Acht Frauen, acht Verdächtige, eine Mörderin: Die freie Theatergruppe Scaena zeigt in St.Gallen rasante Krimi-Komödie

Die französische Kriminal-Komödie «Acht Frauen» erzählt von weiblichen Intrigen und Abgründen. Die freie St.Galler Gruppe Scaena-Theater spielt den fein ziselierten Krimi mit einem bunten Kaleidoskop aus falschen Fährten, Unterstellungen und Verdächtigungen.

Markus Wigert
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Wer hat den Hausherrn ermordet? Die freie Theatergruppe Scaena zeigt im Tröckneturm St.Gallen einen abgründigen Krimispass.

Wer hat den Hausherrn ermordet? Die freie Theatergruppe Scaena zeigt im Tröckneturm St.Gallen einen abgründigen Krimispass.

Bild: Werner Tobler

Das Zimmermädchen Louise meldet fassungslos den Tod des Hausherrn: «Ein Messer im Rücken und alles voll Blut!» Die Meldung schlägt ein wie eine Bombe und verwandelt das idyllisch arrangierte Familientreffen in Sekundenschnelle in ein hektisches Bienenhaus. Aufgeschreckt wirbeln die acht Frauen durcheinander.

Hektik bricht aus bei der Suche nach der Täterin. Catherine, die jüngste Tochter, übernimmt das Kommando, schliesst das Zimmer des Opfers ab und gibt den Tarif durch: «Niemand betritt das Zimmer!»

Was nun folgt, ist ein fein ziselierter Krimi mit einem bunten Kaleidoskop aus falschen Fährten, Unterstellungen, Verdächtigungen und fiesen Kommentaren. Dieses fast vergessene Bühnenstück des französischen Autors Robert Thomas (uraufgeführt 1961) wurde von François Ozon 2002 verfilmt mit prominenter Besetzung und an der Berlinale mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Die freie Theatergruppe Scaena bringt das Stück nun mit Schauspielerinnen und Laien im historischen Tröckneturm St.Gallen auf die Bühne.

Lügen, Intrigen, Indizien

Das Landhaus ist gemäss Skript hermetisch abgeriegelt. Niemand kommt hinein und niemand darf den abgelegenen Landsitz verlassen. Dass die Mörderin also noch im Haus weilt mitten unter ihnen, wird den acht Frauen zwischen 17 und 70 Jahren schlagartig bewusst. Immer darauf bedacht, den Verdacht auf ein anderes Mitglied der Hausgemeinschaft und von sich selber abzulenken. Eine wahre Meisterschaft wird dabei entwickelt an hinterhältigen Verhaltensmustern und Ablenkungsmanövern.

Alle sind darauf bedacht, den Verdacht auf ein anderes Mitglied der Hausgemeinschaft zu lenken.

Alle sind darauf bedacht, den Verdacht auf ein anderes Mitglied der Hausgemeinschaft zu lenken.

Bild: Werner Tobler

Mit kaltem Charme werden die raffiniertesten Strategien entwickelt in einem Mix aus Kriminal-Komödie und Psycho-Drama. Vergiftete Hunde, in Aussicht gestellte Erbschaften, getrennte Schlafzimmer der Hausherrin Gabrielle (Claudia Kesselring) und des Opfers Marcel, Seitensprünge und heimliche Liebschaften in unterschiedlichen Variationen sind die weiteren Ingredienzen des bitterbösen Stücks.

Umwerfend etwa, wie sich das Zimmermädchen Louise (Regina Leemann) als Geliebte Marcels entpuppt und Gabrielle als Liebhaberin des Geschäftspartners ihres verblichenen Ehemanns.

Alle acht Frauen mit beeindruckender Gesangseinlage

Mit dem unerwarteten Besuch der kühlen Pierrette (Monica Piga), der Schwester des Opfers, ändert sich die Stimmungslage: «Mein Bruder ist tot, und ich verdächtige euch alle!» Alle acht Frauen geben im Verlauf des bitterbösen und trotzdem unterhaltsamen Abends eine beeindruckende Gesangseinlage zum Besten. Unter der Regie von Bruno Broder und der musikalischen Leitung von Peter Stricker mutiert der Abend aber nicht zum Krimi-Musical.

Seitensprünge und heimliche Liebschaften: Autor Robert Thomas lässt in «Acht Frauen» nichts aus.

Seitensprünge und heimliche Liebschaften: Autor Robert Thomas lässt in «Acht Frauen» nichts aus.

Werner Tobler

Zur eigentlichen Strippenzieherin, welche alle Fäden in den Händen hält und zur Entwirrung der undurchsichtigen Inszenierung ansetzt, wird gegen Ende des Stücks das Küken Catherine (Melissa Schmid). Mit dem Scharfsinn eines Meisterdetektivs liefert sie eine umfassende Analyse ab, welche die mit allen erdenklichen Raffinessen agierenden Protagonistinnen (in weiteren Rollen: Seraina Stark, Ursula Z'graggen, Carina Hosch, Manuela Gerosa) in ungläubiges Erstaunen versetzt.

Die freie Gruppe Scaena-Theater spielt «Acht Frauen» noch bis 27.3.2020 im historischen Tröckneturm St.Gallen. 

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