Putin-Kritiker
Alexej Nawalny erholte sich nahe der Schweizer Grenze – und drehte seinen Enthüllungsfilm im Schwarzwald

Der russische Oppositionelle Alexej Nawalny erholte sich nahe der Schweizer Grenze und produzierte seinen Film "Ein Palast für Putin" in den Black Forest Studios.

Georg Rudiger
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Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny. (Archivbild)

Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny. (Archivbild)

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Einige Absperrbänder flattern im Wind, aber der Weg zum Parkplatz der Black Forest Studios in Kirchzarten ist frei. Dass hier an diesem unspektakulären Ort am Rand eines Wohngebiets bis vor wenigen Tagen ein Film entstand, der gerade die Weltöffentlichkeit elektrisiert und im Internet bis Freitagmorgen über 50 Millionen Mal abgerufen wurde, kann man sich kaum vorstellen.

Alexej Nawalny, der prominente Kritiker des russischen Präsidenten Putin, hatte sich hier mit seinem Team einquartiert, um seinen Enthüllungsfilm «Ein Palast für Putin. Die Geschichte der grössten Bestechung» fertigzustellen. Zuvor hatte er einige Wochen zur Erholung im Schwarzwaldörtchen Ibach in der Nähe von Waldshut-Tiengen direkt an der Schweizer Grenze verbracht.

Nawalny strahlt eine grosse Ruhe aus. Am Abend schenkte er Schnäpse aus.

Nawalny strahlt eine grosse Ruhe aus. Am Abend schenkte er Schnäpse aus.

CH Media

Technische Ausrüstung aus der Schweiz

Zwei Tage nachdem der russische Bürgerrechtler direkt nach seinem Rückflug aus Deutschland am Flughafen Moskau verhaftet wurde, veröffentlichten seine Mitarbeiter den Film im Internet. Nawalny möchte darin wissen, «wie aus einem normalen sowjetischen Offizier ein Verrückter werden kann, der besessen von Reichtum und Luxus ist». Und zeigt mittels einer Drohne gefilmte Bilder eines riesigen Anwesens am Schwarzen Meer: Putins Luxuspalast, so die Behauptung. Die ersten acht Minuten des knapp zweistündigen Films sind in Dresden entstanden, wo Putin ab 1985 als KGB-Offizier tätig war. Danach ist Alexej Nawalny im Film an einem Tisch der Black Forest Studios zu sehen, wie er seine Texte auf Russisch direkt in die Kamera spricht.

Wir treffen die Studiobetreiber Sebastian Weiland und seine Frau Nina Gwyn Weiland in ihrem Studio. Wenige Wochen zuvor hatten sie von einem insolventen Schweizer Filmequipment-Verleih technische Ausrüstung gekauft, sodass sie jetzt aus dem Vollen schöpfen konnten. Die Zusage erfolgte, obwohl man noch nicht wusste, was für ein Film entstehen würde. «Um wen es sich dabei handelt, erfuhren wir erst bei der Vorbesichtigung. Dann haben wir uns dementsprechend aufgestellt, damit der Dreh unter grösster Geheimhaltung ablaufen kann», sagt Nina Gwyn Weiland.

Die Sicherheit der Umgebung war den Mietern sehr wichtig. So blieben die Türen und Jalousien des Studios geschlossen, das Gelände wurde abgesperrt, das Team zur Verschwiegenheit verpflichtet. Selbst der Bürgermeister erfuhr nichts von den Dreharbeiten. Inhaltlich haben die Black Forest Studios nichts mit dem Film zu tun, betonen die Studiobesitzer. Sie haben nur die Technik und die Location gestellt sowie den Dreh organisiert.

Der russische Oppositionelle Alexej Nawalny während der Arbeit in den Black Forest Studios.

Der russische Oppositionelle Alexej Nawalny während der Arbeit in den Black Forest Studios.

ho

Beeindruckende Ruhe und Entspanntheit

Die Arbeitstage waren intensiv – von frühmorgens bis spätabends, viel länger als geplant. Am Ende eines Drehtags stand Alexej Nawalny hinter dem Tresen der hauseigenen Bar und hat Schnäpse ausgeschenkt. «Mich hat am meisten seine entspannte Freundlichkeit begeistert und die Ruhe, in der er seine Leidenschaften und Visionen zum Ausdruck bringt, schildert Nina Gwyn Weiland ihre Eindrücke. Angesprochen auf die grosse Energie, die er ausstrahle, meinte Nawalny nur trocken, er habe sich ja lange genug ausruhen können. Auch Nawalnys Frau und seine Tochter kamen gelegentlich zu Besuch. Insgesamt herrschte eine familiäre, vertraute Atmosphäre. Am Ende entstand ein gewisser Zeitdruck, da der Tag des Abschieds näher rückte. Bis zur letzten Minute wurde gedreht und produziert.