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Luzerner Chor probt neue Modelle für die Zukunft

Chor auf Zeit, fast nie in die Probe: Der Konzertchor Klangwerk Luzern feiert im nächsten Jahr einen doppelten Geburtstag und lotet mit neuen Modellen die Zukunft des Chorgesangs im Verein aus.
Interview: Roman Kühne
Neue Ideen für die Zukunft traditioneller Grosschöre: Dirigentin Moana N. Labbate. Bild: Pius Amrein

Neue Ideen für die Zukunft traditioneller Grosschöre: Dirigentin Moana N. Labbate. Bild: Pius Amrein

Moana N. Labbate, 2019 leiten Sie den Konzertchor Klangwerk seit zehn Jahren. Und dieser, der ehemalige Lehrerchor, wird auch schon 40. Jetzt probieren Sie im Jubiläumsjahr neue Chor­modelle aus. Wieso?

Uns war schon vor zwei Jahren klar: Der Geburtstag soll eine Gelegenheit sein, in die Zukunft zu blicken. Dies machen wir mit dem Stück «The Peacemakers» von Karl Jenkins, das wir am 29. Mai im KKL aufführen. Eine universelle Musik, wo der Komponist, inspiriert von Friedensstiftern der Welt, von deren Kulturen, verschiedene Stile vom Pop über Ethno bis in die Klassik miteinander verknüpft.

Und was ist die «Zukunft» in diesem Projekt?

Wir testen neue Herangehensweisen bei der Einstudierung der Musik. Wir wollen uns mit dem Stück nicht nur ein neues Publikum erschliessen, sondern auch mehr Menschen das Singen näherbringen. So haben wir zwei offene Proben nächste Woche in Luzern und später in Sempach. Da kann man vorbeikommen und wir üben zwei Stücke, «Adiemus», ebenfalls von Jenkins, und einen Satz aus «The Peacemakers». Wer will, kann dann im Konzert nur in diesem Teilprojekt mitmachen.

Nach nur zwei Proben?

Ja, nach 90 Minuten kann man diese beiden Stücke. Die Idee ist, dass Interessierte mit wenigen Proben vier spannende Stücke mit uns auf der Bühne des KKL singen können. Dieses «Klangwerk Part» richtet sich spezifisch an Männer. Es ist eine Art Werbeauftritt, eine Gelegenheit, um Chorluft zu schnuppern. Gerade «The Peacemakers» ist vom Inhalt, von der Musik her sehr geeignet, um die Menschen zu begeistern. Nur wenn man dieses Adrenalin, das volle Volumen eines grossen Chores einmal erlebt hat, packt einen das Feuer.

Ist das ein Versuch, mehr Nachwuchs in den Chor zu bringen?

Die neuen Sänger haben natürlich die Gelegenheit, sich dem Chor anzuschliessen, das ganze Projekt mitzusingen. Aber da muss ich klar festhalten, dass wir momentan keine Sorgen haben. Wir sind etwa hundert Mitglieder und die Register sind gut besetzt. Wir sind nicht unter Druck, weder was das Alter noch die Zahl betrifft. In zehn Jahren könnte es aber anders aussehen. Wir versuchen deshalb etwas zu machen, das zeitgemäss ist, das unseren Namen «Klangwerk» auch mehr als Programm ausschöpft.

Aber es richtet sich ja spe­zifisch an Männer. Männermangel ist ein typisches Chorproblem.

Hier findet tatsächlich eine Verjüngung nur langsam statt. Wir haben oft neue Mitglieder, die zwischen 50 und 65 Jahre alt sind. Es scheint eine Zeit zu sein, wo sich viele Männer neu orientieren. Chöre müssen aber auch ihre Qualität noch weiter anheben. Dafür haben wir das «Klangwerk Challenge» eingeführt. Hier können sich junge und geschulte Stimmen melden, Menschen die das ganze Werk selber erarbeiten wollen und können. Sie singen bei mir vor und stossen erst später zum Chor.

Gibt es keinen Unmut bei denen, die in alle Proben kommen?

Es ist ein Experiment. Aber die Voraussetzungen der Sängerinnen und Sänger sind extrem unterschiedlich. Die Begabung oder die Bereitschaft, zu Hause Zeit ins Üben zu investieren sind verschieden. Chöre müssen heute etwas anbieten, das für viele passt. Entscheidend ist am Schluss die Qualität. Die Sänger, welche in jede Probe kommen, die kommen aus Überzeugung. Viele sagen, es sei das Highlight der Woche. Zudem ist es ja heute schon so, dass sich die Sänger für jedes Projekt neu bei uns anmelden.

Auch Schüler der Kantonsschule Reussbühl wirken mit. Hat auch das Modellcharkter?

Jenkins möchte für sein Werk auch junge Stimmen. Ich selber ging dort in die Schule. So war der Kontakt schnell geschaffen. Neben dem Kantichor hat es eine Theatergruppe von sieben Jugendlichen, die schauspielerisch über das Werk und den Frieden im Allgemeinen reflektieren. Mir sind solche Berührungspunkte für Junge wichtig. Gerade in einer Mittelschule schlummern viele Talente. Und gerade das Musische kommt oft zu kurz.

Also auch ein Projekt mit einem pädagogischen Ansatz?

Der ist sicher nicht zentral.(lacht) Ich würde mehr einen gesellschaftlichen Aspekt nennen. Je mehr die Welt Richtung Digitalisierung und Individualismus geht, desto mehr werden Freizeitangebote wie das Singen in einem Chor an Wert gewinnen. Gerade junge Menschen suchen andere Möglichkeiten, um Mensch zu sein. Gemeinschaft ist und bleibt da etwas Wichtiges.

Hinweis

Offene Proben für das «Klangwerk Part»: Dienstag 30. Oktober, 19 Uhr, Neubad Luzern. Samstag 3. November, 10 Uhr, Schulhaus Sempach-Station.

www.klangwerk-luzern.ch

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