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ADOLF DIETRICH: Der malende Zeichner

Die neue Ausstellung im Kunstmuseum Thurgau zeigt Zeichnungen des Meistermalers vom Untersee und erhellt damit auch seine Gemälde.
Martin Preisser
Porträts, gezeichnet und gemalt, bilden einen wichtigen Teil der neuen Dietrich-Ausstellung «Mondschein über dem See». (Bilder: Michel Canonica)

Porträts, gezeichnet und gemalt, bilden einen wichtigen Teil der neuen Dietrich-Ausstellung «Mondschein über dem See». (Bilder: Michel Canonica)

Martin Preisser

martin.preisser

@tagblatt.ch

Ein Selbstporträt in der aktuellen Ausstellung zeigt den jungen Berlinger Maler im strengen Anzug. In der Hand hält Adolf Dietrich (1877–1957) nicht etwa einen Pinsel, sondern einen Zeichenstift. Ohne seine Zeichnungen sei die Malerei Dietrichs nicht möglich gewesen, das ist kurz gesagt die Hauptthese des Kunstmuseums Thurgau. «Bei Adolf Dietrich entstand kein Bild ohne Zeichnung. Seine Malerei ist das Resultat und der Ausdruck einer primär zeichnerischen Arbeit und Haltung», sagt Markus Landert, der mit «Mondschein auf dem See» seine bereits dritte Adolf-Dietrich-Retrospektive als Museumsdirektor präsentiert.

Siebzig Prozent der gezeigten Ölbilder und fünfzig Prozent der Zeichnungen sind Leihgaben. So ist auch im eigentlichen Kompetenzzentrum, welches das Kunstmuseum Thurgau in Sachen Adolf Dietrich ist, eine Retrospektive entstanden, die viel Neues zeigt und den Maler auf neuen Wegen wiederentdecken und vor allem neu interpretieren hilft.

Die Ausstellung basiert auf den Skizzenbüchern

Die These vom Zeichner, der malt, wird in der opulenten Schau intensiv bewiesen. Dietrich hat eigentlich seine Malerei zeichnerisch vorbereitet, mit klaren Vorstellungen und bereits ausgereiften Bildideen. Willi Tobler, im Vorstand der Thurgauischen Kunstgesellschaft und für das Adolf-Dietrich-Haus in Berlingen zuständig, hat die Anregung dazu gegeben, sich mit dem zeichnerischen Werk Dietrichs eingehender zu beschäftigen.

Er hat die Skizzenbücher des Meistermalers fotografiert, die jetzt ein wichtiges Fundament der Ausstellungskonzeption ausmachen. Wie hervorragend Adolf Dietrich gezeichnet hat, beweisen schon seine Zeichnungen aus der Schulzeit. In allen Stadien seines Künstlerlebens war das Zeichnen für ihn eine repräsentative Ausdrucksmöglichkeit, aber auch immer eine Vorstufe, ein Skizzieren von etwas später in Farbe Festgehaltenem.

Gerade in der Gegenüberstellung von Zeichnung und Gemälde ein und desselben Sujets bietet die Ausstellung neue, spannende Sichtweisen auf den Prozess des Bildermachens und die Phasen der Umsetzung und der gestalterischen Entscheidungen. Der Schaffensprozess Adolf Dietrichs wird so überraschend neu nachvollziehbar. «Beim Zeichnen entwickelte der Künstler seine Gemälde bereits in ihrer Ganzheit», betont Markus Landert.

Gerade bei den heute so berühmten Landschaftsdarstellungen vom Untersee erscheint der Übergang von der Zeichnung, die oft auch schon die Farbwahl notiert, fast nur noch graduell. So, als habe der Künstler auf der Zeichnung ein fertiges Bild im Kopf, das er in Öl nur noch kolorieren musste. «Schöpfungen eines unerhört begabten, unverdorbenen und edlen Gemüts» nennt Adolf Dietrichs erster wichtiger Förderer, der deutsche Galerist Herbert Tannenbaum, seine Kunst. Tannenbaum war es auch, der dem Künstler vom Untersee vor allem in Deutschland die Türen öffnete und für eine Anerkennung sorgte, die bis heute anhält.

Eine moderne Art des Bildermachens

Adolf Dietrich darf als moderner Künstler gelten. Mit seinen zwischen Idylle und Irritation changierenden Bildkompositionen zeigt er auf den Bildern selbst, wie ein Bild entsteht, wie es funktioniert. Und hierin besteht ein wichtiger Aspekt des Ausstellungsschwerpunkts der Zeichnungen Dietrichs: Sie unterstreichen diese moderne Art des Bildermachens, dieses oft auch überraschende Zusammensetzen von Bildelementen, die Dietrichs Arbeiten weit über das hinausheben, was sonst in dieser Zeit üblich war.

Die These des Kunstmuseums Thurgau stimmt: Der Meistermaler war ein Meisterzeichner, mit dem Zeichenstift nicht weniger mutig und experimentell als mit dem Pinsel. Die Anziehungskraft der Bilder, auch vieler neu zu sehender, und ihre spezielle Unmittelbarkeit und Unverwechselbarkeit werden durch die Einblicke in Dietrichs Zeichenkunst nur noch verstärkt.

Bis 17.12., Kunstmuseum Thurgau, Warth (Begleitprogramm); kunstmuseum.ch

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