Alles nur geklaut

Zur St. Galler Buch-Biennale gehört auch eine Reihe von Filmen im Kinok, die sich mit der Rolle des Plagiats in unserer Kultur auseinandersetzen. Sie treiben selber ein Spiel mit Zitaten.

Walter Gasperi
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Auch Filmemacher wurden schon früh mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert. So wollte die Produktionsgesellschaft von René Clairs Film «A nous la liberté» (1932) gegen Chaplins drei Jahre später entstandenen «Modern Times» klagen, wegen der ähnlichen Darstellung der Fliessbandarbeit. René Clair aber fühlte sich geehrt, den grossen Komiker inspiriert zu haben und akzeptierte «Modern Times» als indirekte Hommage an seinen eigenen Film.

Shakespeare – ein Strohmann

Ist heute Autorenschaft ein hoher Wert, der im Idealfall Ruhm und Vermögen bringt, so galt in früheren Zeiten künstlerische Betätigung für gehobene Schichten teilweise als nicht standesgemäss. Die so genannte «Oxford Theorie» nimmt dieses Faktum zum Ausgangspunkt, um hinter den Werken Shakespeares als wahren Autors Edward de Vere, den 17. Earl of Oxford, zu sehen. Aus dieser These entwickelt Roland Emmerich in «Anonymous» einen historischen Politthriller, in dem ein zweitklassiger Schauspieler die Chance nützt und sich anstelle des Earl als Autor der gefeierten Stücke ausgibt. «Anonymous» ist einer von vier Filmen zum Thema Plagiat, die ab dem 16. April im Kinok laufen (siehe Kasten).

Zufall oder Absicht

Wie gegen Emmerich selbst im Zusammenhang mit seinem Katastrophenfilm «The Day After Tomorrow» von einem amerikanischen Autor ein (erfolgloser) Plagiatsprozess angestrengt wurde, so wurde auch gegen Martin Suter 2004 vom Nachrichtenmagazin «Facts» der Vorwurf erhoben, im Bestseller «Lila Lila» beim französischen Comic «Zehn Gebote: Die Killer von Glasgow» abgeschrieben zu haben. 2009 hat Alain Gsponer die Geschichte um einen jungen Kellner verfilmt, der, um einer Studentin zu imponieren, ein gefundenes Manuskript als sein eigenes ausgibt und zum gefeierten Autor aufsteigt. Die leichthändig inszenierte Liebes- und Gesellschaftskomödie trifft Suters Ton genau, ist mit Daniel Brühl, Hannah Herzsprung und Henry Hübchen treffend besetzt und rechnet auch genüsslich mit dem Literaturbetrieb ab.

Fast die gleiche Geschichte wie «Lila Lila» erzählt der amerikanische Film «The Words». Das Regie-Duo Brian Klugman und Lee Sternthal bekräftigt aber, von Suters Roman und dessen Verfilmung nichts gewusst zu haben.

Filmische Vorbilder kopieren

Lionel Baier dagegen erzählt in «Un autre homme» nicht nur von einem Journalisten, der Filmkritiken aus einer Fachzeitschrift abschreibt, da er mit der Materie nicht vertraut ist, sondern zitiert und kopiert auch selbst lustvoll aus filmischen Vorbildern. Der in bestechendem Schwarzweiss fotografierte Film ist somit gleichermassen Hommage an die Filmgeschichte, treffende Satire über Filmkritik und Kritiker sowie ironische Geschichte über einen Naivling, der in ein fremdes Milieu einzusteigen versucht.