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Alte Kunstform hat Zukunft

Grafik spielt heute mit allen Medien. In Frauenfeld zeigen dreizehn Kunstschaffende die ganze ­Spannweite von Linol- bis Inkjet-Druck. Auch die Kupferplatte kommt zu neuen Ehren.
Christina Peege
Die Bündner Künstlerin Madlaina Fontana ätzt und bedruckt Kupferplatten, die sie in Streifen zu Bergpanoramen arrangiert, wie in ihrer «Nachtlandschaft». (Bild: Dieter Langhart)

Die Bündner Künstlerin Madlaina Fontana ätzt und bedruckt Kupferplatten, die sie in Streifen zu Bergpanoramen arrangiert, wie in ihrer «Nachtlandschaft». (Bild: Dieter Langhart)

Nicht, dass die Grafik sich als Kunstform verstecken oder ein Mauerblümchendasein fristen müsste – dies lehrt ein Blick in die Kunstgeschichte. Dennoch: Seltsam ist, dass Grafiken im Oeuvre vieler Kunstschaffender auch heute noch wenig Beachtung finden. Oder bis vor kurzem nicht gefunden haben, denn gleich drei Ausstellungen präsentieren (oder präsentierten) jüngst druckgrafische Werke.

So öffnete im Shed Frauenfeld kürzlich Xylon, der Verein Schweizer Holzschneider, sein Archiv. Die Graphische Sammlung der Eidgenössischen Technischen Hochschule stellt zurzeit Grafikfolgen des deutschen Künstlers Thomas Schütte vor. Das grafische Werk des deutschen Bildhauers ist ebenso fast ausschliesslich «Insidern» bekannt, wie die Druckgrafiken im Werk etlicher der dreizehn Kunstschaffenden, die derzeit einen Auftritt in den Räumen des Kunstvereins Frauenfeld haben.

Gegen die hektische Verpixelung

Die Verfahren der Drucktechnik auf Stein, Kupfer oder Linol sind handwerklich anspruchsvoll. Digitale Verfahren böten heute einfachere Reproduktionsverfahren. Aber im digitalen Zeitalter hat der Druck mit seiner zeitaufwendigen Technik geradezu eine subversive Widerständigkeit gegen die hektische Verpixelung der Kunstproduktion. Legenden zu den Bildern wie: «Duplex-Siebdruck mit Phosphorfarbe auf Leinwand» oder: «Kaltnadel/Aquatintaradierung à la poupée, Unikat» zeugen von zahlreichen Arbeitsschritten.

Georges Wenger zeigt seinen Linolschnitt «Lydford Gorge Forest, 2016/17». (Bild: Dieter Langhart)

Georges Wenger zeigt seinen Linolschnitt «Lydford Gorge Forest, 2016/17». (Bild: Dieter Langhart)

Spannend zu sehen ist hier, wie viele Techniken mit Druckverfahren im herkömmlichen Sinn, wie Radierungen oder Siebdruck, mit Trägermedien der Malerei (Leinwand) kombiniert werden, oder dass Drucke eben keine «Vervielfältigungen» sind, sondern ebenso Unikate oder Einzelwerke sein können wie Gemälde oder Skulpturen.

Druckgrafische Techniken werden mit der klassischen Malerei oder Zeichnung verbunden, was zu Serien wie «Pilze» von Claudia Hobi führt, die aussehen wie kolorierte Studien Alter Meister.

Die Serie «Pilze» von Claudia Hobi (Kaltnadel/Aquatintaradierung) erinnert an kolorierte Studien alter Meister. (Bild: Dieter Langhart)

Die Serie «Pilze» von Claudia Hobi (Kaltnadel/Aquatintaradierung) erinnert an kolorierte Studien alter Meister. (Bild: Dieter Langhart)

Cornelia Schedler treibt mit ihren zartfarbigen Pflanzenbildern, die in einer Art Malerei auf der Druckerpresse entstanden sind, die Verschmelzung der Medien auf die Spitze. Wenn Grafiken wie Malerei oder wie im Fall von Cécile Hummel fast wie Fotografien aussehen, erklärt dies vielleicht den Umstand, dass das grafische Werk im Schaffen eines Künstlers oft nicht bemerkt wird.

Zukunftsweisende Vermischung der Techniken

Zu sehen ist, wie sonst raumbetont arbeitende Kunstschaffende wie Joëlle Allet oder Thierry Perriard Druckgrafik umsetzen. Allet wirft einen Blick unter die Wasseroberfläche; eine Art Fischschwärme bilden vor dem Auge des Betrachters einen geschlossenen Raum. Perriard schafft Arbeiten, die erst auf Distanz als Köpfe zu erkennen sind. Liegen die Bilder arrangiert am Boden, schaffen sie einen Raum, eine Wasseroberfläche, auf der sich ein Gesicht zu spiegeln scheint.

Thierry Perriards Bilder liegen arrangiert am Boden und schaffen so einen Raum, einer Wasseroberfläche gleich, auf der sich ein Gesicht zu spiegeln scheint. (Bild: Dieter Langhart)

Thierry Perriards Bilder liegen arrangiert am Boden und schaffen so einen Raum, einer Wasseroberfläche gleich, auf der sich ein Gesicht zu spiegeln scheint. (Bild: Dieter Langhart)

Einen hintersinnigen Rückgriff auf das Medium unternimmt die Bündner Künstlerin Madlaina Fontana. Sie ätzt und bedruckt Kupferplatten, die sie in Streifen zu Bergpanoramen arrangiert. So verwandelt sie die Kupferplatte, deren Oberfläche für sogenannte Radierungen mit Ätzgrund überzogen und dann mit einer Radiernadel bearbeitet wird, zu einem Teil der Bildaussage. Die Vermischung der Techniken und die Reflexion des Mediums könnten zukunftsweisend sein.

Madlaina Fontana: Bergsturz, 2017, Plastikdruck und Ätzung; Silber-Berge, 2018, Kupferplatten-Ätzung. (Bild: Dieter Langhart)

Madlaina Fontana: Bergsturz, 2017, Plastikdruck und Ätzung; Silber-Berge, 2018, Kupferplatten-Ätzung. (Bild: Dieter Langhart)

Neue Bildsprache – wohin geht der Weg?

Grafik «kommt in Wellen», erklärt Alexandra Barcal, Kuratorin an der Graphischen Sammlung ETH Zürich. Nicht zu allen Zeiten werde die künstlerische Ausdrucksform gleichermassen geschätzt, so die Expertin für Grafik des 20. und 21. Jahrhunderts. Wenn Kunstschaffende die Grafik einmal für sich entdeckt haben, bleiben sie aber dabei. Denn die Technik stellt eine Herausforderung dar: Der Transfer einer Bildidee auf Druckplatten verlangt von Kunstschaffenden die Fähigkeit zur Abstraktion.

Bis zum Schluss weiss ein Künstler nicht, wie ein Druck aussehen wird.

Zudem sind grafische Verfahren immer auch Teamwork: Kunstschaffende sind auf spezialisierte Drucker, ihre Werkstätten und Druckerpressen angewiesen. Spannend an der zeitgenössischen Grafik ist laut Expertin, in welcher Weise Drucktechniken stetig erweitert werden. Sie verweist auf «Alles. Eine Ausstellung der XYLON Schweiz» im Shed in Frauenfeld: In der Halle wurden Holzschnitte gezeigt, aber nicht im Original, sondern als digitalisierte Projektionen.

Werke von Cécile Hummel. (Bild: Dieter Langhart)

Werke von Cécile Hummel. (Bild: Dieter Langhart)

Druckgrafische Verfahren haben auch dank den neuen Medien eine vielversprechende Zukunft. «Es ist erfreulich zu sehen, wie viele junge Künstler neue Wege suchen und eine neue Bildsprache entwickeln», sagt Barcal. Sie hofft jedoch, dass die Künstler auch in Zukunft auf die künstlerische Partnerschaft von kompetenten Druckern zählen können, denn die spielen in der Druckgrafik neben den Verlegern nach wie vor eine zentrale Rolle.

Ausstellung «13 Mal Druckgrafik» im Kunstverein Frauenfeld, bis 9.12.2018

Ausstellung «Sweet Nothings. Graphikfolgen von Thomas Schütte» in der Grafischen Sammlung der ETH Zürich, bis 27.1.2019

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