Abgemurkst lebt's sich am besten

Noch heute abend und morgen ist in der St. Galler Kellerbühne das Gastspiel «Blaubart kauft Gift oder Eine Anleitung zur perfekten Ehe» zu sehen. Eine heiter-skurrile Persiflage der mannigfach adaptierten Gruselgeschichte um den notorischen Frauenmörder.

Brigitte Schmid-Gugler
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Polina Lubchanskaya, Annette Wunsch und Alexandre Pelichet. (Bild: David Suter)

Polina Lubchanskaya, Annette Wunsch und Alexandre Pelichet. (Bild: David Suter)

ST. GALLEN. Uraufgeführt hatte die Truppe ihre neuste Produktion im Sogar Theater. Das Zürcher Kleintheater an der Josefstrasse direkt hinter dem Bahnhof hatte das Stück koproduziert. Ménage à troi, wie sich die Truppe nennt, das sind drei in der St. Galler Theaterszene Wohlbekannte: Die für die Textfassung verantwortlich zeichnende Annette Wunsch spielt zusammen mit Alexandre Pelichet unter der musikalischen Leitung und Begleitung von Polina Lubchanskaya. Alle drei gehörten zum Ensemble des Theaters St. Gallen und sind heute freiberuflich tätig.

Erlesene Texte und Balladen

Auf der Einladungskarte posiert Raoul Blaubart – diese Version stammt von Anton Tschechow – zwischen Grabmälern. In den Armen hält er seine tote Braut. Auf der Bühne nun hellen zwei Reihen Barbiepuppen in unterschiedlichsten Outfits die düstere Prognose auf. Wie die zehn kleinen Negerlein sitzen sie in Reih' und Glied an der Rampe, an deren äusserster Ecke die Schauspielerin Annette Wunsch den Abschluss macht. Ihre Angelrute haltend, wartet sie auf jenen Mann, der ihr leidenschaftlich seine Liebe gesteht. Auf der Bühne jault Blaubarts «Hund», denn Herrchen lässt wieder mal auf sich warten. Die russische Pianistin Polina Lubchanskaya trägt Pelz mit Kappe, sie spielt Rachmaninow und Chatschaturjan an, singt und begleitet die Darsteller bei ihren Jacques-Offenbach-Balladen aus der komischen Oper «Barbe-Bleue» so frisch und herzerwärmend, dass man dem Hündchen am liebsten eine Schale Wasser und ein paar Cookies spenden würde.

Blaubart tritt durch den Zuschauerraum auf seine Braut zu, und das Spiel des Bösen beginnt. Er gibt sich charmant und umwerfend galant, umgarnt dieses und auch alle seine weiteren Opfer wie eine Giftspinne. Gift, das ist das Mittel, mit dem er die ihm lästig Gewordenen ins Jenseits befördern wird. Annette Wunsch, die alle diese Frauen spielt, verwandelt ihr Äusseres mit winzigen Details wie Hut, Jäckchen oder Schärpe und ist doch in der 70minütigen Collage immer wieder eine ganz andere. Valerie in grüner Schürze liest ihrem blaubärtigen Mördergatten jeden Wunsch von den Augen ab. So lange, bis der sie als lästige Fliege bezeichnet und in der Gestalt einer Barbiepuppe in die weisse Holztruhe katapultiert.

Am Leben gescheitert

Gesellschaft wird sie bald von der sadistischen Tänzerin, der schrillen Sängerin – eine hinreissende Nummer – , der unbegabten Schriftstellerin und endlich auch noch von der in die Kiste verbannten Schauspielerin erhalten. Ende. Schluss. Alles Klopfen umsonst.

Blaubart, der Gequälte, Zerknitterte, ist durch alle Szenen Max Frischs «Blaubart» Felix Schaad am verwandtesten. Ein Mann, der in der Erzählung zwar keine Leichen im Keller versteckt, aber doch scheitert an seiner Unfähigkeit, das Leben und seine Beziehungen in den Griff zu bekommen. Doch tragisch wirds an diesem Abend nicht, das Trio sorgt für Amüsement und viele Lacher.

Heute Fr und morgen Sa, Kellerbühne, St. Gallen, je 20 Uhr

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