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ACADEMY AWARDS: Wenig Spektakel – viel Herz

Viele Frauen haben die Oscars vergeben. Im Mittelpunkt der 90. Ausgabe stand die ­ Frage der Gleichberechtigung, der auf subtile Art Rechnung getragen wurde.
Regina Grüter
Von links: Greta Gerwig ging zwar leer aus, doch schien sie nicht im Mindesten betrübt darüber. Zusammen mit Guillermo del Toro und Jordan Peele steht sie für die Oscars 2018. (Bild: Richard Shotwell/AP, Chris Pizzello/AP)

Von links: Greta Gerwig ging zwar leer aus, doch schien sie nicht im Mindesten betrübt darüber. Zusammen mit Guillermo del Toro und Jordan Peele steht sie für die Oscars 2018. (Bild: Richard Shotwell/AP, Chris Pizzello/AP)

Regina Grüter

Die Prognosen sind zu hundert Prozent eingetroffen. Überraschungen gab es dieses Jahr keine. Die 90. Verleihung der Oscars geht also als eine der langweiligsten und enttäuschendsten in die Geschichte ein? Mitnichten! Der Grund dafür ist so einfach wie plakativ: Sie haben es alle verdient, die Oscar-Preisträger 2018, und die Trophäen wurden ­erstaunlich demokratisch verteilt.

Als Sieger geht dennoch Guillermo del Toro hervor, der mit ­seinem Fantasy-Märchen «The Shape Of Water» in vier Kategorien gewann, darunter «Bester Film» und «Beste Regie». Bei allen 13 Nominierungen von «The Shape Of Water» wurde heftig geklatscht und gejohlt. Noch mehr, als er dann als bester Regisseur auf die Bühne tritt und den Tränen nahe seine Geschichte vom kleinen mexikanischen Jungen erzählt, der Monster-B-Movies genauso liebte wie «E. T.» oder das europäische Autorenkino. Und vom Unsinn dieser Mauer, die der amerikanische Präsident errichten will. Auch die Regisseurin Greta Gerwig scheint sehr beliebt zu sein unter den Kolleginnen und Kollegen. Ihr Film «Lady Bird» über eine Mutter-Tochter-Beziehung ging, bei fünf Nominierungen, leer aus. Gewonnen hat sie trotzdem: alle Sympathien. Auf dem roten Teppich hält sie alle dazu an, nett(er) zur Mutter zu sein. Und sie verhilft der Show zu einem der schönsten Momente, als ihre Lippen die Worte «I love you» formen, während Guillermo del Toro den Oscar entgegennimmt. Gerwig steht für eine neue Generation von Filmemacherinnen. Als Darstellerin hat sie sich in Mumblecore-Filmen, «Frances Ha» etwa, in die Herzen der Zuschauer gespielt. Immer mit dem Ziel einst selbst Regie zu führen. Mit ihrer bescheidenen und witzigen Art und ihrer intelligenten und empathischen Arbeit macht sie jungen Frauen im Filmbusiness Mut.

Es sind Leute wie del Toro, Gerwig und Jordan Peele, die Hollywood – und damit ist nicht die Industrie gemeint – weiterbringen. Mit ihren eigenständigen Sichten, ihrer Leidenschaft fürs und vor allem ihrer Liebe zum Kino. Im besten Fall reissen Filme Grenzen ein, wie Peeles Horrorsatire «Get Out», der wie kein anderer im Wettbewerb die Gedanken anregte. Er ist der Wunschsieger in der Kategorie «Bestes Originaldrehbuch».

Moderator Jimmy Kimmel führte sec durch die Show mit Rückblicken auf die 89-jährige Oscar-Geschichte. Eine Videoeinspielung zur «Time’s Up»-Bewegung und die beste Hauptdarstellerin Frances McDormand, die alle nominierten Frauen bat, aufzustehen (dass es so wenige Frauen waren, hat sie wohl selbst überrascht), hellten die Show auf. Auch Gary Oldman hat endlich ­einen Oscar und will ihn zum nächsten Teebesuch bei der Mutter mitbringen. Dass den Müttern gedankt wird, ist schon fast Usus, zeigt aber doch, dass die Bedeutung der Mütter für die Gesellschaft nie als selbstverständlich hingenommen werden sollte.

Alle Oscar-Beteiligten stellten sich ohne Spektakel, aber mit Herz hinter die eine Sache: Gleichberechtigung. Eine weltweit noch lange nicht eingelöste Forderung. Die Welt schaut zu bei den Oscars. Und sie hört zu. Diese Chance, von möglichst vielen gehört zu werden, hat die 90. Oscar-Verleihung auf besonnene und doch eindringliche Art wahrgenommen.

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