Zürich)

Picasso porträtiert seinen Sohn Paulo als Harlekin. Ein anmutiges Bild, farbenfroh und voller Lebensfreude. Max Ernst lässt das geheimnisvolle Wesen «Loplop», halb Mensch, halb Vogel, in der Luft schweben, während Réne Magritte mit einer Wurst irritiert, die eine Metallkappe trägt. Und Monet fängt das Licht Venedigs ein – auf jenem «Palazzo Contarini» von 1908, dessen fast identisches Schwestergemälde dem Kunstmuseum St. Gallen gehört.

Das sind vier Bilder aus dem Besitz der Familie Nahmad. Und vier Beispiele dafür, über welche hochkarätigen Kunstschätze die in Monaco ansässige Familie, die ursprünglich aus Syrien stammt und in London und New York zwei Galerien betreibt, verfügt. Weit über tausend Kunstwerke sollen in einer ominösen Lagerhalle verborgen sein. Etwas mehr als hundert sind jetzt in Zürich zu sehen. Eine Auswahl, die beeindruckt und doch nur die Spitze des Eisbergs sein dürfte, da Meisterwerke von Mark Rothko, Alberto Giacometti oder Salvador Dalí im Depot geblieben sind.

Reklame für die Galerie

Das Kunsthaus Zürich ist stolz darauf, die Schätze der weitverzweigten Familie erstmals in diesem Umfang öffentlich zu zeigen. Die Qualität der Bilder ist über jeden Zweifel erhaben – und doch bleibt ein gewisses Unbehagen. Zugespitzt könnte man dem Kunsthaus ankreiden, den Bührle-Saal in den Showroom einer Galerie zu verwandeln. Christoph Becker, Kurator der Ausstellung und Kunsthaus-Direktor, pariert solche Vorwürfe mit dem Hinweis, dass die ausgewählten Bilder zum grossen Teil unverkäuflich seien und sich schon lange im Familienbesitz befänden. Eine Antwort auf die Frage, was nach der Ausstellung mit den Bildern passieren wird, hat er nicht.

Die öffentlichkeitsscheue Familie schweigt. Wer den internationalen Kunstmarkt verfolgt, ist zumindest bei Auktionen soviel Zurückhaltung seitens der Nahmad-Familie nicht gewohnt. Dass die Ausstellung in einem renommierten Kunstmuseum eine erhebliche Wertsteigerung der Bilder mit sich bringt, ist nicht zu leugnen. Und ebenso wenig, dass es zum Beruf des Galeristen gehört, Gewinn zu machen. Auffällig ist, dass auf ausdrücklichen Wunsch der Familie die Angaben zur Provenienz der Bilder im Katalog fehlen. Soll hier überspielt werden, dass einige der ausgestellten Gemälde erst vor wenigen Jahren angekauft wurden?

Das alles muss den Ausstellungsbesucher nicht weiter interessieren. Er bekommt eine herausragende Auswahl von Meisterwerken zu sehen, die sich auf die Zeit zwischen 1870 und 1970 beschränkt, mit dem späten Impressionismus einsetzt und über den Kubismus und die Abstraktion bis zum Surrealismus reicht.

Imposante Werkgruppen

Eine Besonderheit ist, dass die meisten Künstler mit mehreren Werken vertreten sind. Mit spürbarer Freude an der Alliteration stellt das Kunsthaus im Ausstellungstitel Miró, Monet und Matisse heraus und übergeht dabei ein viertes «M»: Modigliani. Die sieben Arbeiten des italienischen Künstlers – vier weibliche Halbfigurenbilder und drei Porträts – gehören zu den unbestrittenen Höhepunkten der Schau.

Allgegenwärtig ist, wenngleich ebenfalls nicht im Ausstellungstitel genannt, Picasso. Das Jahrhundertgenie ist unverkennbar der Lieblingskünstler der Nahmads – und nur die Familie des Künstlers soll mehr Picassos besitzen. Alle Schaffensperioden Picassos werden abgedeckt. Herauszuheben sind die Gemälde von Picassos schlafender Geliebten Marie-Thérès Walter, zwei Paraphrasen der «Femmes d'Alger» und eine rätselhaft düstere Atelierszene, eines der ungewöhnlichsten Interieurbilder im Werk des grossen Spaniers.

Mehrere Bilder illustrieren Wassily Kandinskys Weg zur Abstraktion. Spitzenwerke von Fernand Léger, Juan Gris und Yves Tanguy – man kommt aus dem Staunen nicht heraus. Bonnard, Degas und Toulouse-Lautrec. Allein vierzehn Bilder von Miró. Dazu Mondrian und De Chirico.

Es ist eine Schande, dass diese Meisterwerke so lange den Augen der Öffentlichkeit verborgen geblieben sind, und es wäre zu wünschen, die Familie Nahmad würde sich Ernst Beyeler zum Vorbild nehmen und ihre einzigartige Kunstsammlung in eine Stiftung oder ein Museum überführen. Falls nicht, besteht die Gefahr, dass einmal mehr der Geschäftssinn der monegassischen Händlerfamilie siegen wird.

Miró, Monet, Matisse – The Nahmad Collection. Kunsthaus Zürich, bis 15. Januar 2012. Katalog: Dumont Verlag

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