Abendfüllend schlecht gelaunt

Daniel Ziegler hat sich die Griesgrämigkeit zum Markenzeichen gemacht. Es begann bei Simon Enzler, heute kennt ihn die ganze Schweiz nur «södderig». Jetzt hat sein erstes Soloprogramm Premiere. Was hat er da vor?

Michael Hug
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Daniel Ziegler sagt über sein Soloprogramm: «Ich habe mich nicht neu erfunden, ich habe nur ein paar Facetten zugelegt.» (Bild: Michael Hug)

Daniel Ziegler sagt über sein Soloprogramm: «Ich habe mich nicht neu erfunden, ich habe nur ein paar Facetten zugelegt.» (Bild: Michael Hug)

Der Griesgrämige, Bärbeissige, Grantler, dem das Müssen, das Arbeitenmüssen ins Gesicht geschrieben steht: So kennt ihn die Schweiz. Wenn man Daniel «Dani» Ziegler zu etwas auffordert, oder auch nur ganz scheu um seine Meinung fragt, kann man mit einer schnodderigen Antwort rechnen.

Ohne Schuhe im «Gambrinus»

So lässt man ihn am besten in Ruhe, gibt ihm ein Zeichen, und er macht seinen Job. Den macht er gut. Überraschend gut. Er ist einer der Ersten, der mit Sequenzer und Loops auf der Bühne arbeitete. Kaum der Jazzschule entsprungen im Jahr 2000, sitzt er schuhelos im «Gambrinus» und führt dem staunenden Publikum mit baren Füssen sein obskures Maschinchen am Boden vor.

Das Maschinchen kann nicht viel, aber das klingt umso überraschender: Es wiederholt einen kurzen Basslauf bis zur schwindelerregenden Ewigkeit. Und Dani Ziegler wird bekannt als der E-Bassist, der nicht viel sagt, umso mehr spielt und wiederholt verblüfft.

Es ist dann die Liaison mit einem alten Maturakumpel, die Ziegler, Jahrgang 73, richtig bekannt macht. «Ich habe Simon Enzler am Gymnasium in Appenzell kennengelernt», sagt er. Enzler ist ein «echter Innerrhödler», Ziegler ist ein «unechter», da er als Kleinkind aus Luzern nach Gais zugewandert ist. Auch Enzler kann «söddere» über alles, was ihn nicht recht dünkt. Mit ihm wird sein wortkarger Konterpart berühmt.

Der eine stemmt das Programm, der andere sitzt da und zupft den E-Bass, wenn er dazu geheissen wird. Und so wird Enzler zum Star – und Dani Ziegler zum Antistar.

Bühne, Film, Fernsehen

So sieht es das Publikum. «Das war natürlich nicht so», sagt Dani Ziegler, «wir machten das zusammen, wir hockten beide über den Ideen und entwickelten das Programm.» Ausserdem, erinnert sich Ziegler, traten sie als die «Intellenten» schon in den Neunzigerjahren zusammen auf. Enzler war gerade 20 geworden, Ziegler 23, beide mit der Matura im Sack. «Ich ging an die Jazzschule und wurde dann freischaffender Musiker und Musiklehrer», erzählt Dani Ziegler. Gehversuche mit «Drum and Bass Connection DBC» folgen, Auftritte auf kleinen Bühnen, dann mit Simon Enzler auf mittleren Bühnen, dann Film («Töfflibuebe»), dann Fernsehkarriere bei «Giacobbo/Müller».

Der rasante Aufstieg via TV hat den Luzerner/Gaiser, der jetzt in Herisau wohnt, in die nationale Komiker-Szene katapultiert und einem breiten Publikum bekannt gemacht. Dies weniger mit seiner Musik denn seiner Attitüde, mit dieser Griesgrämigkeit. Kann es befriedigend sein, neben zwei gewieften Fernsehkoryphäen in blossen Socken den Deppen zu spielen? «Es ist halt eine Rolle» sagt Dani Ziegler. 42 Minuten Mienenspiel, das nur die Zuschauer im Zürcher «Kaufleuten» mitbekommen, wo die Sendung am Sonntagnachmittag jeweils aufgezeichnet wird.

«Jetzt ist die Chance da»

Doch die drei Minuten im Fokus der Kamera haben für Dani Zieglers Aufstieg in die Glanz-und-Gloria-Szene gereicht. Allerdings: Ziegler weiss, dass dieser Glanz schnell verglüht. «Jetzt ist die Chance da», sagt Ziegler, jetzt, mit 43 Jahren. «Diese Welle muss ich nutzen.» Also muss er nachlegen. «Giacobbo/Müller» läuft Ende dieses Jahres aus. Für die letzte Staffel von September bis Dezember hat der Bassist mit dem Pferdeschwanz eben unterschrieben. Dann käme nichts, weil Simon Enzler zurzeit alleine tourt, und ihm bliebe nur die Musiklehrertätigkeit.

Seit Jahren Pointen gesammelt

Fünf Schülerinnen und Schüler hat der E-Basslehrer an der Musikschule St. Gallen. «Ein guter Ausgleich. Und es ist sehr befriedigend, jemandem etwas beizubringen. Man lernt auch selber dabei.» Ziegler wohnt mit Lebenspartnerin und deren zwei Kinder in Herisau: «Mit grandioser Aussicht auf die Stadt.»

Seit Jahren hat er Pointen, Sprüche und Begebenheiten zusammengetragen, hat Texte kreiert und ein Drehbuch geformt. «Ich habe mich für mein neues Programm nicht neu erfunden, ich habe nur ein paar Facetten zugelegt.» Eineinhalb Stunden schlechte Laune, kann das gutgehen? Ziegler verspricht, dass es gerade deswegen lustig wird.

Der Verbitterte als Rolle

Ironie, Sarkasmus, Lästern über Andere und Anderes, das machen ja auch andere Komiker und Kabarettisten. «Ich spiele einen Musiker, der glaubt, die ganze Welt sei schlecht zu ihm.» Ein Musiker, der resigniert hat, kein Selbstvertrauen mehr in sich trägt, «ein furchtbarer Typ».

Die Griesgrämigkeit ist seit den ersten Bühnenerfahrungen Zieglers Masche. Man muss sich etwas Eigenes zulegen, um wahrgenommen zu werden, sagt er. Er macht das offensichtlich gut: «Es gibt Leute, die nehmen das ernst. Die meinen ich sei tatsächlich so.» Bei den Einen komme das an, bei Anderen vielleicht nicht, «ich kann und will nicht allen gefallen.»

«Humoristische Musikstunde»

Bei seinen Rollen als schrulliger Nebendarsteller musste er bis anhin kein in Stein gemeisseltes Drehbuch befolgen. Das wird bei seinem Programm anders. Worum geht es dem «Bassimisten»? «Ich will den Leuten zeigen, was für einen Schrott sie hören müssen.» Und trotzdem alles cool finden, nur weil es ständig und überall aus dem Äther rieselt. Mit E-Bass und seinen berühmten Loops will er den Zuhörenden vorführen, warum alles gleich tönt, was auf den Musikmarkt kommt. «Es wird eine humoristisch-satirische Musikstunde, mit Beispielen, bei denen ich mich im Thema völlig verliere und abdrifte.» Am Schluss der Show wird er das Gelernte umsetzen: «Wir machen den Sommerhit 2016.»

Musikalische Nebenrolle bei Giacobbo/ Müller. (Bild: SRF/Nici Jost)

Musikalische Nebenrolle bei Giacobbo/ Müller. (Bild: SRF/Nici Jost)

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