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«Aber ich hatte halt diesen Virus»

Am 23. März feiert der bekannte Bandleader Pepe Lienhard seinen 70. Geburtstag, im April geht er mit seiner Big Band auf Tournée. Noch immer freut er sich auf jedes Konzert, noch immer ist Lienhard voller Energie. Ein Besuch in Frauenfeld, wo er seit einigen Jahren wohnt.
Rolf App
Pepe Lienhard: «Ich wollte die Menschen immer unterhalten mit schöner Musik.» (Bild: Reto Martin)

Pepe Lienhard: «Ich wollte die Menschen immer unterhalten mit schöner Musik.» (Bild: Reto Martin)

Ein ruhiges Quartier in der Nähe des Bahnhofs. Das alte Bauernhaus ragt ein wenig aufs Trottoir hinaus, Pepe Lienhard öffnet die Tür und lässt den Hund hinaus, ein freundliches, aber lebhaftes Tier. Lange hat er mit seiner Frau Christine etwas Eigenes gesucht, im Internet sind sie hier im Thurgau fündig geworden. «Wir haben gleich gespürt, das ist es», erzählt er. «Und die Vorbesitzerin hat sehr viel Wert darauf gelegt, dass ihr Haus in gute Hände kommt. Weil ihr verstorbener Mann das schon vom Verfall bedrohte Gebäude mit viel Herzblut renoviert und ausgebaut hat.»

Wir betreten das ehemalige Tenn und schauen hoch. Zuoberst hat Pepe Lienhards Frau ihr Büro, im Stock darunter steht sein Flügel. In Sichtweite hängt ein Bild von Udo Jürgens – und der Gong, den er Pepe Lienhard am Ende ihrer letzten Tournée geschenkt hat. Zu Udo Jürgens, den er seit 1977 als Bandleader begleitet hat, kehrt unser Gespräch immer wieder zurück. Zu seinem Tod, der überraschend kam, dem Pepe Lienhard aber auch Tröstliches abgewinnt, wenn er sagt: «Udo hätte es sich nicht vorstellen können, als Greis dahinzusiechen wie ein Peter Alexander. Aufrecht diese Welt zu verlassen, das ist ein Traum für einen Showman.»

Die Töchter und der Ruhm

Wir sprechen über die beiden heute 25- und 27jährigen Töchter aus Pepe Lienhards erster Ehe. Sie sind, als sie klein waren, oft bei ihm gewesen, jetzt haben sie ihren Weg gefunden und arbeiten beide in der Werbebranche. Und Pepe Lienhard ist ein glücklicher Vater, der gern von ihnen erzählt. Überhaupt verläuft ein Gespräch mit ihm kurzweilig. Denn Pepe Lienhard ist ein freundlicher, lebhafter, unterhaltsamer Mensch.

Und in keinster Weise eingebildet. Auf die Frage, warum er denn mitten im Starrummel über die Jahrzehnte so normal geblieben sei, sagt er nur: «Alles andere wäre mir viel zu anstrengend gewesen.» Die ganz Grossen wie Frank Sinatra oder Sammy Davis seien privat sehr bodenständig gewesen. «Aber weil es um so viel Geld geht, haben Stars oft eine riesige Entourage, die das eigentliche Problem darstellt.»

Die Eltern nannten ihn Pepi

Pepe Lienhard liebt Tiere, vor allem Vögel. «Das rührt aus meiner Kindheit», sagt er, «schon mein Vater hielt Hühner und Enten.» In Lenzburg wird er am 23. März 1946 geboren, hier wächst er auf. Hier wird aus dem Peter Rudolf Lienhard der Pepi. «Meine Eltern nannten mich so. Als dann ein Film in die Kinos kam, dessen Hauptdarsteller Pepe hiess, habe ich diese Variante gewählt. Ich hatte da mit etwa fünfzehn Jahren schon eine Band.» Musikalisch also hat er sich früh auf den Weg gemacht.

Obwohl man seine Familie nicht als besonders musikalisch bezeichnen kann. «Mein Vater hatte ein paar Platten mit Operetten, der ältere Bruder spielte Posaune im Lehrlingsorchester von Brown Boveri. Mehr war da nicht», sagt Pepe Lienhard. «Aber ich hatte halt diesen Virus.»

Im Kolonialwarenladen der Mutter

Die Eltern sind beide berufstätig, der Vater als Bahnbeamter, die Mutter mit ihrem Kolonialwarengeschäft. Pepe muss tüchtig zupacken im Kolonialwarengeschäft der Mutter. «Ich habe in grosse Schubladen Lebensmittel nachgefüllt, bin Eier und Käse holen gegangen», sagt er. «Es war ein anderes Tempo. Meine Mutter hat viel mit den jungen Frauen geredet und ihre Kinder abgeküsst.» Und: Die Eltern hätten ihre Kinder stark unterstützt und ihm Instrumente gekauft. Im Rückblick sagt Pepe Lienhard: «Es war eine schöne Zeit.»

Erstaunlich früh hat Pepe Lienhard seine erste Band, «schon mit zwölf». Auch zum Bandleader avanciert er rasch. Er spürt: Hier liegen seine Stärken. Von sich selber sagt Pepe Lienhard, er sei «kein Überflieger am Saxophon». Aber ein gutes Organisationstalent. Und er sei einer, der mit Menschen umgehen könne. Sich selber vergleicht er mit einem Fussballtrainer.

Worauf es ihm ankommt, beschreibt Pepe Lienhard so: «Das musikalische Niveau muss stimmen, das ist klar.» Er kenne Neue ohnehin oft schon aus der Szene, bevor sie zu seiner Band stossen. «Darüber hinaus aber achte ich stark aufs Menschliche. Und ich täusche mich selten. Ich muss Freude haben am Zusammensein mit meinen Musikern.»

Freddy Burger taucht auf

Unter dem Namen «The College Stompers» tritt Pepe Lienhards Band an Schul- und Strassenfesten in Lenzburg auf. Gerade kürzlich habe ihn jemand vom vornehmen Barbarossaweg angefragt, ob er noch einmal spielen könnte, erzählt er. «Und zwar zur Gage von damals. Das waren fünfzig Franken für die gesamte Band.» Doch obwohl das «Virus» da ist, denkt Pepe Lienhard nicht daran, er könnte Berufsmusiker werden. Statt dessen wählt er sich ein Studium, das ihm viel Zeit für Tanzmusik und Jazz lässt – die Rechtswissenschaften. «Ich wäre der erste Akademiker in der Familie gewesen», sagt er.

Doch dann taucht Freddy Burger auf, der noch heute, bald fünfzig Jahre später, Pepe Lienhards Manager ist. «Er hat uns als Amateurband ein paar Engagements verschafft und mich überredet, doch Profimusiker zu werden. Nach dem Vorbild von Hazy Osterwald, der damals das Mass aller Dinge war, haben wir uns als Sextett formiert.»

Ordnung im Fadenkörbli

Sein Manager und dessen Mitarbeiter sind für ihn über die Jahrzehnte wichtiger und wichtiger geworden. Pepe Lienhard will Musik machen und sich nicht ständig mit komplizierten Verträgen oder Steuersachen herumschlagen müssen. «Ich will ruhig schlafen können», sagt er. Und sei deshalb «gottenfroh», auf Freddy Burger zählen zu können. «Man braucht Ordnung im Fadenkörbli», sagt er auf seine wunderbar anschauliche Weise. Nur so ist es denkbar, dass Pepe Lienhard mit bald siebzig Jahren derart anstrengende Tournées meistert – mit Konzerten in dichter Folge. «Da ist für alles gesorgt», erzählt er. «Wir haben unseren eigenen Bus, Essen und Hotel sind organisiert. Da macht es Freude, auf der Bühne zu stehen.» Zu den Musikern seiner Big Band pflegt er ein respektvolles Verhältnis, oft spielen sie seit Jahrzehnten mit ihm. «Pino Gasparini ist im 47. Jahr dabei, andere auch schon mehr als dreissig. Viele Ehen halten nicht derart lange.» Daneben haben seine Musiker ihre Jobs. Viele unterrichten als Musiklehrer, andere arrangieren Stücke für andere Orchester. Ist einer verhindert, muss er einen Ersatz stellen. «Diese neuen Musiker sagen dann oft, es sei unglaublich, wie gut wir es miteinander hätten. Der Groove muss stimmen.»

Er will sich nicht anbiedern

Zwischen fünfzig und hundert Konzerte spielt Pepe Lienhard immer noch pro Jahr. «Dieses Jahr sind es eher mehr, es läuft extrem gut», sagt er. Demnächst geht er auf Schweizer Tournée und kommt auch in die Ostschweiz (siehe Kasten). Hinzu kommen Galas, Fernsehauftritte, Geburtstage. Das Publikum wird mit ihm älter, geht aber immer noch mit Feuereifer mit. Und Pepe Lienhard ist es wohl dabei. Wohl auch, weil er sich treu geblieben ist.

«Natürlich haben die Jungen einen anderen Puls», sagt er. «Bei ihnen ist es nicht Swing, sondern Rap oder Hip-Hop.» Sich anzubiedern, daran habe er «keine Sekunde gedacht». Er habe sich immer als Interpret verstanden und sei nie jemand gewesen, der die Musik habe verändern wollen. «Ausser Glenn Miller habe ich alle Grossen live erlebt. Sie glaubwürdig zu spielen, das ist mein Ding. Grenzen zu sprengen, das war nie mein Weg. Ich wollte die Menschen immer unterhalten mit schöner Musik. Dazu braucht es viel Professionalität.»

Seine Frau Christine ist mit dem Hund laufen gegangen. Und wir verabschieden uns.

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