Wortkreationen
Aluhut bis Zellstoffhamster: Corona-Krise hat zahlreiche neue Wortschöpfungen hervorgebracht

1000 Begriffe haben Forscher fürs Jahr 2020 dem deutschen Wortschatz hinzugefügt. Nicht alle sind eine Kreation der Coronapandemie.

Daniel Fuchs
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Aluhut für «Anhänger von Verschwörungstheorien».

Aluhut für «Anhänger von Verschwörungstheorien».

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Kein anderes Thema hat den Wortschatz 2020 stärker geprägt als die Corona-Krise. Zu diesem Schluss kommt das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim. Das In­stitut hat am Montag die Ergänzungen im deutschen Wortschatz präsentiert.

Etwa 1000 neue Wörter und Wortverbindungen zu Corona haben die Forscher in diesem Jahr gesammelt. So landeten Wörter wie Abstandsgebot, Aluhut und zweite Welle neu in der Sammlung. Andere Begriffe sind «Ausbruchsereignis», sämtliche Verbindungen beginnend mit Corona, R-Wert (für die Zahl, die angibt, wie viele Menschen ein Coronainfizierter durchschnittlich ansteckt) oder Zellstoffhamster für Menschen, die sich im Übermass mit Toilettenpapier eindecken.

Komplexität auf einen einfachen Nenner bringen

Neben der Pandemie fanden auch Begriffe aus der Politik Eingang in das Wortschatz-Verzeichnis der Sprachforscher. Brexiteer und Remainer finden sich dort nun ebenso wie Reichsbürger und der Pegidist.

Aus Sicht der Sprachwissenschafterin Heidrun Kämper vom Leibniz-Institut ist 2020 zwar aufgrund der Pandemie und der damit verbundenen gesellschaftlichen Folgen ein besonderes Jahr. Aber wie die Professorin sagt, nehmen auch Themenfelder wie etwa die Bedrohung der Demokratie oder der Klimawandel einen besonderen Rang ein. «Blickt man auf Begriffe, die das Jahr – aber auch schon die Vorjahre geprägt haben –, stellt man fest, dass es in politischer Hinsicht zu einer Radikalisierung gekommen ist», so Kämper. Auf der anderen Seite deuteten Wörter zum Klimawandel darauf hin, dass dieses Problem zunehmend in der Gesellschaft angekommen sei und als konkrete Bedrohung wahrgenommen werde.

Begriffe zeigen indes nicht nur, dass sich die Gesellschaft mit bestimmten Phänomenen herumschlage, sagt der Münchner Soziologe Armin Nassehi. «Es ist auch eine wichtige Funktion von Begriffen, dass sie komplizierte Sachverhalte auf einen Nenner bringen können.» Das funktioniere interessanterweise auch mit Ironie. So habe sich etwa der Begriff Aluhut für Menschen durchgesetzt, die Verschwörungstheorien anhängen.

Trends schlagen sich auch in der Sprache nieder

Aus einem ganz anderen Themenbereich stammt der Begriff des Gravelbikes, der es neu in die Sammlung geschafft hat. Damit ist eine Gattung von geländefähigen Rennrädern gemeint, die man in letzter Zeit häufiger sieht. (chm/dpa)

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