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Alex will ins Gefängnis

Das Theater Konstanz will Häftlingen mit theaterpädagogischen Mitteln helfen. Am Projekt «Theater hinter Gittern VI» zeigt auch der Kanton St. Gallen Interesse.
«Puppen sind direkt»: Magdalene Schaefer mit Alex. (Bild: Dieter Langhart)

«Puppen sind direkt»: Magdalene Schaefer mit Alex. (Bild: Dieter Langhart)

Pressekonferenzen haben nicht den Ruf, spannend zu sein: Lange Voten am langen Tisch. Am Theater Konstanz redet auch Intendant Christoph Nix gern und gut. Der einstige Strafverteidiger meint, dass es in Gefängnissen nicht um Rache, sondern um Resozialisierung gehen sollte. «Im Grunde gehören sie abgeschafft», sagt er vehement. Er will in Strafvollzugsanstalten mit Projekten «Neues ermöglichen», seit 1993, als er Intendant in Konstanz wurde, «auch wenn Theater nicht die Welt verändern wird».

Mit dem Projekt «Theater hinter Gittern VI» will er Insassen in drei süddeutschen Gefängnissen helfen, neue Fähigkeiten zu entwickeln in ihrem tristen Alltag. Und da kommt Alex ins Spiel.

Alex scheint ein harter Kerl zu sein: kantiges Gesicht und eine grosse Klappe unter dem schwarzen Hoodie. Alex ist eine Puppe. Magdalene Schaefer führt seine linke Hand und redet für ihn, erzählt hautnah vom Alltag und von den Problemen im Gefängnis.

«Puppen sind direkter als Schauspieler»

Die Puppenspielerin, derzeit in Charles Lewinskys «Gerron» in der Werkstatt des Theaters zu sehen, hat 2014 erstmals im Konstanzer Gefängnis gearbeitet. Sie erinnert sich: «Die Leute haben sich sofort die Puppen geschnappt und konnten ein anderer sein. Das gab ihnen Freiheit.» Puppen seien direkter als Schauspieler, sagt Magdalene Schaefer, mit ihnen könne sie Menschen direkt abholen. «Lachen kann etwas auslösen.»

Das Projekt «Theater hinter Gittern VI» wird grosszügig von der Baden-Württemberg-Stiftung unterstützt, da sie «Menschen in allen Lebenslagen fördern und fordern will», wie Geschäftsführer Christoph Dahl sagt. «Wir lassen keinen fallen – auch im Interesse der Gesellschaft.» Nese Erikli sitzt für die Grünen im Landtag; sie befürwortet das Projekt wegen der «unschönen Zustände» in den Strafvollzugsanstalten und weil da nicht viel passiere.

Zur neuen pädagogischen Abteilung «Theater im Strafvollzug» gehört auch der Theaterpädagoge Denis Ponomarenko: «Aus Nichtmateriellem kann Raum und Zeit, Begegnung und Sprache entstehen.» Der dritte im Bund ist der Sprachlehrer Albert Bahmann. Er liess 2014 im Gefängnis Adelsheim eine Gruppe von Häftlingen Deutsch durch Theaterspiel lernen statt am Tisch, «spielerisch statt zweckgerichtet». Und sie spielten Hamlet, mit Puppen und Hip-Hop. Eine Mitarbeiterin aus Adelsheim sitzt im Publikum. Sie plädiert für kulturelle Bildung wie Theaterspiel: «Das kann Insassen aus ihrer Welt herausholen.»

Das Projekt ist finanziell für zwei Jahre gesichert. Im August 2020 löst Karin Becker Intendant Christoph Nix ab, ab dann entscheidet sie über die Laufzeit von «Theater hinter Gittern VI». Vielleicht hat darauf auch St. Gallen einen Einfluss. Regierungsrat Fredy Fässler hat gegenüber Christoph Nix das Interesse des Kantons bekundet, in seinen Gefängnissen solche Theaterprogramme einzuführen.

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