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Sport mit den Stimmbändern

Sheida Damghani studierte zunächst Physik, bevor sie merkte, was sie besser kann: Singen. Sie brach das Studium in Teheran ab, kam über Hamburg und Berlin ans Theater St. Gallen. Mit Tänzern arbeitet sie besonders gern – wie jetzt in «Die Jahreszeiten».
Bettina Kugler
Anfangs sang Sheida Damghani gern Trauriges – bis sie begann, auf der Bühne zu stehen. (Bild: Urs Bucher)

Anfangs sang Sheida Damghani gern Trauriges – bis sie begann, auf der Bühne zu stehen. (Bild: Urs Bucher)

Unzählige Male hat sie als Mädchen Miloš Formans «Amadeus» gesehen. Sie liebte den Film, und die Auswahl an eigenen Videokassetten war bescheiden. So wurde Mozart Held ihrer Kindheit in Teheran, seine Musik der Soundtrack dazu. Daneben gab es noch diesen magischen Koffer: einen tragbaren Schallplattenspieler, auf dem sie und ihre zwei Brüder Kinderstücke hörten, aber auch Beethoven-Sinfonien und Musik iranisch-türkischer Komponisten. Damit öffnete sich für Sheida Damghani, 1986 in Teheran geboren, eine Schatzkammer – lange bevor sie selbst mit dem Musizieren anfing.

Ihren Grips zeigt sie jetzt auf der Bühne

Sie war schon zehn bei ihren ­ersten Geigenstunden und 18, als eine Freundin sie zum Schnuppern in den Unterricht bei einer Opernsängerin mitnahm. Eine neue Welt tat sich auf, weit und licht. Zunächst aber blieb das Singen ein Hobby; an ein Musikstudium dachte Sheida Damghani nicht. Stattdessen schrieb sie sich in Teheran für Physik ein. Ein Irrtum, wie sich herausstellte. «Für die Forschung hatte ich zu wenig Grips», sagt sie. «Zur Lehrerin hätte es gereicht. Aber zurück in die Schule? Dazu hatte ich überhaupt keine Lust!»

«Egal wie klein die Rolle ist,
wir müssen in jedem Moment
alles geben.»

Ihre Mutter unterstützte sie auf dem Weg zur Kunst; auch die Brüder erlernten ein klassisches Instrument. In der politischen Enge des Iran erlebte Sheida Damghani die Musik als Hort der Schönheit und Freiheit. Leicht wie ein Vogel, zugleich sprühend vor Ausdruckskraft und Elan bewegt sie sich heute darin: sei es als singender Amor in Glucks Oper «Orfeo», als jubilierender Engel auf der Kanzel der St. Galler Kathedrale in Beate Vollacks«Peregrinatio» oder als Isolde in Frank Martins «Le vin herbé». Ebenso abseits der Bühne, wenn sie im luftigen Blümchenkleid zum Treffpunkt vors Theater kommt: mit freudigen Schritten, wie es in der Bacharie heisst, die sie in «Peregrinatio» gesungen hat. Ihre kleinen Füsse stecken in knallroten Turnschuhen.

Angesteckt von der Energie des Tanzes

Als sportliche Herausforderung empfindet die Sopranistin ihren Beruf tatsächlich. Am Abend wartet die erste Hauptprobe für «Die Jahreszeiten», Beate Vollacks neues Tanzstück, mit dem diesen Samstag die Saison am Theater St. Gallen eröffnet wird. Neben zwei Kollegen aus dem Opernensemble wird Sheida Damghani die Arien des Haydn-Oratoriums singen; es ist bereits ihre dritte Produktion unter der Regie der scheidenden Tanzchefin. Von Beate Vollack hatte sie in Berlin gehört, als sie noch Mitglied des Opernstudios an der Komischen Oper war: Das lockte sie umso mehr nach St. Gallen. Gerade die Arbeit mit Tänzern ­erlebt sie als bereichernd und inspirierend. Diese seien offen für Experimente – und disziplinierter als viele Sänger. «Es hat sicher damit zu tun, dass sie gewohnt sind, als Gruppe Schritt für Schritt gemeinsam zu entwickeln. Wir Sänger bereiten uns allein auf eine schon fertige Partie vor – und formen sie dann mit dem Dirigenten und der Regie.»

Anmut, Sprünge und Koloraturenakrobatik

Tanzschritte wird sie in den «Jahreszeiten» nicht machen müssen, aber die Energie spüren, die von den Tänzern ausgeht – und die sie ihrerseits beim Singen braucht. «Vor einer Probe in der Kathedrale hörten mich die Kollegen aus der Kompanie beim Einsingen für die Koloraturen und grossen Intervallsprünge in Mozarts Exsultate», erinnert sie sich. «Da stellten sie fest, dass wir ziemlich ähnliche Dinge machen.» Aufwärmen, Training, Akrobatik.

Bei Sheida Damghani kommt hinzu, was sie bescheiden kleinredet: Grips und Einfühlungsvermögen in die Figuren, die sie verkörpert; Spielfreude und Ehrgeiz. Nicht um Bewunderung geht es ihr. Sie will das Publikum erreichen, es anstecken mit ihrer Begeisterung fürs Theater. «Dafür tragen wir auf der Bühne jeden Moment die Verantwortung.»

Hinweis

Premiere Samstag, 22.9., 19.30 Uhr, Theater St. Gallen.

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