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90 Rappen für 600 Streams

«079» von Lo & Leduc ist seit 16 Wochen auf Platz 1 der Schweizer Charts. Den Song kann man gratis runterladen, trotzdem kaufen ihn 1000 Personen pro Woche.
Michael Graber
Lo & Leduc stehen mit "079" seit Wochen auf Platz 1 der Schweizer Charts. (Bild: PD)

Lo & Leduc stehen mit "079" seit Wochen auf Platz 1 der Schweizer Charts. (Bild: PD)

Die einen hassen ihn, die anderen lieben ihn: «079», der Sommerhit von Lo & Leduc. Mittlerweile gibt es bereits Turnvereine, die zum Song eine Choreografie machen. Der Hype ist riesig. Diesen Sonntag dürfte der Song zum 16. Mal auf Platz 1 der Schweizer Charts stehen – damit ist er mit Abstand der erfolgreichste Schweizer Song aller Zeiten.

Und er ist vor allem Zeichen einer Zeitenwende: «079» hatte anfänglich keine grosse Radiopräsenz. Er gilt als Streaming-Phänomen. Das ist aber nur bedingt richtig, wie Martin Geisser vom Lo & Leduc-Label Bakara Music ausführt, «das Verhältnis bezahlter Downloads zu Streams auf Musikplattformen wie Spotify ist in der Zwischenzeit ungefähr fünfzig zu fünfzig».

«079» hat noch immer über 35'000 Streams pro Tag

Das ist erstaunlich. Ganz grundsätzlich hat man die Möglichkeit, «079» herunterzuladen, ohne dafür bezahlen zu müssen. Lo & Leduc stellen ihr Album «Update 4.0» gratis zur Verfügung. Auf ihrer Homepage kann per Mausklick die ganze Platte inklusive «079» bezogen werden.

Auf den offiziellen Downloadplattformen kostet der Song rund 1,90 Franken. Dass Menschen dort den Song kaufen, kann sich Geisser damit erklären, dass der Mensch wohl ein Gewohnheitstier sei: «Wenn ich bisher immer auf iTunes Songs gekauft habe, ist meine erste Anlaufstelle weiterhin iTunes.» Das Gratisalbum würden vor allem Fans down­loaden. Geisser sagt auch:

«Nur mit Streams wären wir nicht auf Platz 1.»

Bevor «079» als kostenpflichtiger Download angeboten wurde, schaffte es der Song zwar knapp in die Top 20, aber nicht höher. Auch das ist erstaunlich: «079» hat immer noch über 35'000 Streams pro Tag, macht 300'000 Streams pro Woche. Würde eine einzige Person «079» 300'000-mal am Stück hören, so würde das knapp zwei Jahre dauern.

Obwohl so viele Leute den Song auf Streamingplattformen hören, braucht es für eine Hitparadenplatzierung trotzdem noch Downloads. Das liegt daran, dass Streams weniger stark gewichtet werden als Downloads.

220 Streams entsprechen in der Hitparadenwertung einem Download. Und: Streams von Usern, die ein Gratis-Abo haben, werden nicht mitgezählt. Der Anteil an Benutzern, die Spotify und Co. mit solchen kostenlosen Testaccounts nutzen, ist sehr hoch. Dementsprechend sind auch längst nicht alle der mittlerweile 5,5 Millionen Streams des Songs auf Spotify hitparadenrelevant.

Ein Song bezahlt die ganze Platte

Die Gratis-Abos sind auch schlecht für die Einnahmen der Musiker. «Streams von Usern mit einem kostenlosen Abo bringen weniger Geld für die Urheber», sagt Martin Geisser. Genaue Zahlen will er nicht nennen. Das hänge von vielen Faktoren ab. Einfacher ist die Rechnung dagegen bei den Downloads: Da schütten die Anbieter jeweils ­etwas weniger als die Hälfte des Kaufbetrags aus. Bei «079» also wohl rund 90 Rappen pro Verkauf.

Genauer will Geisser auch da nicht werden. Branchenkenner gehen jedoch davon aus, dass pro Woche über 1000 Personen «079» downloaden. Macht rund 1000 Franken pro Woche. Wer noch etwas weiter rechnet, kommt zum Schluss, dass man mit Downloads rund vier Mal mehr verdient als mit Streams. Um den gleichen Beitrag wie bei einem Download von einem Streaminganbieter zu bekommen, muss «079» dort rund 600 Mal gespielt werden.

Geisser ist kein Nostalgiker, der den guten alten Zeiten mit CD-Verkäufen nachtrauert. «Wir müssen sehr zufrieden sein.» Die Platte «Update 4.0» sei als Gratis-Album geplant gewesen. «Wir gingen davon aus, dass wir Geld drauflegen müssen», sagt Geisser. Mittlerweile habe «079» aber die ganze Albumproduktion refinanziert. Und auch wenn am Schluss der Hauptteil der Monetarisierung des Songs über klassische Formate laufe, entstanden ist der Hype über Streamingplattformen.

Übrigens: Zu «079» gibt es kein Video – auf Youtube, eine wichtige Marketingplattform, ist der Song nicht zu finden. Der Entscheid, den Song da nicht einzustellen, war ein bewusster: «Meine Erfahrung zeigt, dass dann weniger Leute den Song streamen», sagt Geisser.

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