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Der St.Galler Künstler, der hier blieb und international erfolgreich wurde

Am Freitag eröffnet im Kunstmuseum St. Gallen Alex Hanimanns Einzelausstellung «Same but Different» – beinahe 30 Jahre nach der letzten Soloschau, die er dort hatte. Ein Besuch in seinem St. Galler Atelier wenige Tage vor der Vernissage.
Christina Genova
Alex Hanimann in prächtigen Treppenhaus der Villa Freya, wo er lebt und arbeitet. (Bild: Benjamin Manser )

Alex Hanimann in prächtigen Treppenhaus der Villa Freya, wo er lebt und arbeitet. (Bild: Benjamin Manser )

Nach fast drei Jahrzehnten ist er zurück. 37 Jahre alt war Alex Hanimann 1992, als er zum ersten Mal im Kunstmuseum St. Gallen ausstellte. Nun, mit beinahe 64 Jahren, wird ihm dort seine zweite Einzelausstellung ausgerichtet, die heute Abend eröffnet.

«Same, but different» lautet deren Titel, der auch persönlich zu verstehen ist: Das Plakat zur Ausstellung zeigt sein jüngeres Ich. Der Künstler hat ein altes Passfoto, das ihm beim Zügeln in die Hände geraten ist, vervielfältigt und gespiegelt. Beim direkten Vergleich wenige Tage vor der Vernissage zeigt sich, dass die Jahre zwar nicht spurlos an ihm vorbeigegangen sind; er wirkt aber um Jahre jünger als 64 und ganz und gar nicht wie ein Pensionär in spe.

Wir treffen uns in der Villa Freya, einem weitgehend original erhaltenen Jugendstilbau im Osten St. Gallens. Dort lebt und arbeitet Alex Hanimann seit zwei Jahren. Er ist einer jener Ostschweizer Künstler, die hiergeblieben, aber trotzdem erfolgreich sind und international ausstellen. Was Alex Hanimann betrifft, vor allem im deutschsprachigen Ausland. Seit einem Jahr bereitet er die Ausstellung im Kunstmuseum vor. Kurz vor der Eröffnung wirkt er entspannt, ja heiter und ist in bester Erzähllaune.

Er recycelt seine Werke

Es riecht nach Farbe, als wir das Atelier betreten, welches das ganze Untergeschoss einnimmt. Im Keller gibt es weitere Arbeitsräume. Alex Hanimann ist eben erst fertig geworden mit dem Übermalen von 47 Leinwänden. Es sind Werke, die er vor 30 Jahren ausgestellt hatte und längst schon entsorgen wollte. Für die Ausstellung hat er sie komplett mit schwarzer und weisser Farbe überdeckt. Zu seinen künstlerischen Strategien gehört es, ältere Arbeiten umzubauen und zu recyceln:

«Solange ein Werk nicht verkauft ist, befindet es sich in dauernder Metamorphose.»

In der Ausstellung werden zwar alles neue Arbeiten gezeigt. Weil Alex Hanimann aber gerne an frühere Werkzyklen anknüpft und Themenstränge über längere Zeit hinweg entwickelt, ist der Blick zurück trotzdem Teil davon.

Für die Skulptur «Vanessa» im Foyer der Kanti Heerbrugg stand eine Kantischülerin Modell. (Bild: Hanspeter Schiess)

Für die Skulptur «Vanessa» im Foyer der Kanti Heerbrugg stand eine Kantischülerin Modell. (Bild: Hanspeter Schiess)

Studenten lebensgross aus Aluminium

Dies zeigt sich auch bei der Serie lebensgrosser Skulpturen aus Aluminium, die im Zentrum der Ausstellung stehen. Sie stellen fünf junge Erwachsene dar, Studierende der Zürcher Hochschule der Künste, wo Alex Hanimann einst ebenfalls studierte und seit zwanzig Jahren als Dozent am Studiengang Visuelle Kommunikation angehende Grafiker unterrichtet. Er mag die Begeisterungsfähigkeit seiner Studenten: «Ich kann ihnen eine neue Welt auftun, das Tor öffnen zur Kunst.»

Der 3D-Druck einer Studentin entstand in der Kunstgiesserei St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)

Der 3D-Druck einer Studentin entstand in der Kunstgiesserei St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)

Produziert wurden die Skulpturen in der Kunstgiesserei St. Gallen. Es sind Weiterentwicklungen von «Vanessa», ­einer fünf Meter grossen Skulptur, die Hanimann 2012 für die Kanti Heerbrugg als Kunst am Bau aus Chromstahlblech hat treiben lassen. Jedes der Modelle musste 400 bis 600 verschiedene Posen einnehmen, die fotografiert wurden. An den Wänden des Ateliers hängt eine Auswahl dieser Bilder. In einem nächsten Schritt wurden die Studenten mit einem 3D-Scanner erfasst und davon ein 3D-Druck angefertigt. Ein missglücktes Exemplar, der Oberkörper einer Studentin, liegt auf einem der Tische.

Einige der über 400 Posen, welche die Studenten als Vorbereitung für die Skulptur einnehmen mussten. (Bild: Benjamin Manser)

Einige der über 400 Posen, welche die Studenten als Vorbereitung für die Skulptur einnehmen mussten. (Bild: Benjamin Manser)

Jahrelang malte er nur Pferde

Überall im Atelier sieht man Fotos und Skulpturen von Pferden. Alex Hanimann ist mit Pferden aufgewachsen, als Bauernbub in Mörschwil mit vier Brüdern. Tiere und besonders Pferde tauchen immer wieder auf in seiner Kunst, am Anfang seiner Karriere hat er gar während mehrerer Jahre ausschliesslich Pferde gemalt. Kein Wunder, dass er in einem Aufsatz aus der Primarschulzeit über seinen Berufswunsch schrieb: «Ich will einmal Cowboy werden.»

Stillleben in Alex Hanimanns Atelier (Bild: Christina Genova).

Stillleben in Alex Hanimanns Atelier (Bild: Christina Genova).

Alex Hanimann ist auch ein Sammler: Seit Jahrzehnten legt er Zeitungsbilder, die ihn faszinieren, nach Themengebieten sortiert in Ordnern ab, sie füllen ganze Regale: «Mich interessieren die guten Bilder, nicht die Bilderflut.» Mittlerweile gibt es parallel ein Archiv mit digitalen Fotos. Aus diesen rund 15 000 Bildern hat Alex Hanimann etwa 3500 für eine Publikation ausgewählt, die auf die Ausstellung hin bei der Edition Patrick Frey erscheint: «Darin sieht man mein Leben, meinen Blick auf die Welt.»

Alex Hanimanns neues Künstlerbuch «Etwas fehlt» ist bei der Edition Patrick Frey erschienen und hat vier verschienene Covers. (Bild: Christina Genova)

Alex Hanimanns neues Künstlerbuch «Etwas fehlt» ist bei der Edition Patrick Frey erschienen und hat vier verschienene Covers. (Bild: Christina Genova)

Esoterik und Terrorismus

Auf beide Archive greift er immer wieder zurück in seine Kunst. Seit etwa 15 Jahren beschäftigten ihn Bilder aus seiner Jugend in den 1970ern, die sich in sein Gedächtnis gebrannt und die seine Generation beeinflusst haben. Er selbst wurde am Lehrerseminar politisiert. Z

wei gegensätzliche Strömungen, die sich teilweise ins Abseits manövrierten, waren damals prägend für ihn: Er hatte Sympathien für die 68er, von denen sich manche radikalisierten bis hin zum Terrorismus. Andererseits war die Jugend damals auch empfänglich für Esoterik, man lernte Sitar spielen, und die Hippies pilgerten zu Bhagwan nach Indien. In der Ausstellung ist der Sektenführer in einem Leuchtkasten zu sehen. Alex Hanimann hat ihm zur maximalen Erleuchtung eine zweite Sonne ins Bild montiert.

«I’m your mirror» wird als Neonarbeit im Treppenhaus zur Ausstellung zu lesen sein. Es ist die Abwandlung des Titels eines Songs von Lou Reed – Musik aus den 1960ern, aus Alex Hanimanns Jugend. Spiegelungen und auch das Medium Sprache sind ein weiterer roter Faden in seinem Schaffen. Nicht zuletzt zeigt sich in dieser Textarbeit sein eigenes Selbstverständnis:

«Als Künstler spiegle ich Themen, die in unserer Gesellschaft vorhanden sind und übersetze sie in Arbeiten.»

Vernissage Freitag 7.6, 18.30 Uhr, Kunstmuseum St. Gallen; Ausstellung bis 1.9.

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