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Abschied einer Kultband:
Der Specht mag nicht mehr singen

Die Band Heinz de Specht hat beschlossen, aufzuhören. Doch der Abgang soll nicht leise vor sich gehen, sondern laut in die Schweiz gehämmert werden. Neun Konzerte gibt der Specht in der Kellerbühne St. Gallen – alle sind ausverkauft.
Michael Hug
Das letzte Lied von Heinz de Specht: Roman Riklin, Christian Weiss und Daniel Schaub. (Bild: Michael Hug)

Das letzte Lied von Heinz de Specht: Roman Riklin, Christian Weiss und Daniel Schaub. (Bild: Michael Hug)

Das Klavier hat Burn-out. Es wird deshalb günstig abgegeben, zusammen mit allem anderen, was sich bei Heinz de Specht in 14 Jahren angesammelt hat: Gitarrenständer, Bandbus, Manager samt Vorlagen für Knebelverträge. Ausverkauf bei Heinz de Specht, alles muss weg. In fünf Monaten hört der Specht auf. Ausgerechnet jetzt, wo die Band Laufbahnhöhepunkt und maximale nationale Bekanntheit erreicht hat.

Jetzt ist Schluss, aber vor dem Abgesang haut Heinz de Specht noch einen drauf. Die Band gibt 60 Konzerte im deutschsprachigen Land, neun davon in der St. Galler Kellerbühne, drei sind bereits vorbei, und die restlichen sechs sind restlos ausgebucht.

Man sei ein bisschen amtsmüde

Es ist das Klavier, das nicht mehr mag. Es durfte darum nicht mehr mit auf die Abschiedstour. Eine Epode hat es dennoch verdient, deswegen singt der Specht: «Mis Klavier hätt es Burn-out.» Es steht metasymbolisch für das, was gerade geschieht: dass die Band nach vierzehn Jahren genug hat vom gemeinsamen Musikmachen und Liedervortragen. Nicht viele Bands hierzulande halten oder hielten es so lange miteinander aus, ohne Streit, ohne böses Blut und ohne abrupte Auflösung per Medienmitteilung.

Amtsmüde sei man ein bisschen, sagten die Spechte in einem Interview. Nicht Perspektivlosigkeit führte zum Abbruch, per­spektivische Differenzen seien der Grund der Auflösung, hört man aus dem Management.

Aber vorher legen Christian Weiss, Roman Riklin und Daniel Schaub noch gehörig einen drauf. Lassen ihren Ärger über die stete Nachfrage nach dem Bandnamen ungeschminkt raus. Sortieren Schlagzeilen über ihre Auftritte in fünf Archetypen ihrer Urheber, darunter Leute vom Fach und Banausen oder die, die es gut meinten mit dem Specht, und die, die ihn «arrogant» oder banal «deftig» adjektivierten. Eine Abrechnung? Nein, viel eher ein Fanal, Finger drauf und aufrütteln mit den Mitteln der Satire: «Fride isch kai Lösig und wert masslos überschätzt – nur Gwalt und Hass bringt eus voraa!» Unterlegt mit einer lüpfigen Melodie und einem Lächeln.

Es war nicht immer lustig im ersten Teil des «Tribute to Heinz de Specht» titulierten Abschiedskonzerts. Doch die Spechte –«keiner vo ois heisst Heinz!» – wissen, dass man eine treue Anhängerschaft nicht mit einem im Hals stecken gebliebenen Lachen verabschiedet. Aber: «Wenn Gott hett wöle, das i so öppis sing, denn hetter das Theater vor de Vorschtellig zerstört.» Oder er hätte ihm, Specht Christian Weiss, nicht einen Kopf mit solchen Gedanken darin gegeben. Dies ist die Legitimation für den Specht, zu sagen, was zu sagen oder zu singen sich aufdrängt. Mit bösen Dämonen, hier werden O-Töne von bekannten rechten Politikagitatoren eingespielt, wird das Publikum in die Pause geschickt.

Lustig im tiefen Keller

Nach der Pause wird es wieder lustig. Das Publikum singt die Hymne «Sanggalle» mit einer Verve mit, die Hauptstädter gewöhnlich vermissen lassen. Heinz de Specht: «In Sanggalle sind alli am Strahle und kain Mensch macht e truurigs Gsicht, und d’Manne gsesch det nur in Schale und Fraue händ all s’Ideal­gwicht.» Da kommt Freude auf, und fast geht vergessen, dass dies das letzte Konzert hier in St. Gallen ist, der Heimatstadt von Specht Roman Riklin. Doch dann kommt es, das letzte Lied: «I wör gern nochli länger bliibe, doch das isch glaub mis allerletschti Lied.»

«Tribute to Heinz de Specht Abschiedstour», Daten unter heinzdespecht.ch; Derniere am 2.6.2019 in Winterthur

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