Absurditäten des Alltags

Das Trio Heinz de Specht präsentiert sein drittes Programm «Schön» als Live-Mitschnitt. Eine schräg-schöne CD.

Andreas Stock
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Heinz de Specht bei ihrem Kellerbühnen-Auftritt diesen Februar. (Bild: Urs Bucher)

Heinz de Specht bei ihrem Kellerbühnen-Auftritt diesen Februar. (Bild: Urs Bucher)

«Schön» heisst sie bescheiden, die neue CD von Heinz de Specht, die sie im Theater Hechtplatz Zürich und in der Kellerbühne St. Gallen aufgenommen haben. Und der Silberling ist mit Booklet auch schön gestaltet. Gleich am Anfang ihres dritten Bühnenprogramms und des ersten Stücks der neuen CD gesteht dann das Trio: «Nomal s'Gliich». Nochmals dasselbe gibt es also zu hören. Zwar hätte einer der drei diesmal lieber ein Konzeptalbum geschrieben und der andere die Band «personell revolutioniert». Aber weil das alles nicht aufging und jeder einen sicheren Broterwerb vorzieht, erfinde man sich eben nicht neu.

Zwischen den Stühlen

Die Selbstironie zum Auftakt ist typisch für Heinz de Specht, die den Witz mit spitzer Wortklinge zu setzen wissen. Was nun «s'Glich» ist, das lässt sich auf ihrem dritten Album ebenso schwer beschreiben wie zuvor. Wie die Band Stahlberger versteht es das st. gallisch-zürcherische Trio aus der satirischen Liedtradition Mani Matters und der stilistischen Palette eines Songwriter-Pops eine eigene Kategorie zu kreieren, die zwischen Bezeichnungen wie Musikkabarett oder Liedermacher fällt. Allerdings gedeihen beide Bands auf diesem nicht genau zu umschreibenden Feld prächtig.

Musikalisch breites Repertoire

Die hervorragenden Multiinstrumentalisten Roman Riklin, Daniel Schaub und Christian Weiss nutzen ihr breites musikalisches Repertoire sehr geschickt, um den Absurditäten, Irrungen und Rätseln des Alltags, die sie hintersinnig besingen, unterschiedliche stilistische Färbungen zu verleihen. Da «chlönt» ein Klon über sein Dasein als Ersatzteillager («Klon»), wird eine liebevolle Hymne auf die typische schweizerische Beiz besungen, in der auf keinem Tisch eine Gewürzmenage fehlt («Aromat»).

Und in «Sihlsee» lassen sie mit Sarkasmus und viel Blues die ganze Stadt Zürich in den Fluten versinken. Nach 23 Liednummern folgt dann mit «Verbi» ein melancholisch-zärtlicher Schlusspunkt. Und das ist dann einfach nur – ja, eben: schön.

Live-CD «Schön», Fr. 27.–, erhältlich im Handel oder bei www.bretterwelt.ch. Heinz de Specht live: 26.8.: Clanx Festival, Appenzell; 27.10.: Alte Turnhalle Engelburg; 28.–30.11.: Kellerbühne St. Gallen