Adrian Frutiger prägte die Typographie der Welt

Adrian Frutiger ist in Typographen- und Grafikerkreisen eine Legende: Seine Schriften fanden und finden weltweit Anerkennung und prägen den öffentlichen Raum. In der Schweiz etwa kennt jeder Autofahrer Adrian Frutigers Schrift, denn sie ist auf allen Verkehrsschildern zu lesen (ihr Name: Astra Frutiger).

Sven Gallinelli
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Adrian Frutiger 2003 in seinem Atelier in Bremgarten. (Bild: Tonia Bergamin)

Adrian Frutiger 2003 in seinem Atelier in Bremgarten. (Bild: Tonia Bergamin)

Adrian Frutiger ist in Typographen- und Grafikerkreisen eine Legende: Seine Schriften fanden und finden weltweit Anerkennung und prägen den öffentlichen Raum. In der Schweiz etwa kennt jeder Autofahrer Adrian Frutigers Schrift, denn sie ist auf allen Verkehrsschildern zu lesen (ihr Name: Astra Frutiger).

Derweil Schriften in unserem Leben omnipräsent sind, stehen ihre Erfinder selten im Mittelpunkt. Das zeigte sich auch am Wochenende, als der Tod des 87jährigen Adrian Frutiger bekannt wurde: Eine offizielle Meldung gab es vorerst nicht; zuerst kursierte die Nachricht von seinem Tod auf sozialen Medien, wo umgehend viele Menschen aus der grafischen Szene ihrem Bedauern Ausdruck gaben – ein Beweis für die grosse Fangemeinde Frutigers.

Adrian Frutiger wurde am 24. Mai 1928 in Unterseen nahe Interlaken geboren. Im Laufe seines Lebens hat er um die 30 Schriften erfunden, und manche davon sind weltberühmt geworden. So etwa seine Schrift Univers, die 1957 auf den Markt kam. Bekannt wurde die Univers, weil sie sehr klar war, ohne Schnörkel und ohne Firlefanz. Sie findet Verwendung bis heute und gehört weltweit zu den beliebtesten Schriften.

Den Flughafen angeschrieben

Frutigers wohl berühmteste Schrift aber trug seinen eigenen Namen. Der serifenlose Schriftsatz «Frutiger» wurde 1975 lanciert. Entstanden ist er aus einem speziellen Auftrag heraus: 1970 wurde Adrian Frutiger beauftragt, für den Flughafen Charles de Gaulle in Paris eine Schrift zu kreieren, die für alle Beschriftungen im Flughafen verwendet werden kann; dafür erfand Frutiger die Schrift «Roissy», die wiederum auf seinem früheren Entwurf «Concorde» basierte. Die «Roissy» entwickelte Frutiger dann weiter zur «Frutiger». Heute ist die Frutiger auf jedem Computer zu finden; im öffentlichen Raum ist sie omnipräsent, und grosse Firmen und Institutionen benutzen sie für ihre Logos: Etwa die Universität Zürich, die Deutsche Post oder der Schweizer Telekomanbieter Sunrise. Das Logo der Schweizer Post stammt ebenfalls aus Frutigers Hand.

Schrift-Wissen weitergegeben

Mit seinen Schriftentwürfen gehörte Frutiger auch zu den Begründern der «Schweizer Typographie»; der Begriff umschreibt eine Schaffensphase von Schweizer Schriftgestaltern ab dem Jahr 1955. In dieser Periode entstand eine ganze Reihe Schriften, die es ebenfalls zu Weltruhm brachten. Die Schweizer Schriften standen damals für Sachlichkeit, Eleganz und Nüchternheit – es waren ruhige, zurückhaltende, aber klare Schriften, die durchaus auch die Schweizer Mentalität widerspiegeln.

Mit Adrian Frutiger verliert die Typographie-Szene auch ein Mitglied, das sein Wissen teilte: Frutiger war viele Jahre in der Lehre tätig, und es war ihm ein Kernanliegen, dass sein Typographie-Wissen auch nachfolgenden Generationen erhalten bleibt und vermittelt wird.