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Alte Musik im Schloss Kleiner Hahnberg: Die Liebe in den Zeiten der Fiedelspieler

Die Schwestern Anna und Sophia Danilevskaia und die Sopranistin Perrine Devillers präsentierten unter dem Titel "Triste plaisir" Lieder und Instrumentalstücke des Spätmittelalters und der Renaissance in Berg SG.
Bettina Kugler
Perrine Devillers (Mitte) und die Schwestern Sophia und Anna Danilevskaia, Mitglieder des Basler Ensembles Sollazzo. Bild:pd

Perrine Devillers (Mitte) und die Schwestern Sophia und Anna Danilevskaia, Mitglieder des Basler Ensembles Sollazzo. Bild:pd

Verstärker, Mikrofone und Boxen hatten umherziehende Musiker im ausgehenden Mittelalter nicht nötig. An der Schwelle zur Neuzeit wurde in intimem Rahmen konzertiert. Wobei das Wort noch noch eine Weile lang etwas anderes als heute meinte: das Hin und Her verschiedener Stimmen und Instrumente. Eine gesellige Runde kam zusammen in Räumen mit exquisiter Akustik, so wie dem Gartensaal des Schlosses Kleiner Hahnberg in Berg. Seit Jahren lädt hier Schlossherr Robert Bamert Jahren junge Künstler ein: Instrumentalisten und Sängerinnen, die sich der Alten Musik verschrieben und an der renommierten Schola Cantorum Basiliensis studiert haben.

Etwa die Schwestern Anna und Sophia Danilevskaia und die Sopranistin Perrine Devillers, Mitglieder des von Anna Danilevskaia geleiteten Basler Ensembles Sollazzo. Mit archäologischem Spürsinn, Virtuosität und enormer Spiellust widmen sich die beiden Fiedelspielerinnen und die Sängerin der Musik des Spätmittelalters und der Renaissance. Sie entdecken, erforschen und transkribieren sie - um sie dann unter aufführungspraktisch so günstigen Bedingungen zu präsentieren wie im Kleinen Hahnberg am vergangenen Sonntag. Noch die feinste Klangschattierung, die grosse Vielfalt an Farben und dynamischen Nuancen kamen bestens zur Geltung. Ebenso die atmenden, mal innig seufzenden, mal temperamentvoll tänzerischen Bögen, die geschmeidige Beweglichkeit der Singstimme Perrine Devillers in ihrer sonnigen Strahlkraft und warmen Tiefe: oft schmiegt sie sich auf verblüffende Weise dem Klang der gestrichenen Saiten an.

Zwei Spanier und zwei blinde Brüder aus Brügge

Kundig bewegten sich die drei jungen Musikerinnen auf den Spuren zweier Generationen von angesehenen Fiedelspielern und deren Repertoire: zum einen den Spanieren Ferrandes und Cordoval, die am Hof von Burgund wirkten, zum anderen den blinden Brüdern Johannes und Carolus aus Brügge. Die Nähe zum Publikum im Gartensaal versetzte in die Zeit höfischer Hausmusik - und ermöglichte Anna Danilevskaia zudem, mit den Zuhörern in Dialog zu treten. Beim Nachstimmen der feuchtigkeits- und temperaturempfindlichen Instrumente gab sie Einblick in die Epoche, die Bauweise der Fiedeln, die Liedsammlungen.

Von Liebe, Herzeleid und Eifersucht erzählen die Lieder, von Trübsinn und Verzückung. Stimme und Bögen durchwandern die Landkarte der Stimmungen und Leidenschaften - man könnte sie blind imaginieren, auch ohne Textblatt. Es geht durch tiefe Täler der Melancholie, in zart fragilem Ton. Doch auch zu Verve und rhythmisch perkussiver Kraft sind die Fiedeln der Schwestern Danilevskaia imstande, dann trumpft die Singstimme frei und unforciert auf. Die Zuhörer reisen zurück in die Zeit eines Gilles Binchois und Guillaume Dufay und lauschen mit angehaltenem Atem den Musikerinnen, wenn sie die Schatzkammern alter Handschriften öffnen und zum Klingen bringen.

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