Alle Wege führen zum Tango

Francisco Obieta und sein «Octango» feiern in der Tonhalle am Samstag einen alten Bekannten – und erfinden ihn immer wieder neu.

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Die Totgesagten leben länger: Das gilt auch für den Tango, der immer wieder ausgetanzt und musikalisch ausgereizt schien. Und noch immer ist er quicklebendig; in St. Gallen zumindest ist das nicht unwesentlich Francisco Obieta zu verdanken. Geboren in Buenos Aires, hat der stellvertretende Solo-Kontrabassist des Sinfonieorchesters das musikalische Lebensgefühl der Heimatstadt mit in die Schweiz gebracht; als Komponist und Arrangeur stiftet er Musikerkollegen und Publikum zu Sessions an – nicht anders kann man die Konzerte nennen, in denen dem Tango der Puls gefühlt wird.

«Octango» heisst die aktuelle Formation; ein Oktett, überwiegend besetzt mit Musikern des Sinfonieorchesters; dazu an vorderster Front Ex-Konzertmeister Andrzej Kowalski, Bandoneonist Eduardo García und Gitarrist Alexander Swete. Zusammen sind sie die Verdoppelung der «Fab Four» aus Liverpool, denen sie in einer Tangoversion der Ballade «Eleanor Rigby» eine zu Herzen gehende Reverenz erwiesen.

Denn Tango, so die verschmitzte Botschaft, hat viele Tangenten; «tangentiell» geht er leidenschaftlich auf Tuchfühlung mit Kammermusik und Jazz, mit klangmalerischer Orchestermusik und mit Folklore – Pop ist er sowieso, und in Piazzollas Wiederbelebung grosse Kunst.

«Octango» spielt prickelnd mit den Vorlagen, etwa mit jenem rasanten Abflug, den Piazzollas «Libertango» für gewöhnlich hinlegt: Am Samstag wird das Thema zu einer Art Mantra, und es dauert eine

wunderbare Weile, bis wir da sind, wo das Gedächtnis Piazzollas berühmte Nummer abgespeichert hat. In Stimmung und schmeichelnde Klangfarben tauchen sie Tango-Oldies und Standards wie «My funny Valentine»; mag das tatsächlich keiner besser als Frank Sinatra gesungen haben, in der «Octango»-Version jedenfalls ist es unerhört schön.

Geigen (Andrzej Kowalski, Gregory Gates) und Cello (Adrian Gavrilescu), ein pochender Bass, warme Herbsttöne von Horn (Enrico Cerpelloni) und Klarinette (Ivan Galuzzi), so nähern sie sich dem Tango von vielen Seiten und sind dabei mittendrin. Mit grossem, begeistertem Publikum. Bettina Kugler

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