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Abtauchen in die Gelassenheit

Cláudia Varejão begleitet drei japanische Apnoetaucherinnen. Der wunderbar poetische Dokumentarfilm «Ama-San» geizt leider mit Informationen.
Walter Gasperi
Eine der «Ama-San», der japanischen Frauen des Meeres. (Bild: pd)

Eine der «Ama-San», der japanischen Frauen des Meeres. (Bild: pd)

Aus dem Off spricht eine Frauenstimme über die mythische Entstehung des Meeres aus den Tränen der Götter und die so andere, lautlose Welt unter Wasser. Rund 15 Minuten wird es dauern, bis Cláudia Varejão mit drei sogenannten Ama-San in diese andere Welt abtaucht, die Stille erfahrbar macht und poetische Bilder vom Tauchen und der Suche nach Muscheln und Schnecken auf die Leinwand zaubert. Japanisch «ama-san» bedeutet «Frauen des Meeres».

Lapidare Alltagsschilderung

Mehr Raum als das Tauchen nimmt in diesem Dokumentarfilm, in dem sich die Regisseurin völlig zurückhält und sich ganz auf die Rolle der geduldigen Beobachterin beschränkt, aber der Alltag der zwischen 40 und 85 Jahre alten Taucherinnen ein. Der Bogen spannt sich vom Frühstück mit den Enkeln über die Fahrt der Mutter mit den Kindern zur Schule bis zum Besuch einer Karaoke-Bar, in der wehmütige Seemanns- und Liebeslieder gesungen werden.

Die Kamera ist genauso dabei, wenn die Damen ihre Neoprenanzüge an- oder ausziehen, wie wenn sie die Meeresfrüchte sortieren und abwägen. Der Film mit seinem ruhigen Erzählrhythmus lässt uns eintauchen in eine Welt der Gelassenheit, fern von Stress und Hektik. Man spürt das Nahverhältnis und die Vertrautheit zwischen Regisseurin und Protagonistinnen in der Natürlichkeit der Szenen. Doch so sehr man die beschauliche, undramatische Erzählweise und den Verzicht auf Sprecher begrüssen mag, so frustriert der Verzicht auf Informationen auch.

Informationsdefizit

Nichts erfährt man beispielsweise über Herkunft oder Funktion des weissen Kopftuchs, das sich die Taucherinnen umbinden; beiläufig wird nur erwähnt, dass die Ausbeute der Tauchgänge in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist. Und erst kurz vor Ende des Films bietet eine Totale wenigstens einen Überblick über die Landschaft, in der sich das Geschehen abspielt. Während das Presseheft ausführlich über die 2000jährige Geschichte dieses Berufs informiert und den Umstand, dass die Frauen sich damit schon früh eine für das patriarchale und konservative Japan einzigartige Unabhängigkeit verschaffen konnten, erfährt man im Film nichts über diese Zusammenhänge.

Mag sein, dass Varejão bewusst auf alle Informationen verzichtete, um einen der Welt enthobenen, geradezu paradiesisch-utopischen Ort zu präsentieren, doch zu fern bleibt so auch diese Welt – speziell einem westlichen Publikum.

Kinok St. Gallen: Bis 30.6., weitere Kinos dürften folgen.

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