Abschluss mit Brahms und Schubert

BREGENZ. Bevor am Sonntagabend auf der Bregenzer Seebühne zum letztenmal in diesem Sommer «Turandot» gespielt wird, geben um 11 Uhr drinnen im Festspielhaus die Wiener Symphoniker unter Leitung ihres Schweizer Chefdirigenten Philippe Jordan ihr drittes Orchesterkonzert.

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BREGENZ. Bevor am Sonntagabend auf der Bregenzer Seebühne zum letztenmal in diesem Sommer «Turandot» gespielt wird, geben um 11 Uhr drinnen im Festspielhaus die Wiener Symphoniker unter Leitung ihres Schweizer Chefdirigenten Philippe Jordan ihr drittes Orchesterkonzert. Den Anfang machen die 1943 in Winterthur uraufgeführten Variationen für Orchester op. 30 von Anton Webern – ein kurzes, ungemein durchsichtig instrumentiertes Stück in der Zwölftontechnik, das ein ganz kurzes Motiv sechsmal variiert.

Brahms, scheinbar mühelos

Dann betritt mit dem dänisch-israelischen Geiger Nikolaj Znaider der gefeierte Solist des Mittags die Bühne, um das Violinkonzert D-Dur op. 77 von Johannes Brahms zu interpretieren. Wunderbar sonor schwingt sich der farbenreiche Klang von Znaiders «Guarneri del Gesù» in die Lüfte, und was noch Jahrzehnte nach der Uraufführung 1879 Schwerstarbeit für die Interpreten bedeutet hat, das wirkt unter Znaiders Händen oft federleicht und ganz schlicht. Fein differenziert kommt der Violinpart daher, mit kräftigen Einschüben, die Znaider aber wieder abdämpft, und mit einer ungewöhnlich virtuosen Kadenz im ersten Satz. Fein differenziert begleiten ihn die von Philippe Jordan mit einer reichen Palette an Gesten und ohne Partitur dirigierten Wiener Symphoniker. Innig und strahlend entfaltet sich so der zweite Satz, das Adagio, bevor im Allegro giocoso des Finales die Spielfreude von allen Besitz ergreift.

Schubert für unsere Zeit

Derart animiert, geht es nach der Pause weiter mit Franz Schuberts Sinfonie Nr. 8 C-Dur, deren ganzer innerer – und vor allem auch rhythmischer – Reichtum sich Satz für Satz entfaltet. Über einem Teppich seidig-weichen Streicherklangs setzen Holz- und Blechbläser ihre Akzente, bis das federnd leichte Finale in heftigen Applaus mündet – sehr zu Recht. Denn so klingt ein Schubert für unsere Zeit. Rolf App

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