Abgebrühte Turiner Polizistin

Am TV

Martin Weber
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Erstklassige Fernsehserien aus Italien sind schwer im Kommen: «Gomorrha» gilt als beste Mafia-Serie seit langem, und die komplexe Politsaga «1992» kann sich nach Meinung mancher Kritiker mit «House of Cards» messen. Mit den genannten Serien aus Italien kann «Die Toten von Turin» zwar nicht ganz mithalten. Doch auch diese Produktion überzeugt mit Spannung, Atmosphäre und starken Schauspielern, allen voran Miriam Leone, die sich als abgebrühte Turiner Ermittlerin ­Valeria Ferro mit rätselhaften Verbrechen herumschlagen muss. Die bisweilen ziemlich düstere Serie des jungen italienischen Regisseurs Giuseppe Gagliardi, der mit «1992» sein Können unter Beweis gestellt hat, läuft in Doppelfolgen auf Arte.

Hauptdarstellerin war mal «Miss Italia»

Ferro wirkt mit ihrem blassen Teint und den ausdrucksvollen Augen wie eine melancholisch-verlorene Gestalt aus einem alten Gemälde, hat es aber faustdick hinter den Ohren. Der Ober­inspektorin entgeht nichts, Verdächtige werden von ihr im Verhör hart rangenommen und ­nervende Kollegen kann sie bis­weilen brüsk abfertigen. Ihr erster Fall führt sie in den überfluteten Keller einer verfallenen Industrieanlage, wo die Leiche der 15-jährigen Sara gefunden wurde. Das schmutzige Wasser, so kombiniert Ferro nach ausgiebiger Besichtigung des Geländes, ist erst seit Kurzem im Keller. Der Mörder wollte die Leiche also nicht im trüben Wasser verbergen.

Schritt für Schritt kommt ­Valeria Ferro in dem mit dunkel-poetischen Turin-Bildern versehenen Krimi der überraschenden Wahrheit auf die Spur und lässt sich auch von ihrem eher komplizierten Privatleben nicht ablenken. Die 32-jährige Sizilianerin Miriam Leone machte als Schönheitskönigin Schlagzeilen, bevor sie Schauspielerin wurde; 2008 gewann sie den Titel der «Miss Italia». Regisseur Gagliardi kennt sie von seiner Arbeit für die Serie «1992», in der Miriam Leone eine tragende Rolle spielt.

Martin Weber

Die Toten von Turin, Donnerstag, 11.5., 20.15 Uhr, Arte