Alles hinter dem Steuer vergessen

In der Dämmerung durch die Nacht fahren und das Gefühl haben, dass es nichts und niemanden gibt, der einen aufhalten kann. Das Gefühl haben, dass man sich mit den Blaulichtern eine Verfolgungsjagd leisten kann, die glimpflich ausgeht.

Virginia Alder
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Bild: Virginia Alder

Bild: Virginia Alder

In der Dämmerung durch die Nacht fahren und das Gefühl haben, dass es nichts und niemanden gibt, der einen aufhalten kann. Das Gefühl haben, dass man sich mit den Blaulichtern eine Verfolgungsjagd leisten kann, die glimpflich ausgeht. Sich so stark fühlen, als könnte man mit 200 Kilometern pro Stunde auf eine Tunnelwand zusteuern und mit einer blauen Beule davonkommen. Und sich hinter dem Steuer dermassen cool vorkommen, dass man beinahe vergisst, wer man ist.

Wenn die Zeilen «I'm giving you a night call to tell you how I feel – I want to drive you through the night, down the hills – I'm gonna tell you something you don't want to hear – I'm gonna show you where it's dark, but have no fear» vom französischen Electro-Produzenten Kavinsky aus den Boxen schallen, vergisst man alles um sich herum.

Bei dem Titelsong des Films «Drive», der 2011 in die Kinos kam, stellt man sich höchstens vor, wie Ryan Gosling nebenan sitzt, mit den türkisblauen Augen herüberschielt und seine Hand langsam auf das Knie wandert. Auf das der Fahrerin natürlich. Und man stellt sich bei dem Track im Synthesizer-Style höchstens vor, wie die wilden Achtziger ein Revival erleben.

Ein Revival voll von Zigaretten, Kassetten, seidigen Bomberjacken, zerlöcherten Jeans und einem schnellen Chevrolet. Den Chevrolet, den man in dem Augenblick, wo man «Nightcall» von Kavinsky hört, selber gerne fahren würde.

Kavinsky: «Nightcall» Drive Soundtrack, 2011