Als Waschmittel

Lesbar Kunst Tide löst allen Schmutz – so wirbt die Packung. Im Innern von Amerikas beliebtestem Waschmittel steckt Künstlerkraft. Paul McCarthy, das 1945 geborene Enfant terrible mit Nähe zur St. Galler Kunstgiesserei, hat alles in den Karton gepackt, was ihn so inspirierte.

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Lesbar Kunst

Tide löst allen Schmutz – so wirbt die Packung. Im Innern von Amerikas beliebtestem Waschmittel steckt Künstlerkraft. Paul McCarthy, das 1945 geborene Enfant terrible mit Nähe zur St. Galler Kunstgiesserei, hat alles in den Karton gepackt, was ihn so inspirierte. Sein Universum spannt er zwischen die Animatoren Hans Arp, Otto Mühl und Dieter Roth, Yves Klein und Gelitin, Pop Art, Performance und Porno.

Das Bilderbuch der Dokumente, Plattencovers, Zeitungsausschnitte, Plakate leert sich nicht und ist konzentrierter als jedes Waschmittel. Als Erweiterung der gleichnamigen Ausstellung ist es Hommage und Fundgrube in einem.

Paul McCarthy's Low Life Slow Life, englisch, Hatje-Cantz-Verlag, Ostfildern, Fr. 70.–

Als Glücksdroge

Carsten Höller, 1961 in Brüssel geboren, sucht seit Jahren nach dem Glück. Für die Ausstellung im Hamburger Bahnhof in Berlin (bis 6.

2.) mit Rentieren, Fliegenpilzen, Mäusen und mehr geht er dem Mythos von Soma nach, einem Erkenntnis und Unsterblichkeit bringenden Getränk indischer Nomaden. Zu seiner Recherchenarbeit ist das Büchlein mit allerlei Forschungsberichten seit dem 18. Jahrhundert erschienen. Neugierde erweist sich darin als die Eigenschaft, die Künstler und Wissenschafter verbindet. Höller ist beides und somit doppelt neugierig.

Carsten Höller, Soma. Dokumente, Hatje Cantz, Ostfildern, Fr. 30.–

Als Übersetzung

Im fremden Land wird fotografiert. So tat es auch die 1963 geborene Schaffhauser Künstlerin Daniela Keiser während ihres Atelieraufenthaltes in Kairo. Sie hat sich mit den Bildern angenähert und anschliessend Ägypterinnen und Ägypter zum Texteschreiben eingeladen, auf Arabisch, hat übersetzen lassen und mit allem nun ein loses Heft gebaut.

Erinnerungen, Träume, Wünsche sind in kurze Geschichten verpackt, die dem Gefühl des Fremdseins jenes der Verwandtschaft entgegenhält. Engel machen lässt sich im Schnee genauso wie im Sand.

Daniela Kaiser, Die Kairo-Übersetzung, edition fink, Zürich, Fr. 18.–

Ursula Badrutt Schoch