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Stanser Musiktage: Afrikas Stimmen bewegen

Die Stimmen von Ladysmith Black Mambazo und Les Amazones D’Afrique brachten den schwarzen Kontinent nach Stans. Auch das Trio Bauls meet Saz transportierte mit poetischen Gesängen eine klare Botschaft.
Pirmin Bossart
Ladysmith Black Mambazo brachten die Pfarrkirche Stans zum Klingen. (Bild: Manuela Jans-Koch (2. Mai 2019))

Ladysmith Black Mambazo brachten die Pfarrkirche Stans zum Klingen. (Bild: Manuela Jans-Koch (2. Mai 2019))

Vor 59 Jahren wurden sie gegründet, vor 33 Jahren machte sie Paul Simon mit dem Album «Graceland» weltbekannt. Und gestern Abend erschauerte die bis auf den letzten Platz besetzte Pfarrkirche Stans unter ihren voluminösen Stimmen: Die acht Sänger von ­Ladysmith Black Mambazo sind eine A-cappella-Truppe aus Südafrika, die nicht nur eine lange Bandtradition fortführt, sondern auch ihre ursprüngliche Botschaft: «To spread the culture of love, peace and harmony», wie der Vorsänger verkündete.

Uniform gekleidet und mit einer Art Folkore-Aerobic den Sound begleitend, performen die Sänger ihren berühmten Sound. Tiefe Bassfundamente mit dunkel-porösen Timbres kreieren die Aura, in der sich die hellen Erzählstimmen entfalten. Vorsänger und Truppe erschaffen mit ihren Wechselgesängen eine heitere Melodik mit viel Groove. Die Wiederholungen von einzelnen Wörtern und Phrasen wirken wie Loops, die monochrome Textur schillert in feinsten Farben.

Irdische Spiritualität ohne klassische Religion

Transkulturelle Momente am Mittwoch: Die Altäre in der Kapuzinerkirche Stans zeigen in bunten Farben das Jesuskind und die Heilige Familie, Engel und die himmlischen Heerscharen. Vorne im Chor singt die Inderin Malabika Brahma von Krishna und Allah, es mäandert die türkische Laute Saz in filigranen Arabesken, kleine Handtrommeln klackern die Rhythmen. So sakral die Stimmung anmutet: Es wird keine neue Religion gepredigt.

Die Bauls aus West-Bengalen (Indien/Bangladesh) sind wandernde Sänger und Musiker, die ausserhalb der indischen Kasten mit poetischen Texten ihre ganz irdische Spiritualität feiern. Ihre Weltanschauung speist sich aus hinduistisch-tantrischen und muslimisch-sufischen Traditionen. «Wir singen von Krishna und Allah, aber das sind für uns keine Götter, sondern Symbole. Unser Gott ist die Musik, die Liebe, die Menschlichkeit», erklärte die Sängerin, während die Abendsonne in den Kirchenraum leuchtete.

Auch wenn man von den Gesängen kein Wort versteht, meint man in der Musik diese spirituelle Dimension zu spüren, die keine Religionen braucht. Die Bauls leben nicht für ein Jenseits oder eine Moral, sie feiern den Moment und die Sinnlichkeit. Ihre Musik ist schlicht und auf eine introspektive Art ekstatisch.

Hell und fast grell erhebt sich die Stimme der Sängerin, während Emre Gültekin, der Saz (asiatisches Seiteninstrument) spielt, seinen dunklen Bariton vibrieren lässt. Der gleichförmige Grundton der Saz-Klänge und die kargen Gesänge erinnern an Wüsten-Folk. Es ist die Musik, wie man sie auf den Strassen und Plätzen von Nordindien hört. Ein Duft von Fernweh und Exotik wohnt ihr inne, aber noch stärker wirkt die Ruhe, die sie verströmt.

Eine Stunde später transformiert sich die Stille in die Extravertiertheit von tanzenden Sängerinnen, die mit ihrer Botschaft einen Nerv der Zeit treffen. Auf der Bühne des Kollegis pochen die Bassbeats und scratcht der DJ, gefüttert mit elektrischer Gitarre und Schlagzeug. Einflüsse aus Dub, Afro, und Funk generieren einen urbanen Instrumental-Soundtrack, über den sich die Stimmen der drei afrikanischen Sängerinnen Mamani Keita, Rokia Kone und Awa Sango legen.

Gegen Gewalt an Frauen –Freude an den Männern

Die drei Ladys powern mit Präsenz und in farbenfrohen Kleidern ihren Melodienfluss, wiegen sich zu den Rhythmen, lassen den Groove in ihre Körper eintreten. Auch hier versteht man kaum, was die Frauen singen, aber man erfährt mit unmissverständlichen Statements, die sie von der Bühne verkünden: Sie treten an gegen die Gewalt gegen Frauen, sie wollen aufrütteln, fordern Menschlichkeit. Und freuen sich, dass so viele Männer im Publikum sind.

Im Chäslager geraten wir mitten hinein in ein wildes Piano­solo. Die schweizerisch-südafrikanische Skyjack Formation beweist, dass kultureller Austausch keine Worthülse sein muss, sondern wunderbar klingen kann. Die Rhythm-Section stammt aus Südafrika, die einheimischen Bläser Marc Stucki (Tenorsax) und Andreas Tschopp (Posaune) gehören zu den Jungen des zeitgenössischen Jazz. Melodiestarke Linien, rhythmischer Drive und engagiertes Interplay verschmelzen zum süffigen Jazz. Die Musiker gefallen mit ihrer Spielfreude und einigen herausragenden Soli von Pianist Shepherd und Bassist Cooper. Skyjack sind eine Band, die ihre interkontinentalen Proben und Gigs gut planen müssen. Umso verblüffender, wie alles ineinandergreift. Genau das zeichnet gute Jazzmusiker aus.

Hinweis

Die Musiktage laufen bis Sonntag. www.stansermusiktage.ch

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