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Schuberts «Winterreise» in neuartiger Klangvielfalt

Im Marianischen Saal erklang eine spannende Wiedergabe der «Winterreise» von Franz Schubert. Das Gitarrenduo Morat-Fergo und der deutsche Tenor Georg Poplutz beeindruckten mit kammermusikalischer Interpretation.
Gerda Neunhoeffer
Das Gitarrenduo Morat-Fergo begleitet den Tenor Georg Poplutz. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 24. Februar 2019)

Das Gitarrenduo Morat-Fergo begleitet den Tenor Georg Poplutz.
Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 24. Februar 2019)

Frühlingshafte Temperaturen draussen, im Marianischen Saal Franz Schuberts «Winterreise», die von erträumtem Blumenduft bis in eisige Kälte ihr ganzes Spektrum einmal auf andere Weise ausbreitet. Gewohnt ist man diesen Liederzyklus mit Klavierbegleitung, auch mal mit Hammerklavier wie zu Schuberts Zeiten. Es gibt Fassungen mit Orchester (Hans Zender) oder Klaviertrio (Oliver Schnyder-Trio), aber am Sonntag ist es eine Aufführung, die den vielen Zuhörern im Saal Schuberts Musik auf besonders subtile Weise nahe bringt.

Das schweizerisch-dänische Gitarrenduo Morat-Fergo spielt die Begleitung auf 9-saitigen Romantischen Wiener Gitarren, die den «schaurigen Gesängen» eine neuartige Klangvielfalt geben, die aber gleichzeitig zu Schuberts Zeit denkbar war. Also neu und dennoch historisch, was in der Interpretation der Künstler in jedem Lied Ausdruck findet.

Dass der Tenor Georg Poplutz über diesen Klängen seine Stimme bis in hauchleises Piano zurücknehmen kann, dass er im Fortissimo nicht forcieren muss, lässt die vielen Zuhörer aufmerksam und meist in grosser Stille lauschen.

Struktur der Musik wird deutlicher

Man muss sich erst einhören in den Klang der beiden Gitarren, die Klavierbegleitung ist zwar ­notengetreu umgesetzt, dennoch klingt es anders. Alle Töne sind da, man hört sie filigran und klar, nichts kann mit Pedal verlängert werden, und die Struktur der Musik wird deutlicher. Es ist weniger Dramatik, weniger Dynamik, aber die Feinheiten der Harmonien, das Licht- und Schattenspiel der Stimmungen, alles erscheint in neuen Farben. Dabei wird auch der bisweilen volkstümliche Charakter der Begleitung besonders deutlich.

Jedes Lied ist wie ein kleines Gemälde, das für sich steht: Wie die Bilder in einer Ausstellung, die man einzeln betrachtet, um am Ende den Zusammenhang umso besser zu erkennen. Es ­gelingt den drei Künstlern eindringlich, dem Liebeskummer, der Einsamkeit, der Verlorenheit des Wanderers nachzuspüren. Wie im ersten Lied «Gute Nacht» die Akkorde in Arpeggien aufgelöst werden, wie sich der Klang dadurch intensiviert, das lässt aufhorchen.

Auf Augenhöhe mit dem Sänger

Raoul Morat und Christian Fergo spielen stehend auf Augen­höhe mit dem Sänger, was die kammermusikalische Musizierweise auch optisch verstärkt. Dass Triller auf den Gitarren eine ganz andere Wirkung haben als auf einem Flügel, wird gleich im zweiten Lied deutlich, da scheinen sie zu flirren und haben einen eigenartigen Sog, so dass die Wetterfahne geradezu sichtbar wird.

In der «Erstarrung» rauscht die Begleitung orchestral, darüber schwingt sich die Tenorstimme leicht wie vom Wind getrieben empor. Oder wie im «Lindenbaum» duftige Leichtigkeit erklingt und dann die kalten Winde brausen, die Kontraste werden besonders klar heraus­gespielt. «Auf dem Flusse» wird magisch durch die trockenen Akkorde, die Erstarrung ist bildhaft in den kurz angezupften Saiten, und intensives Piano macht die Kälte und die Verzweiflung ungemein plastisch. Aus dieser Erstarrung steigert sich die hoffnungslose Wut in Stimme und Gitarren so stark, dass das Eis auf dem Fluss eigentlich schmelzen muss.

Wie Harfen oder Zither

Georg Poplutz singt mit erzählerischer Genauigkeit, sein Legato steht oft in wunderbarem Kontrast zu den kurzen Tönen der Gitarren. Diese klingen manchmal wie Harfen, dann wieder wie Zither. Im «Frühlingstraum» scheinen die Blumen zu duften, aber die Hähne krähen klirrend mit spitzen Tönen, lautmalerisch stärker als je auf einem Klavier. Und die einzelnen Blätter in «Die letzte Hoffnung» taumeln und drehen sich in den kurzen Tönen bildhaft, während die Stimme Tragik und Ausweglosigkeit des einsamen Wanderers schildert.

Das sonst bedrohlich tiefe Bellen der Hunde in «Im Dorfe» wirkt in den Gitarren mehr wie aus der Ferne, und der Stimmungswechsel betört durch Helligkeit. Immer wieder bestechen die Musiker durch eine Ruhe im Spiel, die dennoch unerbittliches Vorwärtsdrängen haben kann; das fesselt und lässt einen tief in Schuberts eigene Unruhe eindringen. Lange klingen die letzten Töne nach, bis sich die Spannung in lang anhaltendem Beifall löst.

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