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«Als junger Jazzmusiker hatte ich in Amerika keine Chance»: Lokalstar Malcolm Green über den Zufall, der ihn in die Schweiz geführt hat

Er kam vor 40 Jahren für eine Musical-Produktion ans Stadttheater St. Gallen – «Schicksal» sei das gewesen, sagt der Saxofonist und Sänger Malcolm Green aus Virginia. Heute ist er Hansdampf und Lokalstar mit Leib und Soul.
Bettina Kugler

Von seiner Wohnung aus hat Malcolm Green die Station Notkers-egg gut im Blick und sieht, wer an diesem sonnigen Frühlingsnachmittag aus der Appenzeller Bahn steigt. Er wartet schon, ruft und winkt aus dem offenen Fenster. Welch schöne Begrüssung! So zufrieden sieht einer aus, der angekommen ist. Der sich zu Hause fühlt.

«Ich habe hier Wurzeln geschlagen», sagt der Saxofonist, Gospel- und Soulsänger aus Richmond im Süden der USA. Er mag es, wenn ihn nach einem Auftritt die Kassiererin in der Migros anspricht. Es freut ihn, dass er Vertreter des öffentlichen Lebens auch privat kennt. Und auf seinen Orden als Föbü, als Födlebürger, ist er so stolz, dass er ihn aus dem Nebenzimmer holt und zeigt. Ein gewichtiges Stück Heimat.

Der Zufall hat ihn 1979 in die Schweiz geführt; da hatte er gerade sein Studium abgeschlossen und spielte in der Bigband der Howard University in Washington D.C. «Ich wollte weg», erinnert er sich.

«Als junger Jazzmusiker hatte ich in Amerika keine Chance.»

Dann kam sie, Malcolm Green war gerade 22 Jahre alt. Zusammen mit anderen Bandmitgliedern wurde er für das Musical «Raisin in the sun» nach Europa geholt; nach Paris – und ans damalige Stadttheater St. Gallen. «Sie wollten unbedingt schwarze Musiker», sagt er. «Es sollte richtig swingen.»

Er singt, spielt und tanzt auf vielen Hochzeiten

Green würde nicht von einem Zufall sprechen. «Das war mein Schicksal.» Ein weiteres Datum hängt eng damit zusammen: der 17. April 1979. Auf den Tag vierzig Jahre sind er und seine Frau Ines nun ein Paar. «Ohne sie wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.» Ohne Ines ist auch der Nachmittag nicht denkbar; gerade kommt sie mit der Enkelin vom Reiten, beide sagen Hallo. In den vier Jahrzehnten, die seit «Raisin» vergangen sind, hat Malcolm Green auf vielen Hochzeiten gespielt, buchstäblich – etwa auf der von Ständeratskandidatin Susanne Vincenz.

Doch auch im sprichwörtlichen Sinne. Er tritt im In- und Ausland auf, man kennt ihn weit über die Stadt hinaus: vom Open-Air, von Auftritten auf Drei Weieren und im Jazzlokal Gambrinus, von Muttertags- und Gospelkonzerten. Für viele ist er «unser Star». Green lacht. «Mich sieht man eben schneller». Er ist ein Hansdampf in allen Gassen.

«Es zeigt, woher ich komme»

Auf der Gasse aber spielt Malcolm Green eigentlich nicht gern.

«Ich möchte, dass die Leute zuhören, nicht nur vorbeischlendern.»

Trotzdem ist er fast immer mit von der Partie, ob beim St.Galler Fest oder beim Honky Tonk Festival. «Ein Murdergig», sagt er, «da singe ich jeweils über 40 Songs». Salbeitee und Eukalyptus machen’s möglich.

Er hat noch eine Schallplatte von «Raisin» in St.Gallen 1979; sie liegt auf dem Tisch, daneben der druckfrische Flyer für «Soul to soul» im Storchen. Das wird sein Jubiläumsauftritt: Musik-theater mit Liedern von James Brown und Michael Jackson, von Aretha Franklin, Stevie Wonder und Diana Ross. «Das ist toll; es zeigt, woher ich komme, meine Anfänge.»

Das Saxofon bekam er von der Kirche

Begonnen hat es in der Riverview Baptist Church in Virginia. Er sang als Bub im Gospelchor, durfte Saxofon lernen. Das Instrument bekam er von der Kirche; sie gab ihm das Gefühl von Schutz und Zusammenhalt. Das hat ihn durchs Leben getragen: ein starker, aber nicht extremer Glaube, wie er im Gospel Ausdruck findet.

«Man muss schon wirklich meinen, was man da singt. Mich bewegt es, und ich spüre, wie es die Leute bewegt.»

Auch darum mag Green Säle, die nicht zu gross sind; am Ende eines Konzertes schüttelt er dann dreihundert Hände.

Mitreden können – und mit Musik etwas bewegen

Etwa so viele Schüler hat er mit den Jahren unterrichtet, am Lehrerseminar, der Jazzschule, der Kanti. Von vielen weiss er, welchen Weg sie eingeschlagen haben. Und weil er die Mühen des Anfangs nicht vergessen hat, engagiert er sich für Auftrittsmöglichkeiten. «Nur so können die Jungen Selbstvertrauen gewinnen. Viele erzählen nicht mal ihren Kollegen, was sie machen.»

Musik bedeutet ihm viel, aber nicht alles. Der Tag beginnt für ihn mit ausgiebiger Zeitungslektüre. «Das brauche ich. Ich will Bescheid wissen und mitreden können.» Erst recht, seit er den roten Pass hat. «Wo man wählen kann, ist man zu Hause», sagt er. Aber ebenso dort, wo man für Freunde singt und spielt.

14./15./16.5., 20 Uhr, Theater Storchen St. Gallen.

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