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Als Kind spielte diese Künstlerin mit Totenschädeln

Pya Hugs Haus in Goldach war von unten bis oben voll mit ihrer filigranen Wachskunst. Das Museum im Lagerhaus zeigt nun die faszinierende Wunderwelt der eigensinnigen Künstlerin, die 2017 verstarb.
Melissa Müller
Pya Hug gestaltete «Die 7 Klugen» 1985 aus Wachs und diversen Materialien. (Bild: Museum im Lagerhaus)

Pya Hug gestaltete «Die 7 Klugen» 1985 aus Wachs und diversen Materialien.
(Bild: Museum im Lagerhaus)

Pya Hug war eine schlicht gekleidete Dame mit aufgestecktem grauem Haar, eine eher strenge Erscheinung. Aber in ihrer Kunst, da musste alles glitzern und glimmern. Sie nutzte ihre Küche zum Atelier um. Hier formte sie ihre Wachspüppchen, denen sie Haarkränze aus Perlen und Lametta aufsetzte. Vor Kitsch schreckte sie nicht zurück. Auf ihren Bildern und Reliefs erblüht ein Himmel aus Papierrosen, baden Engel in einem Jungbrunnen, vergnügen sich Adam und Eva unter einem Paradiesbaum aus bunten Glasperlen. «Die spinnt, die Pya!», sagte die Autodidaktin manchmal liebevoll über sich selbst.

Vernissage im Jahr 2010 von der Künstlerin Pya Hug. Damals wollte sie sich noch nicht von ihren Bildern und Objekten trennen. (Bild: Urs Jaudas)

Vernissage im Jahr 2010 von der Künstlerin Pya Hug. Damals wollte sie sich noch nicht von ihren Bildern und Objekten trennen. (Bild: Urs Jaudas)

Krippe trifft auf 1001 Nacht

Pya Hug verstarb 2017 mit fast 95 Jahren. Ihr Haus in Goldach war proppenvoll mit Art-brut-Kunst. Das Werk vermachte sie dem Museum im Lagerhaus, das der Einzelgängerin nun eine Ausstellung widmet. Zu sehen sind etwa ganze Puppenstuben und kleine Theaterkulissen mit religiösen und weltlichen Szenen – reich bevölkert mit Wachsfigürchen. Eindrücklich ist eine zwei Meter grosse Krippe: Kamele, eine Kutsche, allerhand Engel, ein Flötenspieler mit einer Kobra und viele andere Figuren tummeln sich da wie auf einem orientalischen Bazar. Wo sind hier Josef, Maria und Jesuskind? Man muss sie suchen wie in einem Wimmelbild.

Bei den Nonnen entdeckt sie das Gestalten mit Wachs

Schon als Kind war Pya Hug fasziniert von Wachs. 1922 in Domat-Ems geboren, verbringt sie den grössten Teil ihrer Schulzeit bei den Ingenbohler Schwestern. Die Nonnen modellieren aus Wachs Wickelkinder, die sie mit Papierblumen prächtig ausstaffieren. Ein Leben lang sieht Pya Hug im Arbeiten mit Wachs eine Verbindung zum Herrgott. Auch zum Tod entwickelt das lebhafte Mädchen ein unverkrampftes Verhältnis: Es spielt im Knochenhaus mit Gebeinen und Totenschädeln – mit der Einwilligung des Pfarrers.

Adam und Eva unter dem Paradiesbaum.

Adam und Eva unter dem Paradiesbaum.

Ihre Kunstwerke wuchern durch die Gänge bis in den Estrich

Mit 14 Jahren arbeitet Pya Hug als Hausangestellte in einer Genfer Villa. 1949 heiratet sie einen St. Galler Textilkaufmann und bekommt zwei Söhne. Sie malt im Geheimen, da ihr Mann ihre Bilder lächerlich findet. Nach der Scheidung führt die alleinerziehende Mutter in Rorschach einen Antiquitätenladen. Aus Perlen, Pailletten und Bordüren fertigt sie erste Objekte. Regelmässig durchforstet sie Trödelmärkte. Schon morgens um vier Uhr steht sie auf, malt, modelliert und näht. Niemand darf sie in der Küche stören, wenn sie am Wachsschmelzen ist. Erst verwandelt sie die Stube in ein «Wachsmuseum»; schwarze Vorhänge schützen die Kunstwerke vor Tageslicht. Das Werk wuchert weiter, durch die Gänge und bis in den Estrich. Ob andere Gefallen daran finden, ist für Pya Hug unwichtig. Auch das Schaffen anderer Künstler kümmert sie wenig. Sie arbeitet aus einem inneren Drang. Dies sei typisch für Art-brut-Künstler, sagt Museumsleiterin Monika Jagfeld.

Triptychon mit Jungbrunnen von Pya Hug.

Triptychon mit Jungbrunnen von Pya Hug.

«Sie hatte das Glück, dass viele Menschen ihre Kunstwerke schon zu Lebzeiten bewunderten.»

«Es sprudelte nur so aus ihr heraus», erinnert sich ihr Sohn, Journalist Ralph Hug. Die Kunst seiner Mutter sei ihm immer ein Rätsel geblieben. Mit den Jahren wurde sie immer experimentierfreudiger. «Da ist keine alte Dame, die zum Zeitvertreib etwas bastelt, sondern eine starke Persönlichkeit, eine Aussenseiterin der Kunst», schrieb Simone Schaufelberger, Expertin für Art brut. Trotz kreativer Ruhelosigkeit sei Pya Hug keine Chaotin gewesen: Stets war alles aufgeräumt. «Ich will etwas Extraordinäres schaffen, etwas Verrücktes. Etwas, das die Leute zum Staunen bringt», sagte Pya Hug.

Pya Hug liebte Perlen, Pailletten und Bordüren - und Wachs.

Pya Hug liebte Perlen, Pailletten und Bordüren - und Wachs.

Ausstellung bis 24. 2. Das Museum verkauft im neuen Foyer an Liebhaber Einzelstücke von Pya Hug, um ihr Werk zu restaurieren.

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