Alte Träume, neue Träume

Das Theater St. Gallen bringt das Musical «Flashdance» aus den Achtzigerjahren auf die Bühne. Premiere ist zwar erst am 21. Februar, die Darsteller sind allerdings schon gut im Schuss, vor allem in tänzerischer Hinsicht. Im Zentrum stehen Myrthes Monteiro und Tobias Licht.

Rolf App
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Ein Musical voller Tanzszenen – hier mit Rachel Marshall (als Tess), Sarah Bowden (Gloria) und Conchita Kluckner-Zandbergen (Kiki). (Bild: Hanspeter Schiess)

Ein Musical voller Tanzszenen – hier mit Rachel Marshall (als Tess), Sarah Bowden (Gloria) und Conchita Kluckner-Zandbergen (Kiki). (Bild: Hanspeter Schiess)

ST. GALLEN. Der Musik- und Tanzfilm «Flashdance» von Adrian Lyne mit der Musik von Giorgio Moroder war ein Riesenerfolg der frühen Achtzigerjahre. Mit Songs wie «What a Feeling», «Maniac» oder «Gloria» ist er in die Geschichte der Popkultur eingegangen. Sie haben sich als Ohrwürmer im musikalischen Gedächtnis festgesetzt. Und: «Flashdance» hat Jennifer Beals in der Rolle der Alex Owens berühmt gemacht.

«Eine andere Farbe»

Ein Vierteljahrhundert später ist aus dem Film ein Musical geworden, das jetzt auch ans Theater St. Gallen kommt. Premiere ist am 21. Februar. Robbie Roth hat 2008 zahlreiche Songs dazu komponiert, so haben alle Charaktere ihre musikalische Kontur bekommen. Jennifer Beals sang nicht, und das Tanzen haben Doubles übernommen. Im Musical aber muss Alex Owens nicht nur tanzen können, sondern auch singen.

Was für die Brasilianerin Myrthes Monteiro kein Problem ist, die sie in St. Gallen spielen und singen wird. In São Paulo hat sie eine Ausbildung in Tanz, Gesang, Zirkus und Schauspiel absolviert und ist in der Heimat zur Fussball-WM mit einer eigenen Popband unterwegs gewesen. Vergangenes Jahr ist auch ihr erstes Album erschienen. Ausgiebige Musicalerfahrung hat sie in Deutschland gesammelt, mit Rollen im «König der Löwen», in «Dirty Dancing», «Cats» und im «Tanz der Vampire».

«Flashdance» steht von Stil und Thema her in deutlichem Kontrast zu den St. Galler Erfolgsmusicals der letzten Jahre. «Nach zwei Uraufführungen mit <Moses> und <Artus> wollten wir einen andern Stoff wählen – und eine andere Farbe zeigen», sagt Theaterdirektor Werner Signer, der das Projekt gestern zusammen mit Opernchef Peter Heilker und den Beteiligten in der Lokremise vorgestellt hat.

Eine junge Frau im Stahlwerk

Ein paar Kostproben bestätigen es: «Flashdance» hat Schwung und ist schnell. Das Tänzerische ist ebenso wichtig wie der Gesang. Es sind nicht die grossen Menschheitsthemen, um die sich das Musical dreht: «Es geht um Lebensfreude und um die Träume junger Menschen von damals», sagt Signer.

Das zeigt sich in der ziemlich proletarischen Ambiance von «Flashdance». Alex Owens arbeitet in Pittsburgh als Schweisserin in einer Stahlfabrik, hat aber eine grosse Leidenschaft: das Tanzen. Ihre drei engen Freundinnen Gloria (Sarah Bowden), Kiki (Conchita Kluckner-Zanbergen) und Tess (Rachel Marshall) machen ihr Mut. Und Nick Hurley (Tobias Licht), ihr Chef, verliebt sich nicht nur in sie. Er will ihr auch helfen, diesen Traum zu verwirklichen.

Er ist der Enkel des Fabrikbesitzers und hat so seine eigenen Probleme. Zum Beispiel soll er Arbeiter entlassen – was er sich aber zu tun weigert. So erkennen sie beide, dass sie eigentlich in der falschen Welt leben und aufbrechen müssen in eine neue Zeit.

Am Ende kommt es, natürlich, zu einem Happy End. Nick entscheidet sich, die Fabrik hinter sich zu lassen. Und Alex kann die strenge Jury einer Ballettschule von ihren tänzerischen Talenten überzeugen. Da hat allerdings ihr Freund Nick noch ein wenig nachgeholfen.

«Ein zeitgenössischer Blick»

In «Flashdance» werden die Achtzigerjahre wieder lebendig. Allerdings, sagt der Choreograph Nick Winston, «werfen wir einen zeitgenössischen Blick auf diese Zeit.» So kommt zu den alten, tänzerisch-raschen Nummern ein neuer, eher balladesker Sound. «Nur die Achtzigerjahre wieder aufleben zu lassen, das wäre langweilig», sagt der Regisseur Matthias Davids, der in St. Gallen schon «Hairspray» und «Miss Saigon» inszeniert hat. «Deshalb integrieren wir neue Tanzstile.» Er erklärt auch, wie er die Hauptfigur sieht: «Alex Owens will nicht einfach berühmt werden. Das ist nicht <Fame>. Aber sie hat diesen Traum, dass sie professionelle Tänzerin werden will.»

So entfaltet sich ein altes Märchen von neuem vor uns. Ein Märchen, das von jeder Generation geträumt wird. Weshalb «Flashdance» zwar «retro» ist – aber auch zeitlos modern.

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