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Acht Anläufe für den «easy Job»

Dealer im Altersheim oder Kellner in einer Fasnachtsbeiz: Richi Küttel und Patrick Benz lassen nichts unversucht auf der Suche nach dem «easy Job». Die beiden Künstler über ihr neues Programm.
Mirjam Bächtold
«Unsere Wege haben sich immer wieder gekreuzt» – Patrick Benz (mit Gitarre) und Richi Küttel. (Bild: Ralph Ribi (St. Gallen, 20. Oktober 2016))

«Unsere Wege haben sich immer wieder gekreuzt» – Patrick Benz (mit Gitarre) und Richi Küttel. (Bild: Ralph Ribi (St. Gallen, 20. Oktober 2016))

Es sei doch ein easy Job, ein «bisschen auf die Bühne zu stehen». So begrüsst Richi Küttel das Publikum in der «Militärkantine». Vor kurzem hat er mit Patrick Benz das erste gemeinsame Programm präsentiert. Dass es alles andere als leichte Arbeit ist, beweisen die beiden in der darauffolgenden Stunde. In acht Szenarien beschreibt Spoken-Word-Poet Richi Küttel seine erfolglosen Versuche, den «easy Job» zu finden. Musiker Patrick Benz findet dazu die richtigen Töne auf seiner Gitarre.

Küttel erzählt, wie er vom Mittagessen-Lieferant für die Spitex zum Dealer für weiche Drogen für pensionierte Altachtundsechziger wird. Oder wie er als Heizer in der Tierkadaververbrennungsstelle einen Fellhandel aufzieht. Auch als Kellner in einer dekorierten Fasnachtsbeiz und als Senn auf einer einsamen Alp versucht er sich. Natürlich gehen diese Arbeitseinsätze alle schief, und der Protagonist landet immer wieder bei der Stellenvermittlung.

Einige Geschichten selbst erlebt

Für die teils verrückten Ideen schöpft Küttel aus seinem Leben. «Ich habe wirklich schon auf einer Alp gearbeitet und war oft an der Rheintaler Fasnacht – jedoch nicht als Kellner», sagt Richi Küttel. In seiner Phantasie habe er die Erfahrungen weitergesponnen. «Ich bin alle Möglichkeiten durchgegangen, habe sie wie Fäden aus einem Wollknäuel gezupft und wenn ich den richtigen Strang erwischt hatte, rollte sich die Geschichte von selbst auf.»

Die Texte hatte Richi Küttel bereits früher für die St. Galler «Tatwort»-Bühne geschrieben. Doch für die Auftritte mit Patrick Benz hat er sie an die Musik angepasst. «Ich hörte die Texte in der Rohfassung und komponierte einen Musikvorschlag dazu», sagt Patrick Benz. Es sei eine Herausforderung gewesen, etwas zu komponieren, das zum Inhalt der Texte passte. «Ich wollte Melodien schreiben, die die Dramaturgie unterstützen und nicht einfach mit Tönen füllen.»

Um der Musik genügend Raum zu geben, hat Richi Küttel seine Texte stark gekürzt. «Zuerst reute es mich, dann erkannte ich, wie gut die Kürzungen für die Texte waren», sagt er. Er hat teilweise auch Stellen umgeschrieben, die Silben exakt auf den Rhythmus der Musik getextet. Gelungen ist den beiden eine Einheit aus Text und Musik, die sich ergänzt und zu etwas Neuem wird.

Freunde seit ihrer Jugend

Während eines Jahrs haben sie am Programm gearbeitet. Kennengelernt haben sie sich schon viel früher: als Jugendliche beim Schlitteln in Berneck. Richi Küttel machte damals eine KV-Lehre in einer Bank, Patrick Benz im Detailhandel. «Wir haben uns aus den Augen verloren, aber unsere Wege haben sich immer wieder gekreuzt», sagt Küttel. Bereits für das Literatur-Magazin «Nerv» haben sie zusammengearbeitet und für Küttels CD «Eidgenossä» hat Benz die Musik geschrieben und gespielt, jedoch nicht parallel zu den Texten.

Auf die Frage, welches der «easiest Job» war, den sie je hatten, zitiert Patrick Benz einen von Richi Küttels Texten: «Weisch, än easy Job isch Isteligssach.» Beide können aber sagen, dass ihnen ihr aktueller Beruf am besten gefällt. Richi Küttel ist nebst seinen Auftritten als Spoken-Word-Poet freischaffender Kulturvermittler. Patrick Benz ist Steinbildhauer, arbeitet aber auch als Kunsttherapeut und Musiker. «Bei allen Berufen kann ich meine Kreativität einfliessen lassen. Es gefällt mir, etwas zu erschaffen», sagt er. Und welches war der bisher schlimmste Job? Da müssen beide lange überlegen. Dann erinnern sie sich an einen gemeinsamen Auftritt, bei einem Apéro. «Die Gäste haben miteinander geredet, niemand hat uns zugehört», sagt Richi Küttel. Ganz anders bei ihrem Auftritt in der «Militärkantine». Das Publikum war begeistert und verlangte mit grossem Applaus nach einer Zugabe.

Nächste Auftritte in der Ostschweiz: Fr, 28.10., 20.15 Uhr, Bühne Marbach; Sa, 29.10., 20 Uhr, Bären Hundwil

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