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Südpol Luzern: Achtmal ein Extrakt von Schweizer Tanz

Das erste «Kulturerbe, tanz!»-Festival, vom Bundesamt für Kultur prämiert, ging im Südpol über die Bühne. Drei Sprachregionen und fünf Kantone waren involviert. Acht Stücke zeigten enorme Vielfalt.
Edith Arnold
Das Stück «Alright Love» war auch in der verkürzten Fassung ein absolutes Highlight von «Kulturerbe, tanz!». (Bild: Ingo Höhn / PD, 15. Juni 2019)

Das Stück «Alright Love» war auch in der verkürzten Fassung ein absolutes Highlight von «Kulturerbe, tanz!». (Bild: Ingo Höhn / PD, 15. Juni 2019)

«Kulturerbe, tanz!» ist wörtlich zu verstehen. Und der Aufforderung zum Tanz folgen am Samstag zumindest alle Projekt-Beteiligten, was den Südpol ganz schön bevölkert. Nationale Familien- und Festivalstimmung liegt in der Luft. Italienische, schweizerdeutsche und französische Laute vermischen sich mit «Deep-House»-Klängen, die vom Club im Untergeschoss hochdringen.

Die Tür zur grossen Halle geht auf. Margrit Bischof und Thomas Péronnet, die Festivalleiter, erklären das Projekt zweisprachig. Acht Stücke werden gezeigt, die jüngere Schweizer Tanzgeschichte repräsentieren. Jede Choreografie kommt als fünfzehnminütiges Extrakt der Ursprungschoreografie daher. Das tänzerische Erbe soll möglichst viele erreichen. Deshalb haben professionelle Tanzschaffende mit nichtprofessionellen Gruppen die Werke einstudiert. 55 Performer zwischen 10 und 60 Jahren werden auftreten.

Story um angolanisches Flüchtlingsmädchen

Das Junge Ensemble Hermesdance aus Bern rekonstruiert «Cruda Bellezza» (2005) von Tiziana Arnaboldi aus Ascona. Die Geschichte dreht sich um ein angolanisches Flüchtlingsmädchen, unklischiert und hoffnungsvoll. Bei «Break’in Hearts» (2007) von der MIR Compagnie aus Basel geht die P.A. Dance Company aus Lugano zur Sache. Zunächst bilden die jungen Urban Dancer einen Herzmuskel. In roten Shirts zucken sie zu Herzschlägen. Dann begeben sie sich auf individuelle Bahnen, um bei Battle-artigen Szenen wieder aufeinanderzutreffen.

"Sismographes".

"Sismographes".

«Sismographes» von Félix Duméril, 2004 am Stadttheater Bern uraufgeführt, wird durch Artichoc und OMS aus Brig wiederbelebt. Es geht um Propaganda, Demonstrationen, «Masse und Macht» nach Elias Canetti, zum düsteren «Piano Concerto No. 2» von Dmitri Schostakowich: eine schöne Herausforderung für die Walliser Tänzerinnen. Sie meistern diese durch die rhythmische Inszenierung der Mäntel, die sie über der hautfarbenen Wäsche tragen. Mit dem Rücken zum Publikum bewegen sie den schweren Stoff ruckartig in Gegenrichtung zum Körper, wodurch imponierende Effekte entstehen.

«Schlafende Hunde wecken» die Mitglieder der Compagnie S aus Biel. Philipp Eglis Stück startet bieder, wird noch zahnloser. Dann zeigen die Tänzerinnen auf einmal Biss. Ihre Individualität erwacht. Es bellt und brüllt, es fetzen die Bewegungen.

"Four Twins".

"Four Twins".

Eine Qualität ist, dass alle Choreografien so unterschiedlich sind. Bei «Four Twins» (2001) von öfföff Productions/Jenni Arne hängt ein transparenter PVC-Tunnel von der hohen Südpol-Decke. Darin stecken vier atmende Performerinnen der CompagnieBE aus Bern. Eine nach der anderen löst sich aus der Starre und bewegt sich akrobatisch zur Öffnung am Boden hin. Der Spagat von der Skulptur zur getanzten Version des doppelten Lottchens ist nicht ganz nachvollziehbar. Doch die lebendige Skulptur bleibt in Erinnerung. Für die Aktion hat man den ursprünglichen Plastik hervorgeholt, sorgfältig wird dieser auf der Bühne wieder zusammengelegt.

Zweimal aufgeführt, aber noch nicht ganz vorbei

«Alright Love» ist, als hätten Corinne Rochet und Nicholas Pettit ihr 30-minütiges Glück-Stück nach Jahren einfach wieder an den Strom geschlossen. 2007 wurde es am Théâtre Sévelin 36 in Lausanne uraufgeführt. Drei Tänzer und zwei Tänzerinnen tragen dieselben Hosen und dünnen Rollkragenpullover. Ihre Körper wirken wie fremdgesteuert. Die mechanischen Bewegungen zum Industrial-Dance-Sound elektrisieren. Zwischendurch verlangsamen sich die Abläufe, das Lachen auf den Gesichtern dehnt sich ins Unendliche. Es ist ein Highlight.

Bei «Kulturerbe, tanz!» darf Brigitta Luisa Merki von Flamencos en Route nicht fehlen. Lautstark, eindringlich und hochpräzise trommeln Mujeres «El Canto Nómada» aus dem Jahr 1997 ins Hier uns Jetzt. Zwei Programmdurchläufe im Südpol und alles ist vorbei? Immerhin sind die adaptierten Stücke in den beteiligten Körpern gespeichert. Und auf www.kulturerbetanz.ch lässt sich alles im Original sehen. Das Festival 2020 ist dann in der Dampfzentrale Bern.

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