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Zum Jubiläum im KKL: Ein Duo spielte alte Discohits am Laufmeter

Während in Zürich eine Million Menschen an die Street Parade pilgerten, kaufte das KKL zum 20. Geburtstag des Weissen Saals ein DJ-Duo aus dem vorigen Jahrtausend ein. Haçienda Classiçal wurden vom Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester begleitet.
Katharina Thalmann
Eine Sängerin von Haçienda Classiçal mit dem Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester im Hintergrund. (Bild: Eveline Beerkircher, 11. August 2018)

Eine Sängerin von Haçienda Classiçal mit dem Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester im Hintergrund. (Bild: Eveline Beerkircher, 11. August 2018)

Ein «Konzertsaal, dessen Akustik internationale Ausstrahlung hat. Diese Qualitäten setzen den Standard für Nutzung und Betrieb.» So steht es im KKL-Leitbild. Für das Geburtstagskonzert holte man sich jahrzehntealte Discohits mit verstärktem Orchester.

Das genau ist das Konzept von Haçienda Classiçal: Graeme Park und Mike Pickering waren in den 1980er-Jahren prägende Figuren der House- und Acid-Szene in Manchester. Den Haçienda-Club gibt es seit 1997 nicht mehr. Dann hatte Park die Idee, die Hits von damals mit klassischem Orchester zu mixen. Das ist der Schüssel zu den Konzertsälen der Welt – und zu Ticketpreisen von 145 Franken: Das bürgerliche Publikum kann sich das jetzt, dreissig Jahre nach seiner wilden Jugendzeit, leisten.

Eher visuelles Beigemüse

Ein Grossteil der Musikerinnen und Musiker des Zentralschweizer Jugendsinfonieorchesters (ZJSO) ist jünger als der Weisse Saal und halb so alt wie die House-Beats. Doch eins ist klar: Sich innert fünf Jahren von einer Hobby-Formation zum KKL-Jubiläumsorchester zu mausern, ist eine Leistung.

Leider wurden die Arrangements den Qualitäten des ZJSO in keiner Weise gerecht, und die engagierten Mitglieder waren eher visuelles Beigemüse als ­musikalisch tragendes Element. Noch diesen Frühling spielte das ZJSO ein frisches und berührendes Mozart-Requiem im KKL – und trug damit wesentlich nachhaltiger zur Musikvermittlung bei als in der Rolle der Statisten einer Marketing-Idee. Zudem wurde zwar jedes Instrument einzeln verstärkt, trotzdem ging der akustische Klang grösstenteils in den Beats und Samples unter.

Tim Crooks, Teil des Haçienda-Teams, dirigierte. Er arrangierte auch die einstimmigen Streichersätze und Trompeten-Kicks. Das hier überflüssig wirkende Schwingen des Taktstocks verband er mit euphorischen Luftsprüngen, um das Publikum anzufeuern. Graeme Park und Mike Pickering teilten sich das DJ-Pult. Dieses wirkte eher wie eine Attrappe als eine funktionsfähige Sound-Station. Ab und zu scratchte Park ein wenig, dann markierten Sirenen den Übergang zum nächsten Lied. Park sang auch, musste jedoch die Lyrics zu The Clashs «Rock the Casbah» vom Notenständer ablesen – ebenso wie den Namen «Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester». Er wusste ihn auch beim Schluss­applaus noch nicht auswendig.

Und was machte eigentlich Pickering? Im KKL wippte er dezent hinter dem DJ-Pult. Im echten Leben ist er A&R-Manager für das Musiklabel Sony.

Ohne erkennbare Dramaturgie

Über anderthalb Stunden reihten sich Discohits wie Donna Summers «I Feel Love» oder «Last Night A DJ Saved My Life» von Indeep ohne erkennbare Dramaturgie aneinander. Lieblose Leuchtsäulen, eine Discokugel und die grosszügig eingesetzte Rauchmaschine hätten den Weissen Saal in einen Club verwandeln sollen. Drei Sängerinnen gaben die Songs zum Besten, gerne hätte man ihre Namen erfahren. Doch ein Programmheft gab es nicht.

Vielleicht muss als mildernder Umstand betrachtet werden, dass das KKL kaum je Konzerte selber veranstaltet, sondern lediglich seine Räume vermietet. Dennoch wäre zu hoffen gewesen, dass das KKL-Management selbstbewusster und mit mehr Sensibilität mit dem Herzstück des Hauses umgeht.

Am Dienstag, 14. August, um 20 Uhr im KKL: Benefizkonzert mit dem Luzerner Sinfonieorchester und dem Lucerne Festival Orchestra. Hélène Grimaud spielt Brahms’ erstes Klavierkonzert. Dirigiert werden die Orchester von Riccardo Chailly und Peter Oundjian. Der Erlös ist für das Lucerne Music Lab, ein Projekt des KKL, des Luzerner Sinfonieorchesters und des Lucerne Festival, das musikalische Erlebniswelten inszeniert.

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