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In St.Peterzell wird Mark Zuckerberg zum Posterboy mit Draculagebiss

Die Ausstellung «Luxus Privatsphäre / Mythos Anonymität» im Dachstock der Propstei untersucht, wie viel Anonymität in Zeiten von Big Data noch möglich ist.
Christina Genova
Beni Bischof zeigt den Facebook-CEO Mark Zuckerberg als verunstalteten Posterboy. Das Werk trägt den Titel «Mark Suckerberg» («Sucker» heisst auf Englisch Widerling). (Bilder: Urs Bucher)

Beni Bischof zeigt den Facebook-CEO Mark Zuckerberg als verunstalteten Posterboy. Das Werk trägt den Titel «Mark Suckerberg» («Sucker» heisst auf Englisch Widerling). (Bilder: Urs Bucher)

Mark Zuckerberg mit Teufelshörnern, Gnomenohren und Draculagebiss. Der St.Galler Künstler Beni Bischof hat ein Poster des CEO von Facebook verunstaltet und bringt damit die Enttäuschung und die Wut über dessen skrupellosen Umgang mit den Daten seiner Nutzer zum Ausdruck. Die Geste wirkt sowohl befreiend als auch hilflos. Denn wer auf dem sozialen Netzwerk aktiv ist, hinterlässt eine breite Datenspur und kann nicht verhindern, dass die Firma diese kommerziell nutzt.

«Luxus Privatsphäre / Mythos Anonymität» lautet der Titel der 18. Ausstellung des Vereins Ereignisse Propstei St.Peterzell, in der das Werk zu sehen ist. Zum ersten Mal als Kuratorin dabei ist Patricia Holder. Ihr Konzept erklärt sie folgendermassen: «Die Ausstellung nimmt die aktuelle Situation zum Ausgangspunkt für die Frage, was privat und öffentlich heute heisst, welche Grenzen wir zwischen beidem ziehen und welche Formen von Anonymität wir uns gegenwärtig noch vorstellen können.»

Dazu hat sie neun Gäste eingeladen. Zum Thema inspiriert hat sie Felix Keller und dessen Monografie «Anonymität und Gesellschaft». Er hat zur Ausstellung einen Essay beigesteuert.

Musik für virtuelle Dienstboten

Die Videoinstallation «Alexiety» der Mediengruppe Bitnik.

Die Videoinstallation «Alexiety» der Mediengruppe Bitnik.

Was passiert, wenn wir mit elektronischen Geräten wie mit Menschen sprechen und diese die Kontrolle über unsere privatesten Räume übernehmen lassen? Die !Mediengruppe Bitnik, untersucht dieses Phänomen in der Videoinstallation «Alexiety». Der Titel setzt sich zusammen aus Amazons Dienst Alexa und dem englischen Wort für Beklemmung. Die freundliche Frauenstimme Alexas, die uns zu Diensten ist, lässt vergessen, dass der Amazon-Konzern alle Sprachbotschaften dauerhaft in der Cloud speichert.

Gemeinsam mit dem französischen Musiker Low Jack hat die !Mediengruppe Bitnik zwei Songs entwickelt. Sie richten sich an die smarten Lautsprecher Google Home und Amazon Echo und sorgen bei Alexa, die über Aktivierungswörter funktioniert, für ziemliche Verwirrung. Sie steuert scheinbar wahllos eine Radiostation an, um schliesslich zu kapitulieren: «Tut mir leid, da kann ich Ihnen nicht weiterhelfen.»

Menschen konditionieren wie Tiere

Internetkonzerne arbeiten zusammen mit Datenwissenschafterinnen und -wissenschaftern längst schon daran, unser Verhalten vorhersehbar zu machen. Darauf spielt Skippy Summers mit seinem Kürzestpoem «Free Wifi / Free Willy» an. Der Orca-Wal Keiko, der im Spielfilm «Free Willy» mitwirkte, wurde zwar aus dem Vergnügungspark, in welchem er lebte, in die Freiheit entlassen, starb aber kurz darauf. Wird es bald schon möglich sein, unser Verhalten dank Big Data so zu konditionieren wie jenes von Tieren?

Herbert Weber kombiniert Spamnachrichten mit Selbstdarstellung.

Herbert Weber kombiniert Spamnachrichten mit Selbstdarstellung.

Schon in der «Steinzeit» des Internets entstanden die ersten Spamnachrichten. Fotograf Herbert Weber kombiniert diese in seiner Fotoserie «Leroy, why don’t you answer?» mit der Selbstinszenierung und dem Exhibitionismus, wie wir ihn aus den sozialen Medien kennen.

Armando Forlins Halstücher bestehen aus alten Jeans.

Armando Forlins Halstücher bestehen aus alten Jeans.

Die Arbeiten von Lika Nüssli, der Spoken-Word-Künstlerin Jessica Jurassica, der Zeichnerin Julia Kubik und des Modedesigners Armando Forlin erweitern die Thematik über den engeren Rahmen von Internetphänomenen hinaus, spannen den Bogen aber fast zu weit. Eine engere thematische Eingrenzung hätte das Profil der Ausstellung geschärft.

Demo gegen die Datenkraken

Die neue Kuratorin Patricia Holder zeigt Beni Bischofs Demo-Plakate.

Die neue Kuratorin Patricia Holder zeigt Beni Bischofs Demo-Plakate.

Dass die fast zwei Milliarden Nutzer von Facebook sehr wohl die Macht hätten, etwas an den herrschenden Verhältnissen zu ändern, darauf spielt Beni Bischof mit einer Reihe von Tafeln an, wie sie an Demonstrationen verwendet werden. Er hält sowohl den Unternehmen der digitalen Wirtschaft als auch den Nutzern den Spiegel vor: So ist darauf etwa das langjährige Motto von Google «Don’t be evil» zu lesen oder «You don’t get all for nothing».

Beni Bischofs Zeichnungen zeugen von seiner intensiven Auseinandersetzung mit Internetphänomenen.

Beni Bischofs Zeichnungen zeugen von seiner intensiven Auseinandersetzung mit Internetphänomenen.

Bischof hat ausserdem eine ganze Wand mit Zeichnungen, Skizzen und Diagrammen beigesteuert, die von seiner intensiven Auseinandersetzung mit sogenannten Datenkraken wie Amazon, Facebook oder Google zeugen. Darunter sind fiktive Buchcovers mit Titeln wie «Algorithms of Oppression» oder «Ich habe nichts zu verbergen». Und auf Beni Bischofs gezeichneter Google Watch ist es fünf vor zwölf.

Bis 22.9., Propstei St. Peterzell. www.ereignisse-propstei.ch

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