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Der nordirische Autor Bernard MacLaverty mit packendem Eheroman

Eine späte Ehekrise wird allmählich durch das Trauma der Terror-Vergangenheit in Nordirland verständlich. Sein alkoholkranker Held sagt: «Alle Religionen sollten Museen sein.» Ein bewegender Roman.
Bernadette Conrad
Bernard MacLaverty. (Bild: Marco Secchi/Getty Images)

Bernard MacLaverty. (Bild: Marco Secchi/Getty Images)

«Wie waren in ihrem Alter Veränderungen zu bewerkstelligen? Allein der Gedanke daran, ihn zu verlassen, schien eine Unmöglichkeit. Es gab zu viel zu tun ...» Und doch denkt Stella diesen Gedanken immer weiter durch. Gerry und sie haben ein langes Eheleben hinter sich, einen in Kanada verheirateten Sohn und viele – gar nicht so schlechte – gemeinsame Erinnerungen. Sie leben in Glasgow, haben das heimatliche Nordirland schon geraume Zeit hinter sich gelassen. Die Tage bestehen aus Ritualen und vielen Gesten wortloser Verständigung – wie jetzt, während eines Kurzurlaubs im winterlichen Amsterdam, wenn Gerry ihre kalte Hand in seine Jackentasche schiebt.

Was Bernard MacLaverty in seinem aktuellen Roman auf faszinierende Weise beschreibt, ist nicht eine sich langsam auflösende Ehe; eine Zerrüttung, die endlich zur Trennung führt. Nein, er zeigt auf so leise Weise, dass man mitunter den Schnee auf Amsterdam fallen zu hören meint, wie zwei über viele Jahrzehnte miteinander gewachsene Menschen dennoch Einzelne bleiben, – und auch ihr scheinbar so stabiles Bündnis Sollbruchstellen aufweist, wo Unterschiedlichkeit leicht zu Unvereinbarkeit werden kann.

Alkohol im Zentrum des Lebens

Nicht akzeptabel ist für Stella Gerrys Abhängigkeit vom Alkohol. Höchst zivilisiert – hier ein Whisky, dort einer, aber doch ein nicht wegzudenkender Weichzeichner des Lebens. Eindrücklich porträtiert MacLaverty in einem die Perspektiven wechselnden Erzählen diese Abhängigkeit, von der beide wissen, dass sie eine Verschiebung der Prioritäten bedeutet; dass allen politischen Statements und allem Expertenwissen des gebildeten Architekten zum Trotz, der Alkohol ins Zentrum seines Lebens gerückt ist.

Und genau in dem Masse ist Stella abgerückt. Hat sich innerlich schon auf die Reise gemacht an einen Ort, den sie nun aufsuchen wird: den Beginenhof, in dem Frauen alleine leben, und wo sie noch den Schatten der früheren religiösen Gemeinschaft findet. Während Stella Erkundigungen einholt, rauschen durch den herumstromernden Gerry die Schrecken früherer Jahre, – die Bomben, die er in Belfast hatte hochgehen sehen, der nicht zur Ruhe kommende Krieg zwischen IRA und Loyalisten in Nordirland – und jener Moment, als Stella hineingeraten war in die Gewalt. «Alle Religionen sollten in Museen sein», sagt er bei einer ihrer Stadterkundungen, – so fern liegt ihm die Sehnsucht nach religiöser Gemeinschaft. Streben sie in Wirklichkeit unaufhaltsam auseinander? «Was war Liebe anderes als ein lebenslanges Gespräch?», fragt sich Stella einmal. Früher sei er fürsorglich gewesen, sagt sie zu ihm. «Dein Alkoholkonsum ruiniert alles – lässt den anderen einsam zurück.» Das spannende Thema der inneren Distanz in einer Ehe, die in einer Trennung noch im Alter münden kann, erzählt Bernard MacLaverty, indem er die inneren Dynamiken zwischen Stocken, Stagnieren und Sehnsucht nach einem anderen Leben höchst glaubwürdig abbildet und auf eine Entscheidung hin zuspitzt. Ein bewegendes Buch.

Bernard MacLaverty: Schnee in Amsterdam. Roman. C.H. Beck, 284 S., Fr. 34.-

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