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Am Retro-Festival kann man
Abtanzen wie anno dazumal

Das Retro-Festival geht bereits in die 7. Runde. Zur Eröffnung gibt es im Luzerner Schweizerhof nostalgischen Discosound im Multipack mit Musikern des Electric Light Orchestras.
Roman Kühne
The Orchestra bewies am Retro-Festival durchaus auch Sprungkraft. (Bild: PD/Marc Gilgen (Luzern, 13. März 2019))

The Orchestra bewies am Retro-Festival durchaus auch Sprungkraft. (Bild: PD/Marc Gilgen (Luzern, 13. März 2019))

Die Musikwelt ist ein gnadenloses Business. Der eine spielt im ausverkauften Wembley-Stadion, in der Olympiahalle in München oder in der SAP-Arena in Stuttgart. Die anderen schaffen es nicht ganz, den Saal des Hotels Schweizerhof in Luzern zu füllen. Die Rede ist von Jeff Lynne und dem Electric Light Orchestra, respektive seinem Nachfolgefunken The Orchestra.

Als die Kugel sich noch im gleichen Boot drehte, war das Electric Light Orchestra eine innovative Grösse des weltweiten Showbusiness. Mit Alben wie «Discovery» oder «Xanadu» belegten sie vorderste Plätze in der globalen Hitparade. Doch Genies sind seltene Pflanzen und kurzlebige dazu. Irgendwann wollte der Leadsänger und Komponist Jeff Lynne nicht mehr. Das wundersame Popgebilde erstarrte und zerfiel. Für Jahre standen die Anwälte statt Kunst im Vordergrund. Heute ist, zumindest rechtlich, alles geklärt. Die Webseite von The Orchestra lässt keine Missverständnisse zu: «The Orches­tra ist nicht ELO und nicht verbunden mit Jeff Lynne.» Nur, die Songs sind die gleichen geblieben – die meisten komponiert von Lynne.

Feiern und Abtanzen

Doch von Frust oder gar Bitterkeit ist nichts zu spüren. Die Musiker um die beiden ehemaligen ELO-Grössen Mik Kaminski an der Violine und vor allem Louis Clark an den Keyboards sprühen an diesem Mittwochabend vor Energie und Spiellust. Was damals neu und aufregend war, verfehlt auch heute nicht seinen Effekt. Sicher, die Leute sind nicht gekommen, um grosse Innovationen zu hören. Und diese gibt es auch nicht. Am Eröffnungskonzert des 7. Retro-Festivals im Schweizerhof geht es vor allem darum, in Nostalgien und Erinnerung zu schwelgen. Und diese liefert die Band gleich im Multipack. Der Abend beginnt mit «Evil Woman», dem ersten grossen Hit der Band, der es weltweit in die Top Ten schaffte.

Es geht weiter mit «Rock ’n’ Roll is King». Ein Song, der in der Schweiz auf dem zweiten Platz landete. Der Sound ist gradlinig und satt. Auf modernere Elemente oder längere Solos wird – im Gegensatz zum aktuellen ELO – weitgehend verzichtet. Direkt und simpel werden die alten Hits gespielt. Musik zum Feiern und Abtanzen. Gesanglich ist die Band praktisch über die vollen zwei Stunden auf der Höhe. Die Intonation, beim grosszügigen Einsatz von Kopfstimmen besonders heikel, ist trotz jahrzehntelanger Höchstlautstärke intakt. Vor allem der Keyboarder Eric Troyer gibt der Ballade «Strange Magic» oder dem, in der Schweiz komponierten «Mr. Blue Sky» mit seinem Gesang eine spezielle Note.

Ein stampfendes Fest

Einzig die Abmischung lässt teilweise etwas zu wünschen übrig. Vor allem im Mittelteil des Konzertes klingt der Sound zu fett, sind Struktur oder gar Details in «Confusion» oder «Twilight» wenig transparent. Doch was die Halle akustisch an Schwierigkeiten bereitet, macht sie dafür mit Stimmung wett. Im Gegensatz zum Luzerner Saal, wo in der Eingangshalle oft ein Teil der Atmosphäre leider wirkungslos verpufft, sorgt der Schweizerhof mit seiner Kompaktheit von Bühne und Publikum für ein stampfendes Fest.

Spätestens ab dem, vor allem auch in der Schweiz erfolgreichen «Xanadu», tanzt und wogt das Publikum wie in alten Zeiten. Das Licht der grossen Retroscheinwerfer, die auf- und abeilenden Funkengirlanden und die knalligen Farben der 70er-Jahre tragen das Ihre dazu bei, dass die Zeit stehen bleibt. «Do Ya» und vor allem der Welterfolg «Don’t Bring Me Down», wo der Saal aus voller Kehle mitsingt, sorgen für den finalen Schluss- und Höhepunkt. Für das Hotel Schweizerhof scheint auch die 7. Ausgabe des Festivals ein Erfolg zu werden. Das Konzert von Chris de Burgh von heute Abend ist bereits vollständig ausverkauft.

Und auch bei den Musikern scheint die Lust, auch im hohen Alter noch auf Tour zu sein, ungebrochen. Oder wie es der bald 70-jährige Violinist Mik Kaminsky in einem Interview sagte: «Nicht eine schlechte Art, um sein Leben zu verbringen.»

Das Retro-Festival endet am Freitag mit einem Konzert von Chris de Burgh (ausverkauft).

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