Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Als John Lennon und Yoko Ono für den Weltfrieden im Bett blieben

Vor 50 Jahren zogen der Beatle John Lennon und Künstlerin Yoko Ono für das legendäre «Bed-In» in ein Hotel. Den Weltfrieden hat die Aktion nicht gebracht. Dafür einen Welthit.
Annette Birschel (DPA)
John Lennon und Yoko Ono im Amsterdamer Hilton Hotel während dem «Bed-In» vor 50 Jahren. (Bild: Keystone)

John Lennon und Yoko Ono im Amsterdamer Hilton Hotel während dem «Bed-In» vor 50 Jahren. (Bild: Keystone)

Es war eine der skurrilsten Friedensdemos der Geschichte. Das Brautpaar trug Weiss, die langen Haare waren sorgsam geföhnt, als es aus dem Rolls-Royce stieg. Es war fast Mitternacht, und doch drängten sich Dutzende von Fotografen vor dem Hilton Hotel in Amsterdam: Die Blitzlichter flackerten auf. Es war der 24. März 1969, der Beginn eines der legendärsten Happenings der 60er-Jahre. Das «Bed-In» von John Lennon und Yoko Ono.

Der Beatles-Star und die japanische Konzeptkünstlerin hatten wenige Tage zuvor geheiratet und waren von Paris aus mit der ­Luxuslimousine nach Amsterdam gefahren, um dort das zu tun, was Frischverliebte am allerliebsten tun: im Bett bleiben. Und das sieben Tage lang. Doch sie schlossen nicht etwa Türen und Gardinen, sondern luden die Weltpresse ein. Ihre Flitterwochen sollten eine Demonstration gegen den Krieg sein, vor allem den in Vietnam. «Wir bleiben im Bett für den Frieden», erklärte Beatle Lennon vom breiten Doppelbett aus.

Heute ist Suite 902 chic gestylt

Die Suite 902 war bis auf das Bett fast völlig leergeräumt. Täglich hielt das berühmte Paar Audienz. Dutzende Journalisten aus aller Welt sassen auf der Bettkante, dazu kamen zahlreiche Fans, sie wollten Autogramme oder brachten Geschenke.

An das goldene Jubiläum des Happenings wird nun mit Ausstellungen und Konzerten in Amsterdam erinnert. Und Augenzeugen, Fotografen, Reporter oder auch frühere Zimmermädchen erzählen, wie das damals zuging in Suite 902. Die vollen Aschenbecher, Essensreste, Poster und Zeichnungen an den Wänden sind natürlich längst verschwunden. Heute ist die Honeymoon-Suite chic gestylt, mit echten Lennon-Zeichnungen an den Wänden, und äusserst begehrt bei Gutbetuchten.

Unzählige Fotos und Filme bezeugen diese skurrile Friedens­demo. Lennon selbst setzte ihr musikalisch mit der «Ballad of John und Yoko» ein Denkmal. Dabei war eigentlich gar nichts passiert: Sieben Tage lang sassen und lagen John und Yoko im Bett. «Wir bringen die Botschaft von Love und Peace», sagte Lennon den Reportern. Und Yoko zwitscherte mit ihrer Kleinmädchenstimme: «Amsterdam ist so ein inspirierendes Zentrum für junge Leute.»

Beatles trennten sich ein Jahr später

Reporter, die sich pikante Szenen erhofft hatten, wurden enttäuscht. Noch nicht einmal ein Fitzelchen nackte Haut war zu sehen. John und Yoko hatten die weissen Pyjamas bis obenhin zugeknöpft. Ihre langen Haare wurden immer strähniger. «Es stank ein bisschen», weiss Society-Journalist Henk van der Meijden. Yoko Ono, 86, wiederum erinnert sich vor ­allem an die «Romantik». «John und ich hatten doch gerade erst geheiratet», sagte die Witwe von John Lennon, der 1980 vom Fan Mark Chapman in New York ermordet worden war, einmal in einem Interview.

Aber für viele Beatles-Fans war es viel eher eine «Scheidungsreise», wie sich der TV-Journalist Paul Wittemann erinnert. Er sass damals als Praktikant auf der Bettkante in der Suite. Für viele Fans war Yoko Ono der Spaltpilz der Band, die «Hexe». «Wir wollten, dass sie neue Platten machten», sagte Wittemann dem niederländischen Fernsehen. «Und damals dachten wir, dass sie das verhinderte.» Tatsächlich sollte die Band ein Jahr später auseinandergehen. Das mit dem Weltfrieden nahm schon damals kaum ein Reporter dem Pärchen ab. Viele sahen die Aktion als schamlose Selbstinszenierung. Lennon verteidigte sich: «Im Bett bleiben ist die effek­tivste Weise, um für Frieden zu demonstrieren.»

Nach sieben Tagen verliessen John und Yoko das Hotel. Den Weltfrieden hatten sie zwar nicht geschaffen. Aber Amsterdam hatte sie inspiriert. Nur wenige Monate später schrieb Lennon bei einem zweiten Bed-In im Queen Elizabeth Hotel im kanadischen Montreal den Song «Give Peace a Chance» – bis heute eine Hymne der Friedensbewegung.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.