Alles andere als cool

Die Wild Beasts aus England geben morgen im Palace ihr erstes und einziges Schweizer Konzert. Ein guter Grund, ihren Disco-Wave-Glam-Pop nicht zu versäumen.

Marc Peschke
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Gewichtiger Brit-Pop: Die Wild Beasts kommen morgen ins Palace. (Bild: pd)

Gewichtiger Brit-Pop: Die Wild Beasts kommen morgen ins Palace. (Bild: pd)

Zurück, weit zurück blickt das mittelenglische Quartett Wild Beasts. Zurück in die 1980er-Jahre, als Dance-Pop manchmal noch wie ein Glücksversprechen klang. Auf ihrem Début «Limbo Panto» und auch auf dem Nachfolger «Two Dancers» konnte man das hören: Rezensenten fühlten sich an Spandau Ballet erinnert – oder an Bronski Beat, bei denen Sänger Hayden Thorpe sein Falsett abgeschaut hat. Die Gitarren sind bei den im Jahr 2002 gegründeten Wild Beasts zurückgenommen.

Was sie dagegen brauchen, ist ein nach vorne drängender Bass, solide Beats, vor allem einen überbordenden Sinn für das Himmelhochjauchzende im Pop. Pathos ist ihnen nicht fremd, sie sind alles andere als «cool», wobei gerade das eigentlich wieder cool ist.

Melancholie und Euphorie

Ihre schwelgerische Disco-Wave-Glam-Pop-Musik fährt wie ein Blitz dem Himmel entgegen, ihr Ziel, so scheint es, ist nicht weniger als der Pop-Olymp.

Dass sie dabei stets eine Gefühlslage besingen, die zwischen Melancholie und Euphorie pendelt, macht auch Längen in manchen Songs erträglich: wenn die Band nämlich ein ums andere Mal versucht ist, ihre Stücke mit immer neuen Wendungen und kompositorischen Brüchen aufzuhübschen.

Energie schiesst aus allen Poren

Das ist eigentlich gar nicht nötig, denn Lieder wie «Hooting And Howling», «This Is Our Lot» oder «We Still Got The Taste Dancin' On Our Tongues» haben alles, was ein guter Popsong braucht.

Wobei das eigentlich noch untertrieben ist: kaum eine Band derzeit, die leidenschaftlichere, dramatischere Hymnen zu schreiben versteht, als die Wild Beasts. Energie schiesst aus allen Poren, Leidenschaft, Verspieltheit, vielleicht auch jene «gegenstandslose Lust», die Bassist Tom Fleming, als Impulsgeber der Band ausgemacht hat. Und diese Musik hat tatsächlich eine besondere, auch erotische Qualität, die sich mit Sinn für exzessive Melodramatik paart. Das wird also ein reichlich heisser Abend, der von der Band We Loyal eröffnet wird.

Morgen Mi, Palace, 21 Uhr